laut.de-Kritik

Ein Miniroadmovie, dem das Besondere fehlt.

Review von

Wie Depeche Mode, nur weniger synthielastig. Orange Juice oder Iggy Pop, nur düsterer, aber dann doch wieder nicht so düster wie Joy Division. Talking Heads, New Order, The Smiths - die Liste der Bands, mit einer der man Paul Haig vergleichen könnte, ist lang. Und trifft doch nie den richtigen Ton.

Sein Gemisch aus New Wave, Indie und Electropop platziert Paul Haig recht stilsicher zwischen Coolness und Eleganz. Das mag daran liegen, dass der Schotte das Musikgeschäft schon seit Ende der 70er kennt. Stark verändert hat er seinen Soundcharakter seitdem nur bedingt: Noch immer fußen die Tracks im authentischen, dunklen 80s-Sound.

Besonders ins Ohr geht Haigs psychedelische Pop-Stimme. Dazu passend liefert der Musiker meist angsterfüllte, deprimiert pessimistische Lyrics: "Look at what you've done. You don't have to be someone" ("Ambition"). Oder auch: "It's over, it started. It ended when we parted. The sticks and the bones of another broken home. Just like the rest you're second best" ("Without A Doubt").

Schade nur, dass sich der Schotte von seinen Instrumenten häufig geradezu übertönen lässt. So wird es schwierig, den Text zu verstehen – zumal Haig in sich hineinzunuscheln scheint. So schwindet der Reiz, sich mit den Lyrics auseinander zu setzen.

Überhaupt: so spannend und vielseitig sich die jeweiligen Intros geben, die einzelnen Tracks gleichen sich teils ziemlich. Irgendwie fehlt Haig das Besondere, das Originelle - die Tracks rieseln ohne große Höhepunkte auf einen nieder und gehen quasi ineinander über.

Dabei beginnt "Relive" spannend. Die eingängig und abwechslungsreiche Melodie von "Trip Out The Rider" reißt beim ersten Hören fast vom Hocker: lässige Stimme, coole Bassriffs, Mid-Tempo-Beat – ein perfekter Einstieg. Nach und nach flacht die gitarrenlastige Synthiemucke dann leider ab, die Ideen in Sachen Elektrosound und Drumeinsätzen bleiben stecken. "Eyes Wide Open" oder "So Contemporary" gehen noch am besten ins Ohr.

Paul Haig findet, sein Album ähnele einem Miniroadmovie. Bei Mini kann man zustimmen: Schafft es "Relive" doch auf nicht viel länger als eine halbe Stunde. Und sollte es ein Roadmovie sein, ähnelt es wohl am ehesten einem Trip durch die Wüste, dessen Abwechslung aus ein paar Sträuchern, Kojoten und Kakteen besteht: Roadmovies sind vielleicht nicht immer die besten Filme - irgendwie lässig sind sie dann aber trotzdem.

Trackliste

  1. 1. Trip Out The Rider
  2. 2. Relive
  3. 3. Ambition
  4. 4. So Contemporary
  5. 5. Good Thing
  6. 6. Round And Round
  7. 7. Listen To Me
  8. 8. Horses
  9. 9. Without A Doubt
  10. 10. Eyes Wide Open

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