Porträt

laut.de-Biographie

Shogoon

"Wenn du ein Haus und Garten haben willst, dann ist Minden an den richtigen Ecken die richtige Stadt. Wenn du gar kein Geld hast, wirst du in den einen Problembezirk gedrückt." Fabian Boenig wird 1992 in der besagten Kreisstadt geboren. Ab dem sechsten Lebensjahr übt er sich in der Kampfkunst Ju-Jutsu. Doch auf der Suche nach "Überlebensstrategien als Vorstadtjunge" hilft Selbstverteidigung nur bedingt weiter. Schnell bemerkt er, dass sich der wahre Gegner hinter der Langeweile und der mit ihr verbundenen Frage verbirgt, "was man mit seiner viel zu vielen Freizeit anstellt".

Mit zehn Jahren erlebt Boenig den ersten Einschnitt in seinem Lebenslauf. Auf die Trennung seiner Eltern folgt der Umzug in eine Einzimmerwohnung. Zu allem Überfluss verliert seine allein erziehende Mutter auch noch ihren Job. Der soziale Abstieg fällt mit dem Wechsel aufs Städtische Gymnasium zusammen, "wo die ganzen Snobs hingehen", die ihn seinen finanziellen Außenseiterstatus spüren lassen. Nach Schulschluss gesellt er sich dann auch lieber zu den Brüdern im Geiste an der benachbarten Hauptschule. "Die Schule war echt keine geile Zeit", resümiert er später diese Phase.

2002 entdeckt er mit der Veröffentlichung von "8 Mile" Hip Hop für sich. Auf Eminem folgen mit Curse und Sido die beiden wichtigsten Einflüsse. Der "Weihnachtssong" animiert ihn dazu, sich den späteren Klassiker "Maske" zuzulegen. Parallel dazu verliert er sich in den Sinnfluten seines Mindener Kollegen: "Curse war krass reflektiert und hat dir gute Sachen mit auf den Weg gegeben, aber Sido hat dir beigebracht an den richtigen Enden auch mal drauf zu scheißen und es dir gut gehen zu lassen. Die beiden haben mich krass an die Hand genommen."

Mit "Das Urteil" entdeckt er Kool Savas für sich. Während ihn MC Eiht und Snoop Doggs "Doggystyle" mit entspannten G-Funk-Vibes versorgen, gewährt ihm Big L mit "Lifestylez Ov Da Poor & Dangerous" Einblicke in das Leben auf den Straßen von Harlem. Auch Caspers "XOXO" hinterlässt seine Spuren, doch die Entscheidung über seinen weiteren Werdegang fällt erst, als er zwischen seinem letzten Schultag und den Abiturprüfungen "Embryo" von MoTrip hört. Dessen Stil lobt er als "nicht zu didaktisch, nicht zu asozial". Zum Instrumental von "Was Mein Auto Angeht" schreibt er seinen ersten Text.

Nach Freestyle-Auftritten in Minden und einem Intermezzo als HiFive! in der VBT-Arena organisiert er sich Instrumentals von Rappers.in und verbreitet im Oktober 2013 seine ersten Songs über Facebook. Mit "Harakiri" folgt ein Jahr später sein Debüt unter dem Pseudonym Shogoon. Auf dem Tape rappt er über seine Lieblingsbeats aus Übersee, was er im Rückblick als anmaßend empfindet. 2016 erscheint in Zusammenarbeit mit einem Chemnitzer Produzenten die "Skoolyard EP". Das Ergebnis sagt ihm selbst schon eher zu, doch die ungeklärten Samples stehen nachträglich im Weg.

Auf die Boom-Bap-Anfänge wagt er sich 2017 an eine "moderne Platte". "Ugly" fährt zeitgeistige Trap-Unterlagen und Autotune-Gesang auf. Zwar weise das Tape für ihn persönlich eine hohe Bedeutung auf, doch im Rückblick klinge sie "zu 70% Müll". Über zwei Jahre bringt sich Shogoon alle Schritte der Musikproduktion selbst bei. Sogar die Abmischung und das Mastering beschreitet er im Do-it-yourself-Verfahren. Mit neu erworbenen Fähigkeiten zieht er nach Berlin, wo er sich selbstbewusst an den Geschäftsführer von Urban Tree Music wendet: "Ich will jetzt Mucke machen: Bist du dabei oder nicht?"

Das Label zeigt sich überzeugt und veröffentlicht ab Frühjahr 2019 die Singles "Cremeweiß", "6 km/h" und "Parkplatz" aus der folgenden EP "Akt 1: 32425". Der erste von drei geplanten Teilen behandele Shogoons ersten Lebensabschnitt und sei deshalb "mit Absicht ein bisschen infantil gehalten". Musikalisch orientiert er sich am Westcoast-Hip-Hop, dessen Vielseitigkeit er preist: "Das Soundbild von Westcoast bietet dir alle Möglichkeiten. Du kannst einen straight gerappten, einen nur gesungenen oder einen Up-Tempo 4-to-the-floor Song machen. Es liefert das breiteste Spektrum."

Mithilfe der Westcoast-Einflüsse fühle er sich zudem dazu in der Lage, "eingängige Songs zu machen, die kulturell auch noch schön am Nabel vom Hip-Hop bleiben." Eben diesen möchte Shogoon in Form aktiver Aufklärungsarbeit herausstellen: "Ich will der breiten Masse zeigen, was guter Rap ist und woher Hip-Hop kommt." Für ihn stellt sich dieser Weg als alternativlos dar. Trotz fünf begonnener und wieder abgebrochener Studiengänge führt kein Weg an der Musikerlaufbahn vorbei: "Ich habe gerade ganz bewusst keinen Plan B. Ich will, dass es klappt. Und es soll so gut klappen wie möglich."

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