Porträt

laut.de-Biographie

Babsi Tollwut

"Sprache ist das, womit alle Menschen ständig in Verbindung sind. Sprache repräsentiert auch die gesellschaftliche Macht. Man kann mit Sprache richtig viel verändern." Babsi Tollwut hat ihre Waffe im Kampf gegen gesellschaftliche Missstände gewählt. Mit lyrischer Klinge nimmt sie von Sexismus bis Rassismus die strukturelle Gewalt ins Visier. Die auch neben ihrer Musik engagierte, sich selbst als queer-feministisch bezeichnende Rapperin produziert inhaltlich übervolle Songs: "Wenn ich einen Track schreibe, streiche ich am Ende immer etwas raus. Ich habe immer zu viel".

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Babsi Tollwut wird Anfang der 1990er unter dem bürgerlichen Namen Eva in Coburg geboren. Im Alter von fünf Jahren wecken Tic Tac Toe als erste Hip-Hop-Künstlerinnen im weiteren Sinne ihre Aufmerksamkeit. Im Laufe ihrer Jugend tingelt sie immer wieder nach Berlin, um sich Rap-Konzerte anzusehen. 2009 bricht sie schließlich mit ihrer als konservativ wahrgenommenen Heimat, um in eine Frauen-WG in die Hauptstadt zu ziehen. Ihr musikalischer Werdegang beginnt 2014, als sie mit ihrem Gitarrenlehrer den Song "Zum Abschluss Nochmal Meine Sicht" aufnimmt und online veröffentlicht.

Neben dem Edelhobby Musik studiert sie Gender Studies sowie Erziehungs- und Bildungswissenschaften im Master. Dem akademischen Umfeld kann sie wenig abgewinnen, wie sie gegenüber Flux FM ausführt: "Irgendwie habe ich mich da ein bisschen deplatziert gefühlt. Zwar sind die alle voll gebildet, aber sie sind auf so einem hohen Niveau trotzdem einfach krass unreflektiert." Mit dem Song "Hochgelesen" richtet sie einen letzten Gruß an ihre ehemaligen Kommilitonen: "Ich hab' euch nur bekifft ertragen".

Über Soundcloud erscheinen 2015 noch "Die Letzte Lüge", "Bitte Faszinier' Mich" und "Ver_rückt". Mit "Die Scheiße Parabel" geht sie zudem hart mit der Wahlheimat Berlin ins Gericht: "Seit ich hier lebe, ist diese Stadt für mich eine Macht, die alles verschlingt. Ich wünsch' mich tagtäglich weg, woanders hin, doch es hält mich hier, wo ich allmählich ertrink'". "Hütehund" und "Ich Lebe" folgen 2018 als erste Vorboten auf ihr Debütalbum. Die bislang größte Aufmerksamkeit generiert jedoch das Lied "Fischfänger", das sich mit dem gesellschaftlich festgelegten Frauenbild auseinandersetzt.

Babsi Tollwut fordert ein "generelles Bewusstsein über Machtverhältnisse im Rap", wie sie im Interview mit Jungle World erklärt: "Rapper wie Gzuz sind eine musikalische Ausformulierung der patriarchalen Verhältnisse und machen himmelschreiend klar, was es für Probleme gibt". Zwar habe sich die Situation für Frauen im Genre verbessert, dennoch bilden weibliche MCs weiterhin die Ausnahme: "Ich bin immer noch oft die Quotenfrau. Dann steht ein Haufen Typen auf der Bühne und dazwischen gibt es irgendwo mich. Wenn ich Glück habe, bin ich nicht die Erste, die auftreten muss".

Babsi Tollwut - HipHop Ist Am Arsch Aktuelles Album
Babsi Tollwut HipHop Ist Am Arsch
Eines der stärksten Deutschrap-Debüts der vergangenen Jahre.

Im Oktober 2019 feiert sie die Release-Party ihres Albums "HipHop Ist Am Arsch" in Berlin-Kreuzberg. Auch hier teilt sie sich die Aufmerksamkeit mit LMF, die ihre EP "Unterm Radar" vorstellen. MZEE lobt ihr Debüt als ein "verdammt wichtiges, absolut hörbares und in sich rundes Stück Musik." Vor allem an der inhaltlichen Ausrichtung findet Redakteur Daniel Fersch Gefallen: "Rassismus, Sexismus, Homophobie, aber auch die eigenen Unzulänglichkeiten und Schwächen werden schonungslos offengelegt und angegangen".

Um auch abseits der Musik sinnvolle Arbeit zu leisten, gibt sie gemeinsam mit einer Sozialpädagogin Workshops für Kinder Geflüchteter. Zudem arbeitet sie in einer Kindertagesstätte. Auch ihre Anhängerschaft fordert sie auf, sich zu engagieren. Zwar hoffe sie, dass ihre Musik "Power oder Mut" gebe, doch für das Ziel, "dass hier was zum Besseren verändert, reicht das leider nicht". Auf Instagram fasst sie die Agenda so zusammen: "Mischt euch ein, seid laut, nehmt euch, was ihr braucht, unterstützt euch, denkt nach. Dabei könnt ihr gerne 'HipHop Ist Am Arsch' hören".

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