laut.de-Kritik

High End-Kracher mit Düster-Riffs und Vogelgezwitscher.

Review von

Don't mess with Mike Patton. Seine Bedeutung kann an dem seit längerem angedachten Faith No More-Tribute abgelesen werden, für den sich u.a. Korn, System Of A Down oder Papa Roach begeisterten. Der Musiker selbst ist nach dem Aus der Alternative/Crossover-Vorreiter längst ein paar Schritte weiter: eigenes Label, zahlreiche Bands und Kooperationen, die sich - wenn überhaupt - erst in zweiter Linie um Verkaufszahlen oder Marketing-Strategien kümmern. Musikalische und künstlerische Freiheit ist alles. Der Zweitling seiner All Star-Rockcombo Tomahawk gerät deshalb zum High End-Kracher.

Wie bei dem Debüt brechen versierte Grooves, satte Riffs des heimlichen Band-Chefs Duane Denison und eine elektronische Noise-Kulisse über den Hörer herein. Darüber thront Pattons unvergleichlich variables Organ von laut bis leise, zwischen effektbeladenem Geschrei und bittersüßem Gesäusel. "Mit Gas" bleibt aber ein Stück transparenter und song-orientierter aufgebaut als der Vorgänger. Die ein oder andere Nummer erinnert gar an späte FNM-Zeiten (das druckvoll-dichte "When The Stars Begin To Fall"). Der Opener "Birdsong" hämmert dagegen zwischen Vogelgezwitscher und Düster-Riffs.

In punkto Direktheit dürfte der harte Rocker "Rape This Day" das Meisterstück des Albums sein: Ein überfallartig schräges Noise-Intro leitet zum funktionalen Mosh-Arrangement über. Ähnlich kontrastreich präsentiert sich "Capt Midnight", dessen Breakbeat angelehnter Mellow-Teil zum schweren Rock-Refrain mutiert. Kevin Rutmanis' Bass-Rhythmen klingen meist recht Old-School mäßig abgemischt, während Ex-Helmet-Mann John Stanier seine Sticks mit Power und Swing tanzen lässt wie kaum ein Zweiter. Bei "You Can't Win" inspirieren ihn beispielsweise Samba-Rhythmen.

Lässige, schräg-düstere Grooves finden sich in "Mayday" und "Harelip". Experimenteller fallen "Harlem Clowns" oder die in ihrer Schwerfälligkeit an Trip Hop erinnernde Abschlussnummer "Aktion 13F14" aus. Das Gros der angesagten NuMetal- und Alternative-Bands, die sich gerne auf Kaliber wie Mike Patton berufen, dürfte jedenfalls kaum an die Perfektion, Vielfalt und Einzigartigkeit der Tomahawk-Songs heranreichen. Verkaufszahlen sind Schall und Rauch.

Trackliste

  1. 1. Birdsong
  2. 2. Rape This Day
  3. 3. You Can't Win
  4. 4. Mayday
  5. 5. Rotgut
  6. 6. Capt Midnight
  7. 7. Desastre Natural
  8. 8. When The Stars Begin To Fall
  9. 9. Harelip
  10. 10. Harlem Clowns
  11. 11. Aktion 13F14

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17 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    in der kürze liegt die würze....äh, ja....
    :|
    die meisten alben fallen mir eher dadurch"negativ" auf, dass sie zu lang sind.
    dann doch lieber so.
    hör dir mal was von fantomas an. du wirst mit der länge voll zufrieden sein! das hält man nicht 75 minuten lang aus! (...trotzdem cool!)
    ;)

  • Vor 11 Jahren

    ich liebe lange Lieder. Wenn jemand den Anspruch an sich stellt, über 6-10 Minuten lang Spannung/Emotionen/Unterhaltungswert oder sonstwas hochzuhalten, klappt das in genügend Fällen auch.
    Wenn du dir mein Profil ansiehst, merkst du dass ich diese Meinung vertreten muss. ;)

    Und grade bei Tomahawk ist viel Material drauf, aus dem man noch mehr hätte rausholen können. Find ich. Aber die Platte ist auch so sehr cool. :)

  • Vor 11 Jahren

    achso, dachte du wolltest nur das das ALBUM länger ist. wenn ich mir die länge der Lieder so anschaue, wären das ja um die 20 Songs.
    ja, also gegen längere lieder hätte ich auch nichts.
    bei mr.buggle macht er ja teilw. 7-12 minuten songs und die sind gut!
    :smug:
    allgemein besteht bei langen liedern, wie auch bei langen alben die gefahr, dass es langweilig wird. daher lieber kurz und würzig, statt lang und fad.

    aber wenns eine band draufhat, sehr gerne! is halt eine herausforderung für könner! also dürfte patton das eigentlich drauf haben!:smokool:
    lange rede, kurzer sinn:
    DU HAST RECHT!
    :beer: