Porträt

laut.de-Biographie

Tony Allen

"Ohne Tony Allen gäbe es keinen Afrobeat." Stammte dieses Statement von einem Medienvertreter, es wirkte bereits gewichtig genug. Dass aber ausgerechnet Afrobeat-Legende Fela Kuti den langjährigen Weggefährten derart adelt, sollte in den Popwissenslücken dieser Welt schon ein mittleres Erdbeben auslösen. Eine Fünf auf der nach oben offenen Richterskala, mindestens.

Tony Allen - Film Of Life Aktuelles Album
Tony Allen Film Of Life
Komplexeste Rhythmen, locker aus dem Handgelenk.

Fela Kutis langjähriger Wegbegleiter bei Africa '70 kommt 1940 im nigerianischen Lagos zur Welt. Er bringt sich selbst das Schlagzeugspiel bei, als er bei einer lokalen Radiostation zu arbeiten beginnt. Die favorisierte Musik seines Vaters, die traditionelle Zeremonienmusik der Yoruba-Gruppe, aber auch amerikanischer Jazz sowie die sich in Nigeria und Ghana entwickelnde Highlife-Szene beeinflussen ihn früh.

Tony Oladipo Allen arbeitet hart an einem eigenen Stil und kombiniert deshalb diese Spielarten, was sein Bekannter Fela Kuti sehr goutiert. 1964 lädt ihn Kuti zum Vorspiel für die Gründung einer neuen Highlife-Formation ein, mit den Worten: "Wie kommt es, dass du der einzige Typ in Nigeria bist, der Jazz und Highlife zusammendenkt?" Kurz darauf bringt Allen den Beat in den Afrobeat: als polyrhythmischer Drummer und musikalischer Leiter von Kutis Gruppe Koola Lobitos.

Von einer erkenntnisreichen USA-Reise kehrt die Band 1969 inspiriert und politisiert zurück. Zu den wichtigsten Entdeckungen zählen der Funk eines James Brown und Hard Bop-Guru Art Blakey. Man benennt sich in Africa '70 um und erfindet sich musikalisch erneut neu.

Amerikanischen Soul durchmischt die vielköpfige Gruppe mit Jazz, Highlife und Yoruba-Einflüssen. Allerdings wird Tony Allen schon damals nicht müde zu betonen, dass der Bandsound von vielen afrikanischen Musikkulturen geprägt sei, keineswegs lediglich von Nigeria.

Bis 1979 drückt der Schlagzeuger Africa '70 seinen einzigartigen Afrobeat-Stempel auf. In dieser Periode genügt ihm die Band als Kanal jedoch bereits nicht mehr, so dass die ersten drei Tony Allen-Soloalben erscheinen. Ende der Siebziger steigt er nach bandinternen Streitigkeiten um Tantiemen sowie nach Problemen mit rassistischer Politik aus (nach regierungsgesteuerten Razzien landet er 1974 kurzzeitig im Gefängnis).

Das bedeutet den Startschuss für weitere Soloaktivitäten und einen noch schrankenloseren Sound. 1984 wandert Allen nach Europa aus. Nach einem befristeten Aufenthalt in London lässt er sich in Paris nieder, wo er als Studiodrummer mit anderen emigrierten afrikanischen Musikern arbeitet.

Erst gegen Ende des Jahrtausends präsentiert der Nigerianer erneute Lebenszeichen. Fortan inkludiert Allen Dub, jazzige Electronica und avantgardistischen Hip Hop in seinen modernen Africa-Dance-Ansatz. Er selbst nennt das Afrofunk. In den Nullerjahren weitet der Wahlpariser sein Spektrum noch weiter aus. Er kooperiert mit Chansonist Sebastien Tellier, Damon Albarn ("Er ist ein Genie!") und Paul Simonon, Air, Charlotte Gainsbourg, Jimi Tenor und Flea.

2013 erscheint seine Autobiografie "Tony Allen: Master Drummer Of Afrobeat". Mit "Film Of Life" (2014) oder "The Source" (2017) veröffentlicht Allen auch mit über 70 noch großartige Alben. Zum Schluss noch ein weiteres Zitat über den Afrobeat-Pionier: Brian Eno bezeichnet Allen bis heute als "den womöglich großartigsten Drummer aller Zeiten".

Alben

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