Porträt

laut.de-Biographie

Télépopmusik

Seit Beginn der neunziger Jahren mausert sich Frankreich zu einer der ersten Adressen populärer Musik. Finden anfangs vor allem Hip Hop-Aktivisten wie MC Solaar oder IAM internationales Gehör, geraten ab der zweiten Hälfte elektronische Klänge in den Fokus. Formationen wie Daft Punk, Air oder Modjo, Klangkünstler wie Alex Gopher oder Etienne de Crécy stärken den Ruf der Grande Nation - und spätestens mit Mirwais Produktion für Madonna kennt die ganze Welt das Potential der französischen Elektroniker - die Marke French House ist in aller Munde.

In diesem Klima veröffentlichen die drei langjährigen Freunde Stephan Haeri, Christophe Hétier und Fabrice Dumont 1996 auf Source Lab-ihren ersten Song "Sonic 75" (ein Beitrag für den bekannten xxx-Sampler folgt). Von den heimatlichen House-Übervätern wollen sie sich dennoch absetzen: "Die Franzosen sind irgendwie stehen geblieben, daran ändern auch Daft Punk nichts. Die schaffen auch keinen neuen, typisch französischen Pop." Und genau diese Mission wollen die Drei erfüllen. Den Zauberweg gibt es freilich nicht und so gehen sie arbeitsteilig ans Werk, um ihr Pop-Verständnis in Noten, Beats und Klänge umzusetzen - Serge Gainsbourg war gestern.

"Wir produzieren selten zusammen. Der eine hat eine Idee, dann arbeitet der nächste daran weiter. Irgendwann ist das Stück fertig und wir gehen noch mal gemeinsam drüber. Jeder von uns hat hier seine eigene Funktion." Dumont, Gründungsmitglied der in Frankreich relativ bekannten Band Autour De Lucie, zupft neben dem Bass noch weitere Saiteninstrumente. Der ausgebildete Toningeneur und Elektroakustiker kann als einziger nur von Musik leben und zeichnet fürs Arrangement verantwortlich. Haeri spielt Gitarre, Drums und Keyboards und kümmert sich daneben ums Programmieren.

Hétier ist für die Samples verantwortlich, sucht Gastsänger aus und hat als professioneller DJ mit dem Aka Antipop immer die angesagtesten Platten im Schrank. Inspiration findet das Trio u.a. in der frühen deutschen Elektronik (Kraftwerk), den neuen französischen Elektrikern, aber auch bei klassischen Gitarrenpop-Bands. French Pop statt French House - bei Télépopmusik klingt das nach einer elegant-organischen Fusion aus Elektropop, Hip Hop, House, Nu-Jazz und Filmmusik an.

Im April 2002 veröffentlichet das Trio, das seinen Namen von einem Second Hand-Shop für Hi-Fi-Anlagen geklaut hat, endlich den ersten Longplayer Genetic World mit zahlreichen Gästen wie Angela McLusky, Rapper Juice Aleem, Gonzales, Peaches oder den früheren Earthling-Mann Soda-Pop alias Mau. Das entspannte Potpourri gefällt auch dem Autokonzern Peugeot, der Télépopmusik für einen Werbespot bucht. Das Mastering der atmosphärischen Tunes zwischen Chill out und rougheren Grooves besorgt Alex Gopher - die britische BBC nimmt die Platte in die Heavy Rotation. Für das Video zur ersten Single "Breathe" verpflichteten die Franzosen Joan Scott, Tochter des Bladerunner-Regiesseurs Ridley Scott.

Alben

Télépopmusik - Angel Milk: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2005 Angel Milk

Kritik von Eberhard Dobler

Verträumte Sounds, perlende Bleeps und weiche Beats. (0 Kommentare)

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