Porträt

laut.de-Biographie

Rondò Veneziano

Das Rondo Veneziano hat seine produktive Krise offenbar hinter sich. "La Piazza" ist nach "Papagena" im das zweite Album, das fast ausschließlich vom gebürtigen Genueser und Bandgründer Gian Piero Reverberi komponierte Titel enthält. Zuvor hätte das gerne in Rokoko-Kostümen auftretende Kammer-Ensemble, das in 20 Jahren über 20 Millionen Platten verkaufte, fast seinen Ruf ruiniert.

Weil Reverberi trotz seines Studiums von Klavier und Komposition nichts Neues mehr eingefallen war, enthielten die Veröffentlichungen der 90er Jahre fast ausschließlich lieblos zusammen gestoppelte und mit Schlagzeug unterlegte Gassenhauer der Klassik. Den daraus resultierenden Verlust an Ansehen und Popularität konnte auch das krude Gemisch aus Barock und östlichen Musik-Elementen auf "Marco Polo" (1998) nicht wett machen. Was natürlich all jenen Kritikern, die dem beim Publikum überaus beliebten Rondo schon immer Mangel an Originalität vorgeworfen hatten, natürlich nur gelegen kam.

Zuvor hatte der am 29. Juli 1939 geborene Reverberi eine beispiellose Karriere hingelegt. Bereits 1963, im Alter von 24 Jahren, schrieb er seinen ersten Millionenhit, in der Folge war er vor allem als Produzent erfolgreich, bis ihm 1979 schließlich die geniale Idee kommt, ein neunköpfiges Kammer-Ensemble zu gründen, das zunächst ausschließlich Rondos spielt und dabei Schlagzeug mit Streichern, klassisches Klavier mit Synthesizer und Barock mit Pop verbindet. Solche Musik ist praktisch, denn sie passt zum Bügeln, Zähneputzen, Einkaufen oder Fahrstuhlfahren. Und sie war so beliebt, dass sich schließlich sogar Fernsehserien wie "Emergency" mit ihr schmückten.

Den Vorwurf mangelnder Originalität kann auch "La Piazzia" nicht ganz entkräften: zu oft erinnern die Melodien doch an schon Gehörtes. Da mag auch Absicht im Spiel sein, denn die Stücke gehen natürlich um so leichter ins Ohr, desto weniger fremde Elemente sie enthalten. Und für das Prädikat "Bügelmusik" hat sich das Rondo Veneziano noch nie geschämt. Immerhin ist die Platte mit Sorgfalt eingespielt und abgemischt, was nach den letzten von billigen Synthie-Sounds dominierten Veröffentlichungen nicht selbstverständlich war. An einigen Stellen hat sogar die sonst omnipräsente Drum-Machine mal Pause, und lässt, man glaubt es kaum, handgespielten Rhythmen Raum. Den stärksten Eindruck hinterlässt das neue Album in den Stücken, denen der dem Rondo angestammte barocke Stil zugrunde liegt oder der Stil zeitnaher Epochen.

Die von Violinen und Flöten reich verzierte und doch so einfache Melodie der "Festa Celtica" geht genau so fröhlich leicht ins Ohr wie das beinahe an Michael Nymans verdrehte Fugen erinnernde "Le Vele". Wie Filmmusik ohne Film wirken dagegen Stücke wie "La Piazza" oder "Andromeda", die sich mit exzessivem Gebrauch der verminderten Septime, der leitmotivischen Variation und der Kombination verschiedener Tonarten mittels Modulation und Ausweichungen ganz offen zur Romantik bekennen. Da geht die Affekthascherei dann doch zu weit.

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