Porträt

laut.de-Biographie

Shit Robot

Als gebürtiger Dubliner in Sachen DJ-Karriere erst erfolgreich nach New York City überzusetzen und dann in der schwäbischen Provinz um Stuttgart zu landen, liest sich in den meisten Künstlerbiografien vermutlich wenig reizvoll. Hat der 1971er-Jahrgang Marcus Lambkin also falsche Lebensentscheidungen getroffen, als er seinen Freund James Murphy gen LCD Soundsystem ziehen ließ und selber nach Germany umzog?

Shit Robot - What Follows
Shit Robot What Follows
Gefangen in der House-Wartschleife.
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Auch nach mehreren Alben seit 2010 lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Wie die Intro richtig formuliert: Stuttgart hat den Daimler. Stuttgart hat den Porsche. Stuttgart hat Max Herre. Was Stuttgart nicht hat: Disco. Da kommt der Shit Robot und sein retrofuturistischer Disco/Deep House doch gerade richtig, oder …?

Gesichert scheint hingegen die Erkenntnis, dass Lambkins Spiel mit 303-Acidbleeps, Vocals von Freunden wie Alexis Taylor und The Juan MacLean und schwüler Warehouse-Atmosphäre nicht nur schwer nach Murphys DFA Records klingt, sondern auch die glorreiche Vergangenheit zwischen Chicago und Detroit auf DJ-Händen trägt. "Ich jage immer noch diesem Gefühl von '89 hinterher, Pillen, Schweiß und wie damals alles so neu und frisch war", sagt er schon 2010 anlässlich des DFA-Debüts "From The Cradle To The Rave".

Wahr ist weiterhin auch, dass dem Murphy-Intimus sein ausgiebiger THC-Konsum in den Karriereweg kommt. Um 2000 herum freundet sich der Ire in NYC mit dem LCD Soundsystem-Vorstand an. Dort startet Lambkin bereits 1992 am Mischpult durch und initiiert extrem populärste Clubabende. Für eine gemeinsame Partyreihe erfinden die beiden dann das Pseudonym Shit Robot. Lambkin stellt Murphy und DFA-Mitbegründer Tim Goldsworthy einander sogar ursprünglich vor. Anstatt dann aber mit dem DFA-Dancepunk die Nullerjahre mitzudominieren, zieht sich der Shit Robot 2004 ins Ländle zurück, um an Solomaterial zu werkeln. Und den ein oder anderen Joint zu viel zu inhalieren.

Resultat sind einige Jahre später diverse Rave-Memorabilia in Albumform. Viele werden mit Shit Robots Referenzsystem zwischen Analogsynthesizern und verträumten Vocalflächen folglich wunschlos glücklich. Auch Chicago House-Legenden wie Lidell Townsell lassen sich für seine Platten nur zu gern einspannen.

Der Presse ist Lambkins Ansatz allerdings manchmal nicht genug. Der NME etwa fällt anlässlich des zweiten Langspielers 2014 das Urteil: "Lambkin is a follower, not an innovator." Die Krux an solcher Kritik: Der Shit Robot würde das selbst so unterschreiben. Innovation und moderne Electronica sind seine Sache nicht. Stattdessen feiert er bis heute seine Sozialisation zwischen Killing Joke, Andrew Weatherall und Carl Craig.

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