Porträt

laut.de-Biographie

Alexandra

Die wildesten Gerüchte ranken sich um den Tod der jungen Frau, die am Nachmittag des 31. Juli 1969 auf der B203 hinter Itzehoe ein Stoppschild überfährt und frontal von einem mit mehreren Tonnen Steinen beladenen LKW zusammenstößt.

Es sollte Alexandras wohlverdienter Erholungsurlaub werden, den sie nach Wochen auf Tour, ständigen Festival- und Fernsehauftritten, Vertragsverhandlungen mit dem Label und vollendeter Arbeit an ihrem zweiten Album mit Mutter Wasselewska und Sohn Alexander auf der Insel Rügen verbringen wollte.

Bis dahin durchlebt die Mittzwanzigerin einen steilen Aufstieg. Mit 17 bricht sie kurz vor ihrem Abitur die Schule ab, verdingt sich zunächst als Sekretärin und Zimmermädchen, bevor sie 1962 an der Kieler Muthesius-Kunsthochschule ein Grafikstudium beginnt. Bereits von ihren ersten Lohnzahlungen leistet sie sich eine Gitarre, deren Spiel sie sich autodidaktisch aneignet.

Den Teenie-Traum, Grafikerin zu werden, legt sie bereits nach zwei Semestern ad acta. "Während ihre Kommilitonen arbeiteten, saß sie zumeist auf ihrem Zeichentisch und spielte bekannte sowie selbstkomponierte Lieder", erinnert sich ein Studienfreund später. Als ihre Eltern sich scheiden lassen und sie mit ihrer Mutter und ihren Schwestern von Kiel nach Hamburg zieht, lernt sie den Exilrussen Nikolai Nefedov in einem russischen Restaurant kennen.

Die damals 18-Jährige, deren Eltern mit ihr kurz nach ihrer Geburt 1944 vor der Roten Armee vom Memelland nach Kiel flüchten, fühlt sich schon lange der russischen Folklore und Lebensweise verbunden. Sie verliebt sich in den 30 Jahre älteren Nefedov, der ihr russische Volkslieder näherbringt, heiratet ihn und bringt 1963 im ersten Hochzeitsjahr Sohn Alexander zur Welt. Doch die Ehe zerbricht kurz darauf, bereits nach einem Jahr reicht sie die Scheidung ein, behält den Nachnamen Nefedov jedoch.

Rastlos und gierig nach Erfolg sei sie gewesen, so ihr Ex-Ehemann. Kurz nach der Scheidung nimmt sie neben einem Job in einer Autovermittlung nach Dienstschluss auhc noch Schauspiel- und Gesangsunterricht. Es soll sich auszahlen: Ein Bekannter vermittelt sie an den Plattenproduzenten Fred Weyrich, der sie, von ihrem Talent restlos überzeugt, an Phonogram bindet.

1967 erscheint mit "Premiere Mit Alexandra" das Debüt der mittlerweile 25-Jährigen, ein Jahr später der selbstbetitelte Nachfolger. Es sollten die einzigen beiden Platten bleiben, deren Veröffentlichung sie noch selbst miterlebt.

Um ihre Karriere voranzutreiben, geht sie direkt nach ihrem Debüt auf große Tour durch die damalige Sowjetunion. Wieder zuhause, präsentiert sie ihre Sangeskunst bei jeder sich bietenden Gelegenheit, schreibt Lieder für Udo Jürgens und Salvatore Adamo, mit denen sie ebenfalls Tourneen spielt.

1969 schließlich reist sie nach Rio de Janeiro, um an einem Musikwettbewerb teilzunehmen. Sie habe noch nie ein Volk erlebt, dass die Musik dermaßen im Blut habe, erzählt sie in der Dokumentation "Portrait In Musik". Ihre eher ruhigen Lieder kämen bei einer so tanzwütigen Nation nicht an.

In Teilen gilt das auch für Alexandra selbst, die danach strebt, in einem Atemzug mit Chanson-Größe Edith Piaf oder Gilbert Becaud und Vico Torriani genannt zu werden. Gerüchten zufolge soll sie einen ihrer größten Erfolge, "Sehnsucht", auch bekannt als "Das Lied Der Taiga", so gehasst haben, dass sie den Titel nur ein einziges Mal unter Tränen im Studio gesungen habe.

Wie der tödliche Unfall genau vonstatten ging, ist auch Jahrzehnte später noch unklar. Die vom Stress physisch und psychisch angegriffene Sängern habe Suizid begehen wollen, sagen einige, ihr Wagen sei bei einer Reparatur kurz zuvor manipuliert worden, andere.

Ihr Ex-Mann, der angeblich Beziehungen in die Unterwelt unterhalte, oder ihr damaliger Ex-Verlobter Pierre Lafaire, der tatsächlich ein amerikanischer Geheimagent war, seien für ihren Tod verantwortlich. Erschwerend kommen Morddrohungen gegen den Regisseur Mark Boetcher während dessen Arbeit an der Dokumentation "Alexandra - Legende Einer Sängerin" hinzu. Und das noch mehr als 30 Jahre danach.

Was auch immer die Ursache des Unfalls war, die deutsche Musiklandschaft verliert an jenem Tag ihre größte Chanson-Hoffnung, die eine Lücke hinterlässt, die seither nie aufgefüllt werden konnte. Gleichzeitig wird eine Legende geboren, denn unsterblich bleibt Doris Alexandra Nefedov trotz ihres Todes.

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  • Alexandra-Welt

    Umfangreiche Fanseite des Vereins "Alexandra-Freunde e.V."

    http://www.alexandra-welt.de
  • Makaber?

    Alexandras Grab via findagrave.com

    http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=5213686
  • Alexandra-Portrait

    Eine weitere Fanseite.

    http://www.alexandra-portrait.com/

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