laut.de-Kritik

Der goldene Schnitt zwischen Pop, Folk und Elektronik.

Review von

Die Entstehung von Tunngs Liedern mutet unorthodox an. Singer/Songwriter Sam Genders und Produzent Mike Lindsay tüfteln in ihrem winzigen Londoner Kellerstudio Songideen aus, die sie aufnehmen, zerstückeln, schichten und neu zusammen setzen. Weitere vier Bandmitglieder schauen vorbei, wenn es ihnen in den Kram passt, und leisten ihren Beitrag, der an kein bestimmtes Instrument gebunden ist.

Ein absolutes Chaos, könnte man vermuten. Doch so ist es nicht. Zu Beginn sind elektronische Geräusche zu vernehmen, die an Möwen erinnern, es folgen ein dumpfes Rauschen, gezupfte Saiten eines nicht näher identifizierbaren Instruments und eingestreute Perkussionen, bevor nach einer guten Minute eine gezupfte Gitarre und die Stimmen einer Frau und zweier Männer einsetzen, begleitet von weiteren elektronischen Schnipseln.

Das Überraschende an der Vielfalt: Sie hört sich durchaus harmonisch an. "Folktronica" lautet der Sammelbegriff für diese Art des Musizierens, die keinen festen Schemen folgt. Die Stücke hören sich an, als wären sie mehr oder weniger zufällig entstanden. Was ihnen eine einheitliche Struktur gibt sind die Stimmen, wobei Genders und Lindsay einen guten Sinn für Melodien beweisen, die poppig klingen, aber durch die vielen elektronischen Spielereien eine ganz eigene Stimmung erzeugen. In dieser Hinsicht erinnern Tunng an die Norwegerin Hanne Hukkelberg.

Manchmal geben sie sich fröhlich (etwa in dem an "Obladi Oblada" erinnernden "Bullets"), anderswo nachdenklich (zum Beispiel in "String"). Auf jeden Fall beweisen sie Erfindungsreichtum, wie in "Soup", in dem sich Schallplattenkratzer, ein Carillon und eine Akustikgitarre miteinander verweben, zwischendurch unterbrochen von einem Schlagzeug mit Festplattenschaden und einer verzerrten E-Gitarre.

Ein bisschen Paul Simon und ein bisschen Bright Eyes, ohne altmodisch oder künstlich zu klingen - auf ihrem dritten Album haben Tunng den goldenen Schnitt zwischen poppigen Melodien, elektronischen Basteleien und folkig-melancholischen Stimmungen entdeckt. "Good Arrows" ist ein Album, das bei jedem Anhören neue Facetten gewinnt. Zwischen den Wänden eines engen Kellers erschufen die Briten weite, verführerische Klangwelten.

Trackliste

  1. 1. Take
  2. 2. Bricks
  3. 3. Hands
  4. 4. Bullets
  5. 5. Soup
  6. 6. Spoons
  7. 7. King
  8. 8. Arms
  9. 9. Secrets
  10. 10. String
  11. 11. Cans

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LAUT.DE-PORTRÄT Tunng

Die ersten Schritte der Band könnten bescheidener kaum sein: Sam Genders tritt mit seiner Gitarre in Pubs auf, Mike Lindsay verdingt sich als Produzent …

3 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    Also ich wurde das erste mal mit diesem Album konfrontiert, als ich das Video zu "Bullets" sah und das is ein ziemlich komischer eindruck wenn man einen müllberg sieht, der langsam auf die sonne zufliegt. aber sowas soll ja nicht abschrecken und so hab ich mir das Album zugelegt und bleiben wir gleich mal beim Song "Bullets". Anfangs noch was von Tom Waits mit diesem fiesen lachen oder was auch immer es ist aber dann zu einem Ohrwrum der extraklasse werden. Und dieser Song ist da nicht der Einzelfall!
    Geiles Album kann ich also nur sagen und wer sie bisher nicht kennt sollte zumindest bei YouTube mal sich was anschauen... :D

  • Vor 9 Jahren

    @himself (« märz lässt tunng ziemlich blass aussehen, tbh. »):

    jetzt erklär mir noch den zusammenhang der beiden bands und ich kann dir vllt folgen...also wieso du nun ausgerechnet märs und tunng vergleichst?

  • Vor 9 Jahren

    aso aso...habe bisher net so oft das vergnügen mit der band märz gehabt. daher bleib ich eifnach mal bei tunng ;)