Porträt

laut.de-Biographie

Nils Wülker

Nach eigenen Angaben hat Nils Wülker (*1977 in Bonn) mit 16 noch überhaupt keine Ahnung vom Jazz. "Ich wusste nicht einmal, wer Miles Davis war" gibt er lächelnd zu. Anfang der 90er kommen US3 mit ihrer Version von Herbie Hancocks "Cantaloupe Island", und es war um Nils Unschuld geschehen. Während in den Clubs die Acid-Jazz-Welle wütet, zieht er sich eine Miles-Scheibe nach der anderen rein. Er schleppt seine Trompete, der er bis dahin nur klassische Töne entlockte, zum Jazzunterricht und studiert nach dem Abitur an der renommierten Hanns Eisler Hochschule in Berlin, die er 2002 erfolgreich verlässt.

Während des Studiums steigt er in die Band seines Klavierlehrers Nicolai Thärichen (Thärichens Tentett) ein, spielt sich durch zahlreiche Sessions und gründet seine eigene Formation. Kurz vor Ende seines Elevendaseins geht er ins Studio, um Aufnahmen zu produzieren, die Sony kurz Zeit darauf veröffentlicht. "High Spirits" geht als die erste Veröffentlichung eines deutschen Jazzmusikers bei Sony Music in die Firmengeschichte ein.

Für die FAZ ist er "eine der ganz großen Jazznachwuchshoffnungen", Die Welt feiert ihn als "Entdeckung." Das bringt auch die für Entdeckungen zuständigen Macher des Bayerischen Rundfunks auf den Plan. Sie suchen für die zehnte Folge ihres nächtlichen Spacenight-Kults einen neuen Kick. Den soll Nils Wülker ihrer Sendung verschaffen, indem er den Jazz in neue Sphären führt. "Spacenight Vol. 10" geht kompositorisch komplett auf Nils Wülkers Kappe. Er festigt damit seinen Ruf als Instrumentalist und beweist sein Gespür für gelungene Kompositionen.

2005 erscheint mit "My Game" sein drittes Solowerk. Mit Unterstützung der norwegischen Sängerin Torun Eriksen (auf den Songs "Ask Me" und "That's How I Know") und einem hervorragenden Streichquartett spielt er ein aufwändig produziertes und stilsicheres Album ein, das seinen guten Leumund bestätigt und weiter ausbaut. Stilsicherheit bezieht sich in Wülkers Fall auf seine traumwandlerische Fähigkeit, zarte Wellnesswelten zu erschaffen, die sich im magischen Dreieck zwischen Jazz, Pop und Singer/Songwritertum wohl fühlen.

In solch samtene Welten lässt man sich natürlich gerne fallen. "Safely Falling" nennt er deshalb sein 2007er Album und demonstriert erneut, warum das Stereoplay von "erfrischend unsphärischem Jazz von schnörkelloser Gradlinigkeit und vibrierender Intensität" spricht. Unterstützt wird er auf "Safely Falling" von der seit sechs Jahren und auf hunderten Konzerten bewährten Nils Wülker Group, bestehend aus Jan von Klewitz am Saxophon, Lars Duppler am Piano, Dietmar Fuhr am Bass und Jens Dohle am Schlagzeug.

Die Gesangsstücke des Albums sind abermals fest in norwegischer Hand. Heine Totland ("Where Life Begins") und seine Ehefrau Silje Nergaard ("Complete Me") überzeugen stimmlich mit intimer Eleganz und melodischer Einfühlsamkeit. Diese Attribute beherrscht auch der Gast an den Saiten: Sting-Gitarrist Dominic Miller. Er und Totland sind auch auf dem Nachfolger "Turning The Page" mit von der Partie.

Das "6"te Album unter eigenem Namen beschreibt Wülker, der mittlerweile auf Kooperationen mit Samy Deluxe und Lee Ritenour zurückblick, mit "es groovt, es rockt." Erstmals greift der Trompeter darauf auch in die Saiten und spielt die Gitarren- und Bassparts selbst ein. Um den Gesang kümmert er sich auf "6" ebenfalls höchstpersönlich und beantwortet die Frage nach singenden Trompetern mit: "Ja, da gehöre ich jetzt auch dazu. Als ich früher Sänger einlud, agierten die mit einer derartigen Präsenz, dass ich mir auf den jeweiligen Stücken manchmal wie ein Gast auf dem eigenen Album vorkam."

Alben

6 (2010)
6 (2010)
6 (2010)

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