Porträt

laut.de-Biographie

Ponytail

Der Pferdeschwanz, im Englischen "Ponytail", suggeriert bei aller Jugendlichkeit ja eigentlich eine gewisse Ordnung und Bravheit, und sei es nur auf dem Kopf. Selbiges kann man für die Musik der just nach dieser Methode der Haarbändigung benannten Noisepop-Band aus Baltimore garantiert nicht sagen - eher das Gegenteil: In den USA werden Ponytail und ihre Grimassen schneidende Sängerin Molly Siegel speziell für ihre energetischen bis wüsten Live-Auftritte gefeiert. Und das bis hinauf zur New York Times.

Ihr kakophonischer Ansatz sprengt Wohlklang-Konventionen und macht Ponytail zu einer besonderen Band. Ihr Debüt "Kamehameha" versammelt gleich nach der Gründung als Klassenprojekt im Jahr 2005 das tierische Jaulen einer Band wie Animal Collective und die galoppierenden Schlagzeug-Rhythmen und schwingenden Gitarrenkleckereien des Artrock. Daraus entsteht jene verdichtete Form des Antipop, den man mit befreundeten Bands wie Abe Vigoda, High Places und den Dirty Projectors teilt.

Gleichwohl lebt die Band nicht zuletzt von ihren irren Livequalitäten, die zu einem Großteil auf Bühnen-Derwisch Molly Siegel zurückfallen: All das Gurren und Fiepen, das Zischen und Heulen stammt nämlich tatsächlich von der kleinen Sängerin mit der Kurzhaarfrisur. Wörter hingegen findet sie beim Singen wohl eher einschränkend, weshalb ihr experimenteller Ansatz zu Recht in die Nähe von Yoko Ono beziehungsweise Satomi Matsuzaki von Deerhoof gestellt wird.

Ponytails zweites Album "Ice Cream Spiritual" gerät im Vergleich zum Erstling etwas stromlinienförmige. Doch auch hier paaren sich immer noch eruptive Sound-Ausbrüche mit indischen Kriegsgesängen, tropischen Soundscapes und vom Surfrock inspirierten Gitarrenbrettern. Die Single "Celebrate the Body Electric (It Came from An Angel)" bringt es auf den Punkt: Der LoFi-Punk von Acts wie No Age wird frenetisch zersägt und mit Backing Vocals aus einem Spaghetti-Western beinahe lächerlich gemacht.

Mit Hochgenuss sprengen Ponytail jegliche Konventionen des Pop, weshalb man sie letztlich nur schwer Genres zuordnen kann. Am nächsten liegen noch besagte Deerhoof, Ecstatic Sunshine oder Battles - gleichwohl unter der Voraussetzung eines gehörigen Aufmerksamkeitsdefizits.

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