Porträt

laut.de-Biographie

Peter Schilling

"Völlig losgelöst von der Erde / schwebt das Raumschiff, völlig schwerelos" - Zeilen, die eigentlich jeder Deutsche kennt, sei es aus dem Radio und der Hitparade im Jahr 1983 oder aus dem Bierzelt im Jahr 2010. Gesungen werden sie von Peter Schilling, Synthiepop-Musiker aus Stuttgart, der zu Beginn der 80er Jahre wie so viele David Bowie zutiefst verehrt.

Also greift Schilling die Figur des Astronauten Major Tom auf, die Bowie in seinem Song "Space Oddity" vom Album "Man Of Words, Man Of Music" besingt. Bowies Ballade wird 1969 zum Soundtrack der Mondlandung, Schillings "Major Tom (Völlig Losgelöst)" neben Nenas "99 Luftballons", "Da Da Da" von Trio und Falcos "Rock Me Amadeus" zu einem der erfolgreichsten Liedern der Neuen Deutschen Welle, die als Populärmusik Anfang der 80er Jahre ihren Höhepunkt erreicht.

Bereits im Alter von 14 Jahren hat Pierre Michael Schilling dem Vernehmen nach zwei gut dotierte Angebote für eine große Karriere vorliegen. Eins vom VfB Stuttgart, der ihn gerne zum Profifußballer ausbilden möchte, das andere von einer Plattenfirma, die ihm anbietet, seine Texte und Musik zu produzieren.

Schilling entscheidet sich für letzteres. Nach einer Lehre zum Reisebürokaufmann erscheint 1979 noch unter dem Namen Pierre Schilling seine erste Single "Gib Her Das Ding". Die Neue Deutsche Welle ist fast schon Geschichte, als "Major Tom (Völlig Losgelöst)" von seinem Debütalbum "Fehler Im System" im Februar 1983 Platz Eins der deutschen Charts erklimmt und in der englischen Version später weltweit von der Spitzenposition grüßt.

An diesen Erfolg wird Schilling nicht mehr anknüpfen. Nicht mit den folgenden Singles "Die Wüste Lebt" und "Terra Titanic", die in ihren Texten ebenfalls Zukunfts- und Science Fiction-Motive anklingen lassen. Nicht mit dem mittelmäßigen Nachfolgealbum "120 Grad", das im Gegensatz zu "1.000 Augen" wenigstens noch veröffentlicht wird.

1989 gelingt Schilling in Zusammenarbeit mit Michael Cretu von Enigma mit "Different Story" zumindest noch ein veritabler Disco-Hit im Stil der Pet Shop Boys. Danach beginnt der zwischenzeitliche Abstieg. Nach zahllosen Fernsehauftritten, Jetlag und den Bemühungen, international noch einmal Fuß zu fassen, erkrankt Schilling 1989 am Burnout-Syndrom.

"Ich habe Verträge selbst aufgekündigt, bin in die Staaten geflogen und habe gesagt: Freunde, lasst mich aussteigen. Ich kann nicht mehr. Wenn ich das hier nicht beende, wird das Leben das beenden", berichtet Schilling der Superillu über seine Krankheit. Er zieht sich lange Zeit aus der Öffentlichkeit völlig zurück, während weiterhin Compilations mit und Remixe von seiner Musik herausgebracht werden.

Erst 2003 beginnt er wieder, Musik zu schreiben. Auch zwei esoterisch anmutende Bücher über männliche Wellness und den Emotionshaushalt des Mannes schreibt er in der Folgezeit. 2010 kehrt Schilling mit einer Liveband im Hintergrund auf die großen Bühnen zurück. Parallel dazu erscheint das Album "Neu & Live", auf dem sich neue Songs zwischen Schunkel-Rock und NDW-Pop befinden und für das die alten Hits live neu eingespielt wurden.

Auf die Frage, ob er "Major Tom" nach über 25 Jahren denn noch gerne singe, antwortet Schilling übrigens: "Ja! Das ist ein Teil meines Lebens. Das ist wie der Mercedes-Stern für den Mercedes. Wenn man mir den Major nimmt, bin ich nicht mehr Peter Schilling." Also wird es noch eine Weile weiterschweben, das Raumschiff. Natürlich völlig schwerelos.

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