Porträt

laut.de-Biographie

Primal Scream

In Jim Beatties Schlafzimmer gründen der Zimmerbesitzer sowie Bobby Gillespie 1982 nach einer gemeinsamen Jamsession die Band Primal Scream. Nach The Jesus & Mary Chain sind die Schotten die zweite Combo auf Alan McGees Label, dem dank Oasis ruhmreichen Creation Records, das im Jahr 1999 aufgelöst wurde.

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Bobby freundet sich mit den Labelkollegen Jesus & Mary Chain an und steigt kurzzeitig als Drummer auf einer Tour beider Bands ein. Das Angebot seiner Kumpels, künftig bei ihnen die Felle zu dreschen, lehnt er mit der Begründung ab, sich verstärkt um die Belange von Primal Scream kümmern zu wollen. 1986 wird die Band erstmals über ein Feature auf dem NME-Sampler "C86" einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Im folgenden Jahr erscheint das Debüt "Sonic Flower Groove", eine von Indierock-Gitarrengeschrammel dominierte Scheibe, die keinen großen Anklang findet. Aus Frust darüber verlässt Jim Beattie Primal Scream.

Die selbstbetitelte Platte von 1989 stellt dann einen Rock'n'Roll-Bastard dar, irgendwo zwischen den Rolling Stones, The Stooges und MC5, trifft allerdings auf noch weniger Gegenliebe als der Vorgänger. Zu dieser Zeit hält ein aus dem britischen Underground kommender, Rock und Dancemusik verschmelzender Sound Einzug in die Clubs, angeführt von den Happy Mondays und den Stone Roses.

Davon völlig fasziniert gibt die Band einem befreundeten Musikerkollegen, nämlich Andrew Weatherall (einem der Two Lone Swordsmen), den Auftrag, den Track "I'm Losing More Than I'll Ever Have" vom zweiten Album zu remixen. Das Ergebnis ist ein völlig umgekrempeltes Stück, das unter dem neuen Titel "Loaded" von der jungen Szene begeistert aufgenommen wird.

Das dritte Scream-Album "Screamadelica", u.a. von Weatherall und The Orb produziert, bringt den Schotten den Durchbruch im Vereinigten Königreich. Denn der Psychedelic-Dancerock kommt bei Kritik und Hörerschaft gleichermaßen gut an und 1992 staubt die Band sogar den Mercury Music Prize der Industrie ab. Komischerweise kehren Primal Scream danach auf "Give Out But Don't Give Up" zum eher antiquierten Sound von Jagger & Co. zurück, was bei den neu gewonnenen Fans nicht gerade Begeisterungsstürme entfacht. 1996 läuft "Trainspotting" in den Kinos an und Primal Scream liefern den Titeltrack ab, der gleichzeitig die Rückkehr zu Dancerock und wieder mehr Credibility beim Publikum bringt.

"Vanishing Point" beinhaltet 1997 einen gesunden Mix aus dunklem Dub, Dance und Rock. Ex-Stone Roses-Bassist Gary "Mani" Mounfield gefällt die Zusammenarbeit beim Track "Kowalski" so gut, dass er sich entschließt, der Band beizutreten. "XTRMNTR" setzt den eingeschlagenen Weg konsequent fort, und die Schotten gewinnen Kevin Shields von My Bloody Valentine kann als neues Bandmitglied.

Bobby Gillespie And Jehnny Beth - Utopian Ashes
Bobby Gillespie And Jehnny Beth Utopian Ashes
Jehnny und Bobby auf den Spuren von Nancy und Lee.
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Vor der Veröffentlichung von "Evil Heat" legen die Alternativ-Rocker eine saubere Kehrtwende hin: Sie nehmen das umstrittene "Bomb The Pentagon" komplett neu auf, der Song bekommt teilweise neue Lyrics und den neuen Namen "Rise". In seiner Originalfassung war der kurz vor dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 fertig gestellte Song eine wütende Attacke auf die US-Außenpolitik. Doch nun will sich die Band angeblich von der Politik abwenden. Während Bandleader Bobby Gillespie jeden Kommentar verweigert, lässt sich Bassist Mani vom britischen NME zitieren: "Auch wenn das billig klingt, wir wollen mit unserer neuen Platte einfach nur zeigen, wie schön das Leben ist", verteidigt er den plötzlichen Sinneswandel der Band, die eigentlich für ihre teilweise extremen politischen Ansichten bekannt ist.

2006 erscheint nach längerer Album-Pause das Werk "Riot City Blues". Der Titel deutet es bereits an: Die Scream-Gang hat die Elektronik Elektronik sein lassen und sich auf die eigenen Gitarrenwurzeln besinnt. Nach Kate Moss und Robert Plant auf "Evil Heat" laden die Schotten diesmal Kate Mosshart von The Kills und Echo & The Bunnymen-Gitarrist Will Sergeant ins Studio.

Primal Scream haben sich im Laufe der Jahre zu einem musikalischen Chamäleon entwickelt, das je nach Gebot der Zeit Dance-, Dancerock- oder Gitarrenmusikliebhaber bedient und selbst vor "lieblichen" Klängen nicht zurückschreckt, wie "Beautiful Future" im Jahr 2008 beweist. Nach der Veröffentlichung der DVD "Screamadelica Live" verlässt Mani 2011 Primal Scream wieder und kehrt zu seiner Ex-Band zurück: den reformierten The Stone Roses. An seine Stelle tritt Debbie Googe, der zuvor bei My Bloody Valentine den Bass zupfte und auch an den Aufnahmen zu "More Light" (2013) beteiligt ist.

Dem gehobenen Alter entsprechend werden die Pausen zwischen den Alben nun länger. Nach dem gelungenen "Chaosmosis" 2016, das den Hörer gleichzeitig vor den Kopf stößt, ihn zärtlich in den Arm nimmt, nur um ihm dann im Stile eines Mike Tyson ins Ohr zu beißen, hört man mehrere Jahre nichts mehr. 2021 kehrt zumindest Gillespie zurück: Mit Savages-Sängerin Jehnny Beth frönt er der gemeinsamen Liebe zum 60s-Klassiker "Nancy & Lee" auf dem Album "Utopian Ashes". Ende 2021 geht das Duo auch gemeinsam auf UK-Tournee.

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Alben

Primal Scream - More Light: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2013 More Light

Kritik von Michael Schuh

Hitzig, hoch konzentriert und wütend wie eh und je. (0 Kommentare)

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