Porträt

laut.de-Biographie

Sandy Dillon

Was lässt sich über eine Frau sagen, die man fast nicht beschreiben kann? Vielleicht, dass sie zu denjenigen gehört, die den Blues mit all seinen Facetten modernisiert haben, obwohl sich alles anhört, als könnte es auch aus dem 19. Jahrhundert stammen? Oder, dass Sandy eine Röhre besitzt, die manch einer selbst dann nicht zustande bringt, wenn er sich 24 Stunden am Tag mit dem übelsten Fusel die Rübe zuschüttet? Ja, Sandy Dillon ist so etwas wie die weibliche Reinkarnation eines Tom Waits. Klagend, stöhnend, keifend trägt sie ihre Songs vor, die vor sich hinrumpeln, als wäre mal wieder der große Treck mit Pferdchen samt Planwagen gen Kalifornien unterwegs.

Die musikalische Nähe zu Waits und Größen wie Janis Joplin oder Captain Beefheart, die sie immer wieder als Einflüsse nennt, kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat sie auch eine Zeit lang als Janis Joplin bei einem Broadway Musical auf der Bühne gestanden. Als Absolventin der Berklee School Of Music hat sich Sandy auch ein Qualitätssiegel an die Brust geheftet, das sie über jeden Zweifel erhaben macht, sie könne gar nicht anders, als schräg zu singen und polternde Rhythmen bzw. verquere Sounds zu produzieren.

Mitte der Achtziger Jahre zieht sie nach London, um in Europa ihre musikalischen Vorstellungen zu verwirklichen. In den Staaten nimmt sie zwar schon Platten auf, diese erblicken aber nie das Licht der Welt. Die amerikanische Plattenfirma schnürt ihr zwar einen dicken Vertrag, aber musikalisch steht Sandy nicht hinter dem Sound aus komischen Synthies und elektronischem Schlagzeug.

Im Vereinigten Königreich kann sie bei "One Little Indian" landen, wo unter anderem auch Björk untergekommen ist. Sandy liebt die Freiheit, die ihr das Label lässt, und dankt es mit der ersten Veröffentlichung "Electric Chair". Mit dieser Platte kann sie zwar begeistern, berühmt wird sie aber nicht, klingt sie doch viel zu abgefuckt. Live verbucht sie in Deutschland erste Erfolge. Bei den Festivals "Women In (E)motion" und beim Southside 1999 lässt sie ein staunendes Publikum zurück.

Zwei Jahre später erscheint mit "Eastovershoe" ein von Kritikern hoch gelobtes Album, das sie auch live äußerst cool rüber bringt. Kurz nach dem Release trifft sie aber ein Schicksalsschlag der heftigen Sorte. Ihr Mann, Steve Byswater, der schon sein ganzes Leben an der Nervenkrankheit Multiple Sklerose leidet, stirbt an einem Herzinfarkt. Da er bei ihren Platten maßgeblich an der Produktion beteiligt ist, scheint es nur logisch, dass Sandy für die Zukunft ihre musikalischen Prioritäten neu definiert.

Lehnt Dillon bislang Computer als Mittel des Ausdrucks ab, greift sie für die Aufnahmen zu "Nobody's Sweetheart" doch zum Laptop und produziert damit den größten Teil der Sounds. Prominente Hilfe erfährt sie von Heather Nova, die beim Track "Shoreline" einen Vokalpart übernimmt.

Alben

Sandy Dillon - Eastovershoe: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2001 Eastovershoe

Kritik von Alexander Cordas

Heult, keift und krächzt wie Tom Waits' kleine Schwester. (0 Kommentare)

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