Porträt

laut.de-Biographie

Scott McKeon

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass sich junge Gitarristen dem Blues verschreiben. Das Genre fristet in der großen weiten Musikwelt eher ein Nischendasein, als dass sich Jungspunde entschließen, auf den Spuren von B.B. King, Muddy Waters, Stevie Ray Vaughan und Co. zu wandern.

Eine löbliche Ausnahme ist Scott McKeon, der bereits im zarten Alter von zehn Jahren vollkommen dem coolen Sound verfällt. Jahrgang 1986, schnappt sich McKeon bereits im frühen Kindesalter von vier Jahren die Klampfe, verlegt sich aber zunächst, nachdem er das Instrument einigermaßen beherrscht, Rock'n'Roll-Standards zu dudeln. Mit sieben tritt er zum ersten Mal im Fernsehen auf. Als ihm ein Video mit Live-Aufnahmen des Texan Tornado Stevie Ray Vaughan in die Hände fällt, ist es um ihn geschehen. Dessen Solo-Eskapaden im Song "Tightrope" hauen ihn förmlich rückwärts aus dem Sessel.

Mit seiner Begeisterung für den texanischen Saitenhexer im Rücken startet die Karriere des Bluesman McKeon. Dank beständigen Übens und der schwammartigen Aufsaugens von Stevies Einflüssen (u.a. Albert King und Jimi Hendrix) verbessert sich sein Spiel zusehends. Der Blues mit all seinen farbenfrohen Facetten ist für ihn jedoch nicht eine bloße Spielerei. Sämtliche stilistischen Variationen interessieren ihn, von Robert Johnsons Vorbild Son House bis zu deren englischen Bewunderern der späten Sechzigern wie Canned Heat und Co. schafft er sich alles drauf und erweitert seinen Horizont erneut.

Dass solchermaßen engagiertes Muckertum belohnt werden muss, sieht auch das Guitarist Magazine ein und kürt ihn 1998 zum besten Nachwuchsgitarristen. Zusammen mit Bassist Geoff Lai und Schlagzeuger Ben Jones gründet er die Formation Dividebythree, die auch gleich auf Europatour geht und sogar als Headliner auf Festivals auftritt. Zwar kennen er und seine Jungs die Klassiker des Genres, aber das heißt noch lange nicht, dass sie bis ans Ende ihrer Tage diese immer und immer wieder nachkauen müssen.

Nachdem sie den Namen in Scott McKeon Band ändern, ist deshalb Songwriting angesagt. Und jenes flutscht dem talentierten Saitenhexer äußerst locker von der Hand. Das bekommen auch Business-Leute mit. So unterschreibt Scott 2004 einen Managementvertrag bei derselben Firma, bei der auch David Knopfler unter Vertrag steht. Ein Jahr später macht sich das Trio an die Arbeit, um erste Tracks für ein Demo einzuspielen. Die Aufnahmen finden in Scotts Wohnzimmer statt, wo sie lediglich ein paar Mikros aufstellen und drauflos mucken.

Dem Gitarristen/Produzenten Jesse Davey schicken sie ihre Songs per Internet, der sich daraufhin begeistert bereit erklärt, sie zu produzieren. Die ganze Chose wickeln die Parteien in letzter Konsequenz auch übers Netz ab, ohne im Studio zusammen am Ergebnis zu feilen. "Es war schon ziemlich cool, so zu arbeiten. Wir hatten überhaupt keinen Druck wegen eventuell gebuchter Studiozeit. Wir konnten aufnehmen, wann wir wollten und hatten am nächsten Tag ein Feedback von Jesse."

Das Endprodukt hört auf den Namen "Can't Take No More" und erscheint zunächst im Eigenvertrieb. Das macht das kleine, aber feine holländische Label Provogue auf das Trio aufmerksam, das auf seinem Artist-Roster Größen wie Walter Trout und Joe Bonamassa beherbergt. So ergattern sie dort einen Deal, woraufhin das Debüt in ganz Europa noch mal neu aufgelegt wird. Das Album klingt überaus locker und absolut frisch, eben so, wie man es sich in den kühnsten Träumen von einem Youngster wie McKeon erhofft. Gitarrenmagazine und Blues-Fachblätter überschlagen sich mit Lob. Und das beste: völlig zu Recht.

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