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"To me, the mentality was you sit at the piano and play Bach or Mozart or Chopin. You didn't ever improvise, so the idea of writing my own music was an intimidating one."
Regina Spektor kommt 1980 als Tochter jüdischer Eltern, einer Musiklehrerin und eines Violinisten/Fotografen, in Moskau zur Welt. Mit sechs Jahren beginnt sie Klavier zu spielen. Als ihre Eltern während der Perestrojka beschließen, aus der damaligen Sowjetunion auszuwandern, muss das Instrument verkauft werden. Nach den Zwischenstationen Österreich und Italien gelangt die Familie in den New Yorker Stadtteil Bronx, wo die neunjährige Regina aufwächst. Falls überhaupt, kann sie anfangs nur in der örtlichen Synagoge auf einem verstimmten Klavier üben. Durch einen glücklichen Zufall lernt sie eine New Yorker Musikprofessorin kennen, die sich bereit erklärt, sie zu unterrichten.
Auf die Idee, ihre eigenen Lieder zu komponieren, wird Regina im Alter von 16 Jahren von ihren Mitschülern gestoßen. Einmal auf die Idee gebracht, beginnt sie das Songschreiben ernst zu nehmen und versucht, mit jedem Versuch besser zu werden. Eine Kassette mit den ersten Gehversuchen als Songwriterin dient ihr im Folgenden als Bewerbungsunterlage für ein Musik-Konservatorium.
Während des Studiums beginnt sie, mit ihren Songs aufzutreten. Anfang 2001 nimmt sie dann in Eigenregie ein jazziges Album mit dem Titel "11:11" auf. Nach dem Abschluss nutzt sie jede Gelegenheit, um ihre Kompositionen live vor Publikum zu präsentieren. Ziemlich schnell ersingt und erspielt sie sich eine eingeschworene Fangemeinde in und um New York. Ende 2001 folgt "Songs", das ihr viel Lob seitens der Musikkritik einbringt. Ihre CDs verkauft sie zu dieser Zeit selbst über das Internet und bei ihren Konzerten.
Über einen Fan lernt sie den Strokes-Produzenten Gordon Raphael kennen, und nimmt mit ihm 2002 ihr herzerfrischendes drittes Album "Soviet Kitsch" auf. Selbiger spielt es dem Strokes-Frontman Julian Casablancas vor und der ist so begeistert, dass er Regina als Support für die ausverkaufte Nordamerika-Tour der Band engagiert.
Über ihren musikalischen Werdegang sagt sie überglücklich: "This is like a back door into what I've always wanted to do my whole life. I always wanted to play classical and concerts, and go from place to place and learn new programs and practice new things and play hours and hours of piano for people. And now I do that, except instead of playing the compositions of Chopin and Mozart, I play my own."
Da sie zum Zeitpunkt der Strokes-Tour noch keinen Plattenvertrag hat, muss Regina die Reisekosten aus eigener Tasche finanzieren. Zusätzlich zu den Live-Auftritten bietet ihr Casablancas an, gemeinsam mit den Strokes "Post Modern Girls" aufzunehmen, die B-Seite zur Single "Reptilia". Auf der Strokes-Tour lernt sie auch die Kings Of Leon kennen, die sie als Support auf Europa-Tour mitnehmen. Weitere Reisen unternimmt sie mit den Geschwistern im Geiste, den Moldy Peaches, sowie deren Frontfrau Kimya Dawson.
2005 findet ihr Song "Us" in der britischen Fernsehsendung "What Do You Want To Watch?" verwendung, was ihren Popularitätsgrad im Vereinigten Königreich sehr fördert. Die Tracks "Somedays" und "Samson" hört man in der äußerst erfolgreichen Krimiserie "CSI New York". Noch im selben Jahr erscheint mit "Mary Ann Meets The Gravediggers And Other Short Stories" eine Compilation ihrer bisherigen Alben, inklusive Tracks aus ihrem bereits seit lange vergriffenen Debüt "11:11".
Derweil der Name Regina Spektor permanent durch die Medien geistert, fummelt die umtriebige Lady schon neues Material zusammen. "Begin To Hope" erscheint im August 2006 und erntet begeisterte Kritiken.
2007 stieg ihre Single "Fidelty" aus eben diesem Album auf Platz 45 in die britischen Charts ein. Die amerikanischen Billboard-Charts hingegen verfehlte sie mit Platz 51 nur knapp. Doch anstatt zu resignieren, nimmt sie wenig später ein Cover des John Lennon Songs "Real Love" für die Charity-Compilation "Instant Karma: The Amnesty International Campaign To Save Darfur" auf und steuert dem Soundtrack von "Die Chroniken Von Narnia: Prinz Kaspian Von Narnia" einen Song namens "The Call" auf. Auch auf dem Soundtrack von "500 Days of Summer" ist sie mit gleich zwei Titeln vertreten.
Zwei Jahre später ist sie bereit für ihr fünftes Album "Far". Neben begeisterten Kritiken gibt es diesmal auch noch eine stetig wachsende Zuhörerschaft obendrauf, denn dass sie mit Herz und Seele dabei ist, merkt mittlerweile selbst der unmusikalischste Laie. Mit dem im Gepäck ist sie noch im gleichen Jahr auf diversen Festivals vertreten. Dazu gehören unter anderem das Glastonbury, das Hultsfried, das Oxegen und das Latitude Festival. Auch das Montreux Jazz Festival kann sie zu ihren absolvierten Shows zählen, jedoch nicht ohne Wehmut: einen Tag vor ihrem Auftritt ertrank ihr Cellist Dan Cho im Genfer See.
Noch im selben Jahr ist Regina Spektor als Verantwortliche für die musikalische Untermalung der Neuadaption von Schneewittchen auserkoren, die von 2011 bis 2012 im regulären Theaterplan des Broadway steht. 2010 tritt sie dann schließlich vor Präsidenten Barack Obama und seiner Michelle auf. Immer mehr Songs aus ihrer Feder werden dank Film und Fernsehen einem immer größeren Publikum bekannt. Ihr 2012 erscheinendes Album "What We Saw From The Cheap Seats" wird schon im Voraus wie wild gefeiert und heiß ersehnt. Denn diesmal vereint sie sowohl alte Stücke, als auch spannungserzeugende Neukompositonen.
Über das neue Album, vergessene Songs und ein schmerzhaft vermisstes Klavier.
Jeder kennt Regina Spektor, ohne sie wirklich zu kennen. Ihre Songs sind Stammgast in US-Serien wie "Grey's Anatomy", "C.S.I" oder "Weeds". Mit ihrem neuen Album "Far" will die US-Sängerin mit russischen Wurzeln nun auch in Deutschland auftrumpfen.
Man könnte vermuten, dass Regina Spektor leichte Divaallüren an den Tag legt. Die Interviews im Arcotel Velvet in Berlin Mitte verzögern sich ein wenig, weil die Sängerin vorher noch stilles Mineralwasser, grünen Tee und frische Früchte zu sich nehmen möchte. Doch bei der ersten Begegnung von Zicken keine Spur: Wie das nette Mädchen von nebenan erzählt sie freimütig von ihrem Leben und ihrer Karriere als Musikerin.
Drei Jahre sind seit Deinem Erfolgsalbum "Begin To Hope" vergangen, jetzt startest Du mit "Far" neu durch. Was hast Du in der Zeit getrieben?
Gleich nach "Begin To Hope" wollte ich mich an die Arbeit für ein neues Album machen, aber durch den Erfolg habe ich Einladungen für so viele Konzerte bekommen, und ich konnte einfach nicht nein sagen. Also hat es etwas länger mit dem neuen Album gedauert.
Gibt es große musikalische Veränderungen zum Vorgängeralbum?
Von meiner Perspektive aus betrachtet sind des riesige Veränderungen, aber ich denke nicht, dass viele das verstehen werden, wenn sie "Far" das erste Mal hören. Diesmal habe ich mich sehr für die Drumparts interessiert und sie auch selbst geschrieben. Das Schöne am Keyboard ist, dass man wirklich alle Instrumente spielen kann und das wollte ich! Ich wollte ein Schlagzeug, eine Trompete, ich wollte einfach ein ganzes Orchester sein.
Deine ersten beiden Alben hast Du selbst produziert, das erste sogar noch, als Du auf dem College warst. Waren die ersten beiden Alben mit mehr Freiheit für Dich verbunden?
Nein, ich kann jetzt viel mehr machen als früher, ich werde immer neugieriger und man lässt mir alle Freiheiten, die ich brauche. Ich habe viel mehr Freiheit als Künstler als früher, aber das kommt nicht von ungefähr. Mein Rat für alle, die ihre Musik an die Öffentlichkeit bringen wollen: Entwickelt Eure Musik und macht sie stark, bevor Ihr sie bei einem Label vorstellt. Viele "Künstler" wollen Ruhm und Geld auf dem Expressweg und sind deshalb bereit, ihre Seele vorab zu verkaufen und dem Label alle Freiheiten zu übertragen.
Ohje, nein, auf keinen Fall! Die Welt heute ist verwirrend genug, das wollte ich bestimmt nicht.
Trotzdem arbeitest du in Deinen Texten mit einer Fülle von intertextuellen Anspielungen, die sich nicht leicht erschließen lassen.
Wenn ich einen Song schreibe, dann kommt etwas Metaphysisches über mich und der Song schreibt sich fast von allein. Ich bin dann mehr ein Medium für den Song. Am Ende bin ich über das Ergebnis oft genau so überrascht wie alle anderen.
Also sind Deine Songs auch für Dich ein kleines Geheimnis.
Das sind sie. Manches was ich geschrieben habe, erschließt sich mir erst Jahre später. Es ist wie mit einem guten Buch, das auch völlig neue Komponenten offenbart, wenn man es nach vielen Jahre ein zweites Mal in die Hand nimmt. Meine Songs bleiben natürlich von der Melodie her gleich, aber ihre Emotionalität ändert sich. Live muss ich meine Songs auch immer wieder neu interpretieren, sonst wäre es, als würde ich den gleichen Witz immer wieder erzählen müssen.
In Deutschland kennt man Dich vor allem aus US-Fernsehserien, in denen Deine Songs zu hören sind. Warum glaubst Du, wird Deine Musik so gerne für "C.S.I", "Grey's Anatomy" und andere Serien verwendet?
Es stimmt, es kommen sehr viele Produzenten auf mich zu und fragen, ob sie meine Songs in gewissen Episoden verwenden dürfen. Es freut mich, dass sie ihnen gefallen, und dass sie meine Musik nicht einfach als musikalischen Lückenfüller sehen. Sie verbinden meine Songs mit ihrer Storyline, das ist natürlich ein echtes Kompliment für mich.
Für den Narnia-Film "Prinz Kaspian" solltest Du sogar eigens einen Song zu schreiben...
Wenn ich einen Film mag, habe ich kein Problem damit, einen Song beizusteuern, wenn ich einen Film nicht mag, fällt mir dazu nichts ein, so einfach ist das. Nachdem ich mir "Prinz Kaspian" angeschaut hatte, war ich mit einigen Freunden auf einen Drink verabredet, doch die sagten kurzfristig ab und ich ging nach Hause und der Song "The Call" sprudelte einfach aus mir heraus. Es war gut, dass ich nicht gewartet hatte, so konnte ich meine Eindrücke vom Film direkt in Musik umwandeln. Manchmal geht einem dieser intime Moment verloren, wenn Du Dich mit Fernsehen oder etwas anderem ablenkst. Doch an dem Abend waren nur ich, mein Klavier und meine Eindrücke vom Film anwesend.
Wir leben in einer Welt mit so vielen Kulturen, je mehr du kennst, um so weniger wird es dich verwirren. Mein Hintergrund hat mich schon sehr früh erkennen lassen, dass Dinge wie Nationalismus absoluter Bullshit sind. Ich bin eben ein Mix aus vielen Dingen, wie ein großer Smoothie, und jemand hat einen riesigen Mixer genommen und einen ganz neuen Geschmack kreiert.
Mit neun Jahren hast Du Moskau verlassen und musstest Dein erstes Klavier zurücklassen. Erinnerst Du Dich an den Abschied?
Oh ja, es war, als müsste ich meinem besten Freund Lebewohl sagen. In New York hatte ich dann immer diesen Tagtraum, dass ich eines Tages zurückkehren würde, in einem prachtvollen Kleid auf einem edlen Pferd, und mein Klavier in die USA bringen würde. Keine Ahnung, wo es jetzt ist, aber es hat ganz spezielle Kerben im Holz, ich würde es sofort erkennen.
Du bist mit klassischer Musik aufgewachsen, später hast Du dann Deine Liebe für Richtungen wie Hip-Hop, Rap und Punk entdeckt. Wie kam das kleine russische Mädchen auf diesen Weg?
Meine Eltern waren schon in Moskau große Fans der Beatles, der Beach Boys und der Moody Blues, wir hörten ihre Musik auf Kassetten, die wir zu Hause hatten. Als wir in New York ankamen, war ich aber dieses kleine russische Mädchen, das mit Mozart und Chopin aufgewachsen war. Dann hörte ich Hip-Hop und Punk und dachte mit gerümpfter Nase: Das ist doch keine Musik, wie furchtbar! Aber nach und nach fand ich auch das interessant. Das passiert wohl manchmal im Leben. Wenn man eine starke Aversion gegen etwas hat, dann nur, weil man Angst davor hat, es zu lieben. Wir haben dann wohl Angst, dass unser Herz von etwas Neuem berührt wird. Bei Avocados ging es mir ähnlich, erst dachte ich, ist das ekelig, jetzt esse ich es jeden Tag.
Du hast einmal gesagt, viele Deiner Songs existieren nur in Deinem Kopf, Du hast sie noch nie aufgeschrieben.
Ich schreibe meine Songs immer nur in meinem Kopf, unglücklicherweise vergesse ich dadurch eine Menge von ihnen. Viele Fans haben Live-Mitschnitte von Konzerten gemacht, die ich nach Jahren im Internet entdecke, und manchmal komme ich so wieder in Kontakt mit meiner Musik. Irgendwie muss ich auf die Hobbyfilmer dieser Welt vertrauen ...
Mary Ann Meets The Gravediggers And Other Short Stories (2005)
Die offizielle Seite, mit Tagebuch und jeder Menge Infos.
http://www.reginaspektor.com/
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