- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
"Berühmtheiten zu werden, war nie unsere Berufung. Das ist nur ein Produkt der Bekanntheit. Bekannt sein sollte man, wenn man in etwas gut ist", findet Neil auf der Höhe des Travis-Ruhms im Jahr 1999. Und er hat recht: Die Band, die melodramatischen Britpop salonfähig gemacht hat, ist sehr gut in dem, was sie tut.
Schon mit fünf Jahren verspricht Sänger und Songschreiber Fran Healy seiner Mutter "Mami, ich werde ein Popstar". Ein Traum, der spätestens 2010 mit seinem ersten Soloalbum "Holiday" mit Gaststar Paul McCartney am Bass in Erfüllung geht. Als Gegenleistung versprach Fran dem Ex-Beatle angeblich, Vegetarier zu werden.
Doch der Reihe nach: zunächst sucht Fran seine Erfüllung in der Kunst, geht in Glasgow an die "School of Art". Dort bildet er mit vier Freunden, darunter Andy Dunlop (Gitarre) und Neil Primrose (Drums) die Band "Glass Onion". Da die Chemie zwischen den Mitgliedern nicht stimmt, trennen sie sich schnell von Bassist und Keyboarder. Als Ersatz kommt Dougie Payne, der in seinem Leben noch keinen Bass in der Hand hatte.
In der Konstellation klappt es menschlich: Die wichtigste Voraussetzung für die Mitglieder, um in einer Band zusammen zu arbeiten. Da sie es nicht schaffen, von Schottland aus einen Plattenvertrag zu bekommen, entschließen sie sich 1996 nach London umzuziehen: Dort setzten sie kurz darauf ihre Unterschriften unter einen Vertrag. London scheint also immer noch das Geheimrezept für Reichtum und Berühmtheit zu sein.
Das Debüt "Good Feeling" veröffentlichen sie 1997. In nur vier Tagen nimmt die Band es auf, kennzeichnend ist das Nebeneinander von netten Popsongs und heftigeren Rocknummern. Kritiker schreiben daher, es handle sich um ein schizophrenes Album. Die erste Single-Auskopplung "All I Want To Do Is Rock" geht sofort in die Charts und hält sich einige Zeit in den Top 30. Ursprünglich soll der Song "All I Want To Do Is Fuck" heißen, aber Fran möchte seine Mami nicht ärgern und "rock" hört sich seiner Meinung nach phonetisch einfach besser an.
Zwei Jahre später erscheint "The Man Who". Der Titel basiert auf Oliver Sacks' Buch "The Man Who Mistook His Wife For A Hat". Es erzählt Geschichten über verschiedenen Arten der Schizophrenie. Travis zeigen Sinn für Humor, wie man beim genauen Hinhören der Texte schnell bemerkt.
Die Bewusstseinsspaltung fällt musikalisch allerdings kaum mehr auf, sieht man über den Titel des Albums hinweg. Auch lassen sie sich diesmal mit den Aufnahmen länger Zeit. Die namhaften Produzenten Mike Hedges (Manic Street Preachers) und Nigel Godrich (Radiohead, Beck, Pavement) stellen sich zur Verfügung.
Und so einfach geht das im Travis-Universum: Man sitzt mit einer Flasche Tequila in seinem Zimmer und im Radio läuft "Wonderwall" von Oasis. Sie nehmen die ersten vier Akkorde dieses Klassikers, verändern sie ein bisschen, und fertig ist eine der schönsten britischen Pop-Balladen der 90er Jahre. Songwriter Fran Healy vergisst jedoch die Nummer zunächst, schuld ist nur der Tequila. Im Nachhinein ist die gesamte Band froh, dass die Nummer nicht schon auf "Good Feeling" erschienen ist.
Mit der Hitsingle "Why Does It Always Rain On Me?" fühlen sich viele Leute angesprochen und sehen ihr eigenes Leben in Fran Healys Text niedergeschrieben. Kein Wunder, dass sich "The Man Who" lange in den britischen Top 10 hält und mit Doppel-Platin ausgezeichnet wird. Das Album findet sich bald in jedem achten britischen Haushalt, wie eine statistische Erhebung ermittelt. 1999 gewinnen Travis zwei der renommierten Brit Awards (als beste britische Band und hochverdient für das beste Album).
Der Ruhm lässt die Musiker verstärkt über ihr frisch erlangtes Starleben reflektieren. Nicht überraschend betiteln sie ihr Folgealbum "The Invisible Band", wollen sich also "hinter der Musik verstecken". Trotzdem schnellt das Album in die Charts. An Versteckspiel und Ruhe ist weiter nicht zu denken.
Auf Tour dann ein böser Zwischenfall: Beim Chillen am Pool nach einem Festivalgig im Juli 2002 im französischen Belfort treibt Schlagzeuger Neil bewusstlos im Pool. Außer einer undramatischen Kopfverletzung und einem Wirbelbruch bleibt der Sprung in das zu flache Schwimmbecken glücklicherweise folgenlos.
Vor dem Hintergrund des 11. Septembers geraten einige Texte des 2003er Werks "12 Memories" erstmals in der Travis-Historie politisch. Anschließend bleibt es von einer Singles-Collection 2004 ausgenommen, lange ruhig um die Band, "ohne die es Coldplay möglicherweise nie gegeben hätte" (Chris Martin).
Und doch geht es immer weiter. Obwohl Travis gerne beteuern, die Promotion-Arbeit zu hassen, geben sie brav Album für Album Interviews, drehen Videos und gehen zur Erholung auf Tour und dann wieder ins Studio. Pause? Fehlanzeige.
Fran Healy erklärt, warum "Ode To J. Smith" das bislang stimmigste Album ist.
Travis laden zum Plausch. Am Telefon berichtet Fran Healy stolz von "Ode To J. Smith", beschreibt die Arbeit mit dem ehemaligen Beatles-Tontechniker Geoff Emerick und stellt Prognosen über zukünftige Musikformate an.
Fran, Du sitzt gerade in Berlin. Du lebst dort seit April 2008 mit deiner Familie. Wie stehst du zum "German Way of Life"?
(auf deutsch) Es ist fantastisch. Wir haben eine Menge Spaß. Mein Sohn erlebt viele großartige Tage. Meine Frau, die ursprünglich aus Deutschland stammt, liebt es, denn sie kann wieder jeden Tag deutsch sprechen. Sie lebte für 20 Jahre in London. Es ist einfach schön, hier zu sein.
Wie ist dein deutsch?
(stöhnt) Nicht so gut. Aber ich habe mir selbst einen Fünfjahresplan gesetzt, in dem ich mein deutsch perfektionieren möchte.
Gute Idee. Stimmt es auch, dass du die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen möchtest?
Ich weiß wirklich nicht, woher diese Information kommt. Ich denke, es war ein Witz. Nein, ich plane das nicht, weil meine Arbeit in London ist. Ich könnte das gar nicht tun, außer die Band würde auch nach Berlin ziehen, dann wäre es eine Möglichkeit. Ich glaube aber nicht, dass das passieren wird. (lacht)
Gibt es denn etwas, das Du hier in Deutschland vermisst?
Nein, absolut gar nichts.
Ihr habt auf dem FM4 Frequency-Festival gespielt, das nicht weit von hier stattfindet.
Das Frequency war richtig cool. Wir spielten vor R.E.M., die zu meinen größten musikalischen Helden zählen. Das war auf der Bühne wirklich ein Kick. Unser Gig war auch spitzenmäßig. Ich denke jedenfalls, wir haben sehr gut gespielt. Viele Leute haben auf unserer Website geschrieben, dass sie den Auftritt sehr genossen haben. Das einzig Schlechte war, dass ich meine Kamera verloren habe.
Aber das Sonderbare: Letzte Nacht um halb zwölf kontaktierte mich so ein Typ über den Instant Messenger: "Ich habe deine Kamera." Ich frage natürlich sofort: "Wer bist du? Woher kommst du? Und wo hast du meine Kamera gefunden? Und woher hast du meinen Chat-Namen?" Er sagte, dass er diesen auf einem Foto gefunden hat. Ich habe ein Bild von meinem Sohn gemacht, auf dem wir gerade chatten und dort konnte man den Namen erkennen. Da hat er mich kontaktiert, und ich bekam meine Kamera zurück.
Das ist ja ein schöner Zufall.
Ich bin einfach überglücklich. Es gibt Vertrauen in die Menschheit, wenn du Dinge zurückbekommst. Ich wollte eigentlich nur die Bilder wiederhaben. Da waren so viele Bilder von meinem Sohn drauf oder von Teddybären und anderen Sachen.
Anderes Thema: Die Kritik schrieb nach dem FM4-Auftritt von einer immer augenscheinlicher werdenden Ähnlichkeit zwischen euch und R.E.M.
Oh, wow. Na ja, ich denke, sie meinen, dass ich immer weniger Haare habe. Das stimmt zwar, allerdings plane ich, meine Haare in ein paar Jahren wieder wachsen zu lassen. (lacht)
Habt Ihr nach den Promo-Gigs, die ihr im Februar in England gespielt habt, mit den Fans gesprochen?
Ja, das war gut, denn wir sind sehr daran interessiert, was die Leute über unser neues Material denken. Die Fans waren davon sehr begeistert. Das war auch ein Hauptgrund für unser großes Selbstvertrauen, das wir bereits vor dem Gang ins Tonstudio hatten.
Definitiv. Wir kamen durch die Tour richtig in Schwung und bekamen dadurch viel Selbstvertrauen. So sehr ich hinter jedem Song darauf stehe, glaube ich, dass wir auf "Boy With No Name" nicht genügend versucht haben, andere Sachen zu machen oder herauszufinden, wo wir uns musikalisch hinbewegen möchten. Während wir mit jener Platte auf Tour gingen, fand eine Veränderung statt. Plötzlich bekamen wir mehr Selbstvertrauen und stellten fest: "In diese Richtung möchten wir uns entwickeln." Deshalb ist das neue Album sehr kohärent geworden, in sich stimmig. Ich bin sehr glücklich, in der Position zu sein, das tatsächlich sagen zu können.
Wie war die Zusammenarbeit mit Geoff Emerick (ehemaliger Tontechniker der Beatles, Anm. d. Red.)?
Letztes Jahr bekamen wir das Angebot, mit Geoff Emerick zu arbeiten. Es war für eine Radio- und Fernsehshow, in der es darum ging, einen Beatles-Song mit dem antiken technischen Equipment aufzunehmen, das die Beatles damals benutzten. Wir mussten also ein Vierspurgerät verwenden. Diese Technik unterscheidet sich sehr von den heutigen Methoden. Wir liebten es und wir dachten: "Wir sollten versuchen, ein ganzes Album so aufzunehmen."
Es gibt der Performance viel mehr Gewicht, denn schließlich sind bei derartigen Aufnahmen mehrere Bandmitglieder gleichzeitig im Raum, vieles passiert zur selben Zeit. Auf diese Weise haben wir dann auch an dem neuen Album gearbeitet. Wir haben versucht, es einfach zu gestalten. Nahmen ein Analogtape auf, verwendeten aber auch moderne Technologien, denn ich glaube ganz fest daran, dass die Beatles heute bestimmt auch auf aktuelles Equipment zurückgreifen würden. (lacht)
Ihr habt die ganze Arbeit an "Ode To J. Smith" alleine gemacht: Musik, Vertrieb und den ganzen Rest. Denkst du, dass diese Vorgehensweise auch für zukünftige Veröffentlichungen funktionieren könnte?
Natürlich. Wir haben unser eigenes Label gegründet. Ich meine, mit dem Vertrieb haben wir nicht viel zu tun, das übernimmt unser Management. Und auch die Wiederauferstehung unseres Labels war die Idee unseres Managements. In der Band dachten wir, dass es eine großartige Idee sei. Ich weiß überhaupt nichts darüber, wie man ein Label leitet. Alles was ich weiß ist, wie man den Deal macht, wie man das Artwork macht, wie man Musik macht und wie man diese Musik live spielt. Das sind die Bereiche, die wir betreuen. Die Leitung und das ganze Offizielle übernahm das Managementteam. Ich denke, die Zukunft sieht glänzend aus.
Habt Ihr euch eventuell auch Gedanken darüber gemacht, das Album als kostenlosen Download zu veröffentlichen, so wie Radiohead es gehandhabt haben?
Der Radiohead-Download war an sich nicht kostenlos. Sie haben den Leuten gesagt, sie sollten dafür zahlen, was sie möchten. Zudem haben Radiohead das Album ja danach auch physikalisch veröffentlicht. Es ging sogar auf Platz eins in den Charts. Ich glaube, für Radiohead ist diese Methode perfekt gewesen. Es gibt in ihrem Fall bestimmt fünf Millionen Leute, die das Album gerne früher hören würden. Sie wussten, dass jemand das Material vorab durchsickern lassen würde, denn jedes Mal, wenn ein Albumrelease ansteht, ist das Album schon vier bis fünf Wochen oder sogar Monate vor der Veröffentlichung im Netz erhältlich.
Dieses Mal kam ihrem Management, nicht übrigens der Band selbst, diese coole Idee: "Wieso lassen WIR das Album nicht durchsickern?" Das ist ein kluger Schachzug. Ich würde das nicht tun, denn ich denke nicht, dass es fünf Millionen Leute gibt, die unser Album vorzeitig haben möchten. Ich glaube, Radiohead befinden sich in einer perfekten Situation, so etwas zu tun. Aber wie gesagt, es ist ein kleiner Trick, sie haben das Album ja trotzdem veröffentlicht. Sie haben immer noch Plattenfirmen in den USA, Japan, Europa und Großbritannien. Sie haben immer noch einen Plattenvertrag.
Ich glaube, man muss da sehr gut abwägen. Denn wenn man Musik weggibt, nimmt man ihr den Wert. Wir haben 100.000 Pfund aufgebracht, um dieses Album zu machen, und ich möchte mindestens (spricht betont) diese Summe zurück. Man muss kostendeckend arbeiten. Das Musikbusiness verändert sich. Ich glaube, es ist eine sehr interessante Zeit für Musik und für die Art, wie die Menschen sie konsumieren.
Die nächsten 20 Jahre werden wir etwas sehr Cooles passieren sehen, was immer das auch sein mag. Es wird das Internet mit einschließen, hoffentlich exzellente Musik aus der ganzen Welt und hoffentlich Leute, die glücklich darüber sind, viel Musik zu hören. Ich nehme an, dass die Menschen immer Musik hören werden. Was ich auch noch sagen wollte, es ist überhaupt eine gute Zeit, um selbst Musik zu machen.
Ja, das war ein Motto, das sehr beim Schreiben des Albums geholfen hat. Es hat geholfen, das Augenmerk auf die Songs zu legen, denn wir hatten nur wenig Zeit zum Aufnehmen. Es vereinfacht die Sache, wenn man sich einen Rahmen vorgibt. Das hat beim Schreiben von "Ode To J. Smith" sehr geholfen. Ob wir weiter so anti-biografisch vorgehen werden, weiß ich noch nicht. Ich denke, alle Songs, auch die ausgedachten, basieren in gewisser Hinsicht auf realen Begebenheiten, sie basieren auf der eigenen Erfahrung. Ich schreibe immer aus Erfahrung.
Lass uns über den sehr emotionalen Song "Before You Were Young" sprechen. Was hat dich bei diesem Track beeinflusst?
Wenn man sich das Album als Ganzes betrachtet, wirkt es wie Film, der viele Bilder beinhaltet. Dieser Song bildet das Ende der Platte, es ist also wie das Ende des Films. Es beschreibt, wie der Hauptcharakter in den Sonnenuntergang zieht, auf sein Leben zurückblickt und mit einem geliebten Menschen spricht. Als ich den Titel schrieb, dachte ich an einen Verstorbenen, der auf einer Wolke sitzt, auf einen Menschen hinabschaut, der seinen Verlust betrauert, und sagt: "Es ist schon in Ordnung. Das Leben geht weiter und du stehst das durch." Und dann folgt die große musikalische Explosion am Ende, wie ein Feuerwerk, alles sehr visuell und filmisch.
Im Video zu "Something Anything" spielt Andy Dunlop die Hauptrolle. Wie lange musste er dich denn überreden, auch mal den Platz als Hauptfigur zu bekommen?
Das war für mich sofort in Ordnung. Sein Gitarrensolo ist einfach brillant. Es ist das Herzstück des Songs und wir dachten: "Wieso sollen wir das nicht nutzen?" Er war sehr glücklich, die Hauptfigur zu sein. Vor allem war er sehr froh, drei Meter groß zu sein. (lacht).
Zum Best of-Album "Singles" ließen sich Travis zu ein paar Interviewterminen überreden. LAUT erwischte Basser Dougie Payne am Frühstückstisch, doch der zeigte sich trotzdem gut gelaunt.
Nach ein paar Durchstellversuchen, kämpft sich die Leitung schließlich von Sony Berlin zu Sony London durch. In der Warteschleife der Deutschen läuft MIA., bei den Briten "Sing" von Travis. Danach gehts weiter ins private Domizil Paynes, das ebenfalls in London steht.
Hi Dougie. Störe ich?
Nein, ich bin bei mir zuhause und trinke Kaffee.
Oh je, und dann auch noch Interviews geben ...
Ja, ich mache jeden Morgen ein paar davon. Halb so schlimm. Einfach nur, um euch Hallo zu sagen.
Sehr nett. Nun, wie fühlt es sich denn so an, mit der ersten Singles Collection im Rücken?
Ähm, es ist sehr interessant. Innerhalb der Band tendieren wir ja eher dazu, unsere eigenen Songs nicht allzu oft anzuhören. Vielleicht wegen Steve Lillywhite, dem Produzenten unserer ersten Platte. Der sagte einmal: "Jungs, macht, was ihr wollt. Aber was mich betrifft, höre ich mir mein eigenes Zeug nie an." Ich fragte warum, und er antwortete: "Entweder du wirst selbstgefällig, weil du denkst, du bist der Größte, oder du wirst unsicher, weil du denkst, es ist alles scheiße." Naja, und ich denke, beides ist nicht gerade gesund (lacht). Das war also ein guter Rat.
Parallel erscheint ja auch eine DVD, auf der u.a. auch Homemovies drauf sind, die wir seit Jahren nicht gesehen haben. Es war aufregend, das alles zu sehen. Die 17 Singles, die wir bislang veröffentlichten, scheinen alle gut zusammen zu passen. Naja, es gab noch Diskussionen, ob wir "Tied To The Nineties" mit draufnehmen sollten, da es nicht wirklich drauf passen würde. Doch wir blieben stur und sagten: Nein, das muss drauf, es war eine Single.
Fühlst du dich alt?
Seltsamerweise nicht. Im Gegenteil, für mich war die Singles-Geschichte eher eine Art Verjüngung. Ich bin sowieso derjenige in der Band, der unsere Sachen im Fernsehen nie anschaut. Ich rege mich sonst nur immer über meine Haare auf oder frage mich, warum ich so blöd mit meinen Händen herumwackle. Aber nun wurde ich eben gezwungen, mir das ganze Material anzuschauen. Ich glaube, ich bin sogar noch optimistischer geworden, was die Zukunft der Band betrifft, denn man bekommt einen schönen Gesamteindruck, was die Band ausmacht.
Wolltet ihr nach vier Studioalben bewusst diesen Schnitt machen?
Nun, oft ist es ja so, dass Singles-Collections darauf hinweisen, dass die Band am Ende ist. Vor allem wenn sie erst nach dem siebten oder achten Album rauskommen. Vier Alben erschienen uns eher wie eine Art Halbzeit, die uns natürlich auch kurz ausschnaufen lässt. Und wer weiß, vielleicht bewegen wir uns in Zukunft ja ein bisschen weg von der bisherigen Arbeitsweise und dann blicken wir auf das erste Kapitel mit 17 Singles zurück.
Bereust du irgendetwas, das ihr in all den Jahren gemacht habt?
Bereuen ... (gähnt)
Langweilige Frage?
(lacht) Also, ich muss sagen, ich hatte größere Angst, dass mir irgendwas heute nicht mehr so gefällt wie früher. Gut, das Video zu "U 16 Girls" ist kein Meisterwerk, aber auch das half uns damals, um weiter zu kommen. Vielleicht war es ein Fehler, nach der langen Tournee für "The Invisible Band" noch ein paar Extrashows zu geben. Wir waren damals alle ziemlich durch, da wir beinahe vier Jahre ununterbrochen aufeinander saßen. Dann hängten wir aber trotzdem noch ein paar Konzerte dran, spielten in Island, was fantastisch war, und in Frankreich auf dem Festival in Belfort, wo sich Neil ja dann den Halswirbel brach. Vielleicht waren diese Zusatzshows unnötig, aber das weiß man halt auch erst hinterher.
Und wie sieht es mit Presse-Pflichten aus? Ich denke da vor allem an eine Ali G-Show, in der Fran euer "Why Does It Always Rain On Me" vorträgt und von Ali in bekannter Manier runtergemacht wird. Fran sah ja nicht so begeistert aus ...
Oh doch, er war begeistert. Sein großes Problem bei Ali war nur, dass er sich die ganze Zeit zusammen reißen musste, um nicht anzufangen zu lachen. Ihn hat es schon bei der Probe schier zerrissen.
Macht Ali vor der Show eigentlich klar, dass es gleich ziemlich hart zugehen könnte?
Nein, er ist eigentlich die ganze Zeit derselbe Charakter. Das Credo für Gäste lautet also: Geh da rein und sei gewappnet für alles.
Ihr habt mit einer unbekannten Sängerin namens Susie Hug zusammen gearbeitet. War da die ganze Band involviert oder nur Fran?
Eigentlich war es die ganze Band außer mir (lacht). Wir wollten uns mit Susie treffen, Fran sollte produzieren und wir als Backing Band spielen. Doch dann bin ich genau in der Woche umgezogen und konnte nicht dabei sein. Aber sie konnten einen Ersatz für mich finden.
Und jetzt hat sie einen Plattenvertrag?
Das weiß ich gar nicht. Ihr neues Album ist aber auf I-Tunes und einem Download-Shop namens CD Wow zu finden. Es sieht also gut aus für sie, und es ist auch eine schöne Platte geworden. Susie ist eine großartige Songwriterin.
Wie ist es für euch, nach all den Travis-Jahren nun einmal mit einer Frau zusammen zu arbeiten?
Ich denke, weibliche Einflüsse sind immer sehr wichtig. Fran wuchs ja bei seiner Mutter auf und ich hatte immerhin drei Schwestern. Frauen sind einfach cooler als Männer. Sie sind auch näher an den Dingen dran, die unmittelbar um einen passieren, während Männer immer in der Gegend herum springen und sich beweisen müssen (lacht).
Ihr habt mit "The Cage" einen Song für ein Benefizalbum heraus gegeben, dessen Erlös Aung San Suu Kyi, einer inhaftierten Menschenrechtlerin aus Burma, zu Gute kommt. Wer kam auf dieses ernste Thema?
Es wurde an uns heran getragen und Fran befasste sich dann näher mit der Thematik. Er war ziemlich entrüstet und wütend. Ich denke, jeder gute Mensch hat ein Interesse an Gerechtigkeit, und in diesem Land, nur einem unter vielen, herrscht sie leider nicht vor. Wenn wir nun ein klein wenig dazu beitragen können, Menschen auf das Thema Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, sollten wir das auch tun.
Habt ihr auch einen Überblick, ob die Einnahmen auch alle bei den richtigen Empfängern landen?
In dieser Sache nicht, aber wir helfen ja öfters bei ähnlichen Aktionen, z.B. für Obdachlose in England, und da bekommt man auch immer Feedback.
Könntet ihr euch vorstellen, mit Travis einmal eine politische Partei zu unterstützen, ähnlich ein paar anderen UK-Bands in den 90er Jahren?
Nein! Es gibt keine bestimmte Partei, der wir alle in der Band Glauben schenken. Der Grund ist nicht allzu schwer zu verstehen: Man wird zu oft enttäuscht. Du machst dir keine Vorstellungen davon, was das für eine Aufregung war damals, 1997, als Labour an die Macht kam. Das Land stand Kopf. Wir waren gerade mal 18 und alle in unserem Alter dachten, jetzt wird alles besser. Doch als du gesehen hast, wie deine großen Hoffnungen in die Veränderung nach und nach zu Grunde gerichtet wurden, und wie sich die neue Regierung immer mehr den Tories annäherte, da bist du fast durchgedreht. So etwas macht deinen ganzen Glauben in unser politisches System kaputt. Politiker gehen vielleicht nicht primär in die Politik, um Karriere zu machen. Schließlich sind sie auch zuerst mal jung und haben Ideale und ihre eigenen, neuen Vorstellungen. Aber am Schluss, da sind sie alle gleich.
Dann bist du also ganz froh, kein Mitglied von Oasis zu sein?
Das Problem mit Noel ist ja, er hat nie jemanden aktiv unterstützt. Er ist da halt einfach hingegangen und wollte sich das mal ansehen. Ich meine, wann kommt man schon mal in den Laden rein (lacht). Und wie gesagt, das war zu einem Zeitpunkt, als Blair gerade frisch gewählt war und noch alles möglich schien.
Zum Schluss: Was ist dran an den Gerüchten über einen neuen Song namens "Doctor", den Fran in einem Krankenhaus geschrieben haben soll?
(lacht) Okay, da hat einer seine Hausaufgaben gemacht. Ja, Fran hat den Song geschrieben, aber wir haben ihn noch nicht mit der Band bearbeitet. Er klingt schon mal sehr gut, so viel sei verraten. Wir sind gerade mit Brian Eno im Studio und arbeiten an neuen Sachen.
Soll Eno das neue Album produzieren?
So weit sind wir noch nicht, er kam jetzt für zwei Tage vorbei und wir haben uns zusammen gesetzt, geschrieben und herum experimentiert. Eno ist unglaublich, ein beeindruckender Mann.
Das Interview führte Michael Schuh.
The Man Who (1999), Good Feeling (1997)
6,45 EUR
45,99 €
29,99 €
6,99 €
14,90 EUR
11,99 €
27,99 €
14,90 EUR
12,90 EUR
6,45 EUR
Offizielle Webseite des Travis-Fronters mit beinahe täglichen Blog-Beiträgen.
http://www.franhealy.com/
| Thema | Posts | Letzter Beitrag | |
|---|---|---|---|
| {ersteller.avatar} |
{thread.titel} {ersteller.name} |
{thread.antworten} |
{letzter.zeit} {letzter.name} |
|
Best Song DaLiba |
11 |
09.01.09, 17:39 need.my.music |
|
|
The Scots Are Back! MiniMe |
20 |
28.07.07, 16:17 Muffin1 |
|
|
Last christmas by Travis FALCO |
2 |
26.12.06, 22:24 scumsurfer |
|
|
Neue CD FALCO |
5 |
16.03.06, 10:56 DieTante |
|
|
*12 Memories* Suse |
40 |
25.10.05, 01:21 Fre |
Format
Homepage: