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Im Jahr 2009 feierte man die Österreicherin Anja Plaschg, die hinter der exorzistischen Klavier-Elektronik von Soap&Skin steckt, vielerorts als neues Wunderkind des Goth-Pop. Nun steht mit Nika Roza Danilova schon die nächste junge Kandidatin für diesen undankbaren Titel bereit.
Auch sie, 1989 geboren, verbindet experimentellen Sound mit einer Art hochkulturellem Anspruch, der schon Plaschg bis in die Tagesthemen der ARD gespült hat. Das Mädchen mit russischen Wurzeln wächst in Madison in Wisconsin auf.
Seit ihrem zehnten Lebensjahr übt sie auf eigene Faust passioniert Operngesang, der ihrer Stimme Tiefe und Ausdruck verleiht. Daneben studiert sie Französisch und Philosophie und interessiert sich als Querkopf vor allem für Avantgarde: Sie liest Dostojewski, Schopenhauer und Nietzsche, Joy Division und The Residents avancieren zu Lieblingsbands.
Mit 16 Jahren nimmt Danilova erste eigene Songs auf, viele davon a capella, weil die Familie nur ein altes Klavier besitzt. Mit 18 Jahren startet sie ihr Projekt Zola Jesus, bei dem sie die Stimme einer Operndiva mit düsteren Soundfetischismus kombiniert. "Ich versuche, Songs zu erschaffen, die in ihrer Wirkung überlebensgroß und intensiv sind. Ich liebe einfach dieses Gefühl, wenn ein Song so überwältigend und kraftvoll ist, dass einem die Adern schmerzen."
Von derlei Emotionen angetrieben, bastelt Danilova mit episch rauschenden Synthesizern und krachigen E-Drums an minimalistisch-rauen Soundteppichen, die Noise-, Wave-, Industrial- und Gothic-Einflüsse besitzen und sich zugleich in den Harmonien auf melancholischen Pop der 60er Jahre beziehen. Das sehnsüchtige "Clay Bodies" von ihrem dritten Album "The Spoils" wird so zum ultimativen Nachfolger von "Just Like Honey" von The Jesus And Mary Chain.
"Wenn Danilova singt, glaubt man nahezu immer, dass es um Leben oder Tod geht", schreibt man bei Pitchfork angetan über das rabenschwarze Album, das dem Output von Xiu Xiu ziemlich nahe steht. Kein Wunder also, dass Danilova bald mit deren Frontmann, Indie-Goth-Koryphäe Jamie Stewart, anbandelt, um unter dem Namen Former Ghosts ein Album mit extrovertiertem Wave-Pop einzuspielen.
In der amerikanischen Indie-Szene gilt Danilova, die mittlerweile in Los Angeles lebt, bereits nach zwei Jahren als weit mehr als nur ein aufsteigendes Talent. Obwohl eigentlich ganz den Idealen von Low Fidelity verpflichtet, nimmt sie 2010 erstmals Songs professionell im Studio auf.
Aus den Songs der EP "Stridulum" wird später das vollwertige Album "Stridulum II", das Zola Jesus im Zuge einer Tour mit Fever Ray auch in Europa veröffentlichen. Das passt, schließlich hat auch Karin Dreijer Andersson mit ihrer Hauptband The Knife zuletzt eine Oper vertont.
Stridulum II (2010), LA Vampires Meets Zola Jesus (2010), Stridulum (2010), New Amsterdam (2009), The Spoils (2009), Burial Hex / Zola Jesus Split (2009), Tsar Bomba (2009)
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