Porträt

laut.de-Biographie

Daddy Freddy

Eine Minute ist meist ziemlich kurz. 507 Silben sind eine ganze Menge. 507 Silben in der Minute, knappe achteinhalb Silben in der Sekunde, Hölle und Verdammnis! Was soll man dazu sagen, außer: Das ist fuckin' schnell! Daddy Freddy bringt es auf insgesamt vier Einträge ins Guinness-Buch der Rekorde. Er verbessert die Marke in der Kategorie "Schnellster Rapper" von 346 auf besagte 507 Silben, zweimal stellt er in der BBC-Sendung Record Breaker einen neuen Weltrekord auf. Daddy Freddy gilt demzufolge als "World's Fastest MC".

S. Frederick Small kommt 1965 in Kingston, Jamaika zur Welt. Er wächst in Trenchtown auf; ganz in der Nähe betreibt Sir Coxsone Dodd sein legendäres Studio 1. Zunächst tritt Freddy mit dem Soundsystem seines Onkels auf, bevor er zu Lt. Stitchies Natty Dread wechselt. Zu erstem wirklichen Ruhm auf Jamaika führt ihn die Zusammenarbeit mit Sugar Minott, dem Godfather Of Dancehall. Dessen Debüt-LP "Live Loving" gilt als das erste Dancehall-Album; sein "Rub A Dub Sound Style" bekommt als erste Single die Bezeichnung "Ragga" aufgedrückt. Daddy Freddy tourt durch die Vereinigten Staaten und Großbritannien.

Auf den Riddim des Klassikers "Under Mi Sleng Teng" nimmt Daddy Freddy 1985 "Zoo Party", seine erste Single für Studio auf. Aus seinem 1986 folgenden Album-Debüt "Body Lasher" schaffen sechs Singles den Sprung in die jamaikanischen Top 10; "Joker Lover" holt gar die Spitzenposition. Ein Jahr später übersiedelt Daddy Freddy nach England, wo er von Music Of Life unter Vertrag genommen wird. Gemeinsam mit Produzent Asher D ist Daddy Freddy der erste, der sich an eine Fusion von Dancehall-Toasting mit Hip Hop-Beats wagt; das Album "Raggamuffin Hip Hop" (1987) wirkt stilbildend und beeinflusst sowohl die Hip Hop- als auch die Reggae-Szene im Königreich enorm.

Das Interesse an Daddy Freddy steigt; Kollaborationsanfragen kommen unter anderem von Dr. Dre, Cypress Hill, David Morales, Go West und Beats International (Norman Cooks Vorgängerprojekt von Fatboy Slim). Prodigy, Salt'n'Pepa und KRS-One, The Teacher, samplen Daddy Freddys Vocals. Nebenher nimmt er weiterhin Reggaesingles für sein jamaikanisches Publikum auf.

1988 blickt Daddy Freddy auf einen Guinness-Buch-Eintrag sowie immensen Erfolg auf Jamaika und den britischen Inseln - lediglich auf dem US-Markt könnte die Resonanz besser sein. Der Wechsel zu Chrysalis 1991 soll hier zum Durchbruch führen. Dieses Ziel erreichen jedoch weder "Stress" (von 1991, mit der Singleauskopplung "Daddy Freddy's In Town") noch "Raggamuffin Soldier" (1992). "The Big One" spielt Daddy Freddy 1994 wieder bei Music Of Life ein.

Ende der 90er Jahre zwingen ihn Erschöpfung (ausgelöst durch das anstrengende Tourleben) und wohl auch nicht unerheblicher Drogenkonsum zu einer Auszeit. Daddy Freddy pausiert und kehrt nach Jamaika zurück. Ganz lassen kann er seine Passion natürlich nicht; auch in dieser Zeit toastet er über diverse Dancehall-Tunes. Im Jahr 2000 führt ihn sein Weg allerdings erneut nach England, wo er gemeinsam mit der Dublegende The Rootsman sein Comeback "Old School, New School" produziert. Das Album erscheint bei Third Eye Movement. Ganz reibungslos scheint die Kollaboration mit dem Rootsman nicht abgelaufen zu sein; mangelhafte Kommunikation zwischen allen Beteiligten führt noch Jahre später zu Missverständnissen. Die Anekdote: The Bug, vertreten von einer Berliner Bookingagentur, verwendet auf seinem Album "Pressure" (2003) Daddy-Freddy-Vocals, die ihm vom Rootsman zur Verfügung gestellt wurden. Die Bug-Tour wird im Magazin "Riddim" angekündigt; eine unglückliche Formulierung erweckt den Eindruck, als sei Daddy Freddy auf dieser Tour dabei, was diesen ("Ich kenne diesen Bug nicht!") verständlicherweise empört. Vom schnellsten Rapper der Welt am Telefon mit Drohungen überzogen zu werden, die mit den Worten "Ich bin in Berlin, ich komm jetzt rüber." schließen: eine Erfahrung, die im Gedächtnis bleibt.

Daddy Freddy kam nicht rüber. Statt dessen wechselt er zum Berliner Label P.O.T.-Music und veröffentlicht dort 2004 "Hardcore", das sich durch enorme Bandbreite auszeichnet: Neben harten Ragga-Stücken für die Dancehall stehen melodische Tunes, Banghra- und Bollywood-Rhythmen sind ebenso spürbar wie elektronische Einflüsse. Mit "Ganja Fe Smoke", zu dem seine Ehefrau Nicole Nelson die Lyrics verfasste, ist auch die obligatorische Kifferhymne vertreten. Im September 2005 tritt Daddy Freddy im Rahmen des Popkomm Reggae-Festivals in Berlin auf; wer ihn einmal erlebt hat, weiß: Zweistündige Freestyle-Shows sind leicht möglich. Selbstverständlich abgehalten in höllischem Tempo.

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