Porträt

laut.de-Biographie

Roger Waters

Die Musikzeitschrift Mojo nannte ihn einen "Rock'n'Roll-Despoten", das literarische Magazin Word gar einen "Rock-Bastard, dessen Aufsässigkeit nur von Van Morrison überboten wird". In einem sind sich Fans und Verschmäher einig: Roger Waters ist ein schwieriger Mensch mit einer scharfen Zunge. Gleichzeitig gehört er zu den wichtigsten Songschreibern der jüngeren Musikgeschichte.

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1943 in der Nähe von Cambridge geboren, studiert er Mitte der 60er Jahre Architektur in London. Mit den Kommilitonen Nick Mason und Richard Wright gründet er eine Kombo, die eine ganze Reihe an Namen durchmacht, bevor sie mit Pink Floyd den endgültigen findet. Ihr Debüt "Piper At The Gates Of Dawn" (1967) legt das Fundament zu einer musikalischen Legende. Ein Jahr später, nach dem Rauswurf des charismatischen Sänger und Gitarristen Syd Barrett, übernimmt der Bassist Waters das Kommando und macht aus Pink Floyd die wohl einflussreichste Band der 70er Jahre.

Seine existenzialistischen und oft beklemmenden Texte führen zu Meilensteinen wie "The Dark Side Of The Moon" (1973) und "The Wall" (1979). In dieser Zeit erfinden Pink Floyd den Stadion-Rock neu. Während sich etwa die Rolling Stones ins Zentrum des Geschehens stellen, verstecken sich Waters, Mason, Wright und Gitarrist Dave Gilmour hinter einer Mauer aus Klang- und Lichteffekten, riesigen aufblasbaren Tieren und mehrdeutiger Symbolik. Zwar verwandelt sich der Bandname in ein Millionen schweres Markenzeichen, die Mitglieder bleiben dem großen Publikum jedoch unbekannt.

Eine Strategie, an der sich Waters nach seinem Ausstieg 1981 fast die Zähne ausbeißt. Kann er mit dem letzten gemeinsamen, aber weitgehend selbst aufgenommenen "The Final Cut" (1982) noch großes Interesse auf seine Musik ziehen, bleibt er mit seinem ersten Soloalbum "The Pros And Cons Of Hitchhiking" (1983) im Regen stehen. Trotz einer Schar an hochkarätigen Musikern, darunter Eric Clapton als Gitarrist seiner Live-Band, geraten Album und Tour zum Flop.

Als sich die anderen drei Mitglieder von Pink Floyd 1985 wieder ohne ihn zusammen tun, um an einem neuen Album zu arbeiten, zerrt er sie vor Gericht, um die Namensrechte einzuklagen. Nachdem er den Prozess verloren hat, muss er verbittert feststellen, dass seine ehemaligen Kollegen mit seinem Material in Stadien auftreten, während er mit seinem zweiten Album "Kaos Radio" (1987) höchstens Sportpaläste voll kriegt. "Ich bin gegen mich selbst angetreten und habe verloren", stellt er später in einem Interview fest.

Ein letzter großer Coup gelingt ihm 1990, als er acht Monate nach dem Fall der Berliner Mauer "The Wall" auf dem noch brachliegenden Potsdamer Platz inszeniert. Über 300.000 Zuschauer verfolgen das aufwändige, mit Stargästen gespickte Spektakel, das in über 50 Ländern auch live im Fernsehen zu sehen ist.

In den 90er Jahren zieht sich Waters weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. "Amused To Death" (1992) ist sein letztes Album, bevor er sich einer Oper mit dem Titel "Ça Ira" widmet. Überraschend begibt er sich 1999, 2000 und 2002 drei Mal auf Konzertreise. Seine "In The Flesh"-Tour ist ein Publikumserfolg, der seinen Weg auf CD und DVD findet.

Im September 2004 veröffentlicht er mit "To Kill The Child" und "Leaving Beirut" zwei neue Lieder, die sich kritisch mit dem Irak-Krieg auseinander setzen. Seit 2006 engagiert sich Waters für die Interessen der Palästinenser, er fordert Sanktionen gegen Israel, dessen Politik er immer schärfer kritisiert.

Die Beziehung zu seinen ehemaligen Mitstreitern bleibt frostig bis nicht existent. "Es kommt der Tag, an dem man die Wahrheit akzeptieren muss. Und die Wahrheit lautet: Ich kann ihn nicht ausstehen", erzählt er bezüglich Gilmour 2003 in einem Interview. 2005 raufen sich alle Streithähne für einen guten Zweck noch einmal zusammen. Für Live 8 stehen Gilmour, Waters, Mason und Wright am 2. Juli beim Londoner Live Aid-Gig zusammen auf der Bühne. Auch 2011 treten die drei noch einmal gemeinsam auf, ohne allerdings jemals Hoffnungen auf eine Pink Floyd-Reunion zu schüren.

Ab 2010 geht Roger Waters wieder mit "The Wall" auf Tour, und mit einem Fesselballon in Schweinsform, auf dem Symbole "des Bösen" abgebildet sind, unter anderem Hammer und Sichel, Dollarzeichen und Davidstern. Als er 2013 Israels Politik mit dem Holocaust vergleicht, mehren sich Antisemitismus-Vorwürfe, nicht mehr nur von Außenseitern.

Nachdem Roger Waters auf einem von American Express gesponsorten Konzert gegen Israel wettert, kündigt das Unternehmen im Oktober 2016 die Kooperation auf, Berichten zufolge verliert Waters dadurch etwa vier Millionen Dollar. Im November beendet die Citibank die Zusammenarbeit mit einer kühlen Pressemitteilung.

Anfang 2017 kündigt Waters mit "Is This the Life We Really Want?" sein erstes Soloalbum seit "Amused To Death" an.

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Roger Waters - The Wall: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2015 The Wall

Kritik von Daniel Thomas

Ein radikaler Kriegsgegner und Kapitalismuskritiker. (0 Kommentare)

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Düsseldorf, 2013 2013: Der Pink Floyd spielt The Wall.

2013: Der Pink Floyd spielt The Wall., Düsseldorf, 2013 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) 2013: Der Pink Floyd spielt The Wall., Düsseldorf, 2013 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) 2013: Der Pink Floyd spielt The Wall., Düsseldorf, 2013 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) 2013: Der Pink Floyd spielt The Wall., Düsseldorf, 2013 | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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