Porträt

laut.de-Biographie

Salem

Warum benennt sich eine israelische Band ausgerechnet nach einer Stadt im Süden Deutschlands mit Internat für die eher Betuchteren? Oder stand doch eher die gleichnamige US-Kleinstadt Pate?

Die Antwort ist einfach. Salem gilt als Hochburg der Hexenjäger früherer Jahrhunderte. Shouter Ze'ev Tananboim, Gitarrist Beny Robinov , Basser Beny Cohen und Drummer Danny Mondani empfinden diesen Namen einfach als angemessen diabolisch für eine okkulte Metal-Band.

Chef und Fronter Ze'ev Tananboim gründet die Combo 1985 noch unter dem Namen Axe Metal, ändert ihn aber drei Jahre später in Salem, der durchaus zu dem Black/Thrash Metal-Gebräu passt, das sie fabrizieren.

Ze'ev steht zu Beginn seiner Karriere sogar in Kontakt mit Euronymus von Mayhem und dessen späteren Mörders Varg Vikerness von Burzum. Letzterer soll den Sänger mit einer Briefbombe bedacht haben, nachdem der ihm angeboten hat, dem guten Varg die Lichter auszublasen, wenn er noch einmal rassistische Bemerkungen über Juden ablässt.

Doch schnell lösen sich die Israelis von derlei Kindereien, entledigen sich aller Horror- und Satanismuselemente und erweitern den eigenen textlichen und musikalischen Horizont. Mit dem Namenswechsel ändert sich auch das Line-Up massiv. Neben Ze'ev stehen nun die Gitarristen Lior Mizrahi und Giora Hirsch, Basser Michael Goldstein und Drummer Amir Neubach auf der Bühne.

Die Texte beschäftigen sich immer mehr mit Politik und jüdischer Geschichte. Die Lieder selbst integrieren zunehmend schleppenden Doom und knackigen Death Metal. Darüber hinaus zeigen sich mittendrin Tupfer orientalischen Folks und typische Melodiebögen aus dem Klezmer.

Mordechai Gebirtigs jiddische Weise "S'brent" (Es Brennt) von 1938 findet in "Ha'ayara Bo'eret" erstmals - und wohl auch letztmalig - seine extrem düster-metallene Umsetzung. Ohnehin erregt "Kaddish" - als weltweit erstes Konzeptalbum über den Holocaust - ein starkes aber verunsichertes Medienecho in Europa und den Staaten.

In Israel selbst wird das Werk teilweise als thematisch überfälliger künstlerischer Durchbruch gefeiert, von konservativer politischer Seite jedoch als schlimmer Tabubruch gebrandmarkt. Sogar die Knesset - das israelische Parlament - befasst sich 1994 mit dieser Frage.

Die nächsten Alben behalten den grundsätzlich eingeschlagenen Weg bei, flirten jedoch hier und da ein wenig mit Gothic-Metal und fahren das Tempo allgemein etwas herunter. Das ändert sich auf den nächsten Werken wieder beträchtlich. Schneller und härter gerät der Sound, martialischer und desillusionierter die Texte.

Als zur Jahrtausendwende Ze'ev Tananboims Frau nach einem Selbstmordattentat nur knapp dem Tod entkommt, regt sich die Wut in ihm. Entsprechend drastisch geht es auf "Collective Demise" und der DVD "Live Demise" zu.

"Die Musik handelt vom Schmerz der Leute, die ihre Geliebten verloren haben, spiegelt die Absurdität von Selbstmordattentaten in Israel. Wir wollen nur unsere Situation zeigen, in der wir zur Zeit leben. Es ist schwer, mit der Angst umzugehen, in einer Menschenmenge wie in Bussen, Restaurants oder sogar Live-Shows zu sein, ohne genau zu wissen, wie es ausgehen wird."

2005 wagen sich Salem an ein Experiment heran, das in den Medien geteilte Reaktionen hervorruft. Zusammen mit einem Streich-Quartett spielen sie diverse alte Songs neu ein und veröffentlichen diese auf "String Attached". Einige sehen hier die konsequente künstlerische Weiterentwicklung, andere halten es eher für eine Art Apocalyptica-Rip-Off.

Die Live-Präsentation in Europa bleibt Salem zunächst verwehrt. Trotz der Wertschätzung in der Szene gelingt den Israelis aufgrund privater Umstände und Armeedienst erst 2007 ein Gig auf dem renommierten Hellfest in Frankreich. Teile davon finden sich auf der nachgeschobenen DVD "Salem Underground", die aber erst ein Jahr später erscheint.

Etwa zeitgleich zum Gig in Frankreich kommt "Necessary Evil" auf den Markt. Darauf gehen Salem wieder ein wenig mehr auf ihre orientalischen Wurzeln ein und kanalisieren ihre Wut etwas melodischer.

Den auf der Scheibe eingesetzten weiblichen Gesang verwenden sie auf "Playing God And Other Short Stories". Scheinbar haben sie ihren Sound mittlerweile gefunden, doch da die Band bislang immer wieder mit ungewöhnlichen Ideen gearbeitet hat, bleibt es weiterhin spannend.

Alben

  • Salem

    Offizielle Homepage.

    http://www.salemband.com
  • Salem@MySpace

    Burn my town, it's MySpace.

    http://www.myspace.com/salemband

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