Porträt

laut.de-Biographie

Lisa Bassenge

Kann es Menschen geben, die tatsächlich gern sowohl mit Mr Tindersticks Stuart Staples, als auch mit Xavier Naidoo zusammen arbeiten? Man braucht viel Phantasie, sich so etwas vorzustellen. Doch es gibt sie.

Zumindest einen Menschen. Der Jazz-Sängerin und Komponistin Lisa Bassenge ist jede Form der Berührungsangst oder stilistischen Einschränkung gänzlich fremd. Tunnelblick verboten könnte das Motto ihrer Alben sein. Viele, ja zu viele nennen so etwas leicht verächtlich Jazz für Leute, die gar keinen Jazz mögen. Über solchen Unsinn kann die Berlinerin nur lachen.

Dabei ist der künstlerische Erfolg der Chanteuse lange Zeit nicht abzusehen. Als ganz normale Studentin unter vielen absolviert sie nach bestandenem Abitur ein Gesangsstudium bei der renommierten Judy Niemack an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Während des Studiums lernt sie auch Paul Kleber kennen. Diese Begegnung kann man nur als schicksalhaft bezeichnen. Kleber, ein versierter Drummer, Cellist und leidenschaftlicher Kontrabassist erweist sich als begnadeter Arrangeur und talentierter Komponist.

Was liegt da näher, als eine gemeinsame Band zu gründen? Vereint unter dem Namenslogo der Sängerin komponieren, covern und touren sie ab 1996, was das Zeug hält. Jazz, Bossa, Blues, Pop, Chanson und sogar ein wenig Klassik ergeben den Cocktail-Shaker für einen ganz speziellen und besonders für Jazz-Verhältnisse ungewöhnlich stark wiedererkennbaren Sound der Band.

Neben der ausnehmend hell-heiteren Stimme Lisas und den genannten Stärken Klebers bildet das – auch von Till Brönner gern genutzte – Klangfarben-offene Charakterpiano von Chris Adams mal schwer dräuenden Gegenpol, dann wieder fröhlichen Wegbegleiter zu Bassenges einnehmendem Organ. Als wenn das noch nicht reichen würde, gründen Bassenge/Kleber zwischendrin das Projekt Nylon, welches alten Gassenhauern - meist angejazzten Chansons - ein modernes elektronisches Gewand für den Pop-Kontexz verpasst.

Im Laufe der Jahre erfährt die tolle Truppe nicht nur nationale, sondern auch international verdiente Anerkennung. Neben Nuschelkönig Staples muss man besonders das Projekt mit Acid Jazz Guru Nicola Conte hervorheben.

Spätestens seit Ende der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts halten sich Cover und eigene Lieder die Waage. Beeindruckend für das Publikum ist dabei das stets formvollendet goldene Händchen bei der Auswahl des fremden Materials. Denn egal ob Knef oder Witt. Alles kommt in den Bassenge Scheuersack und erblüht als Phönix aus der Asche in gänzlich neuem Glanze.

Die Bassenge/Kleber-Tracks fügen sich – auch dank der sprachlich hochwertigen Lyrics – dabei fast unmerklich und ohne Nahtstelle in den Kosmos der Band ein. Diese fast schon unheimliche Makellosigkeit erreicht mit dem 2011er Album "Nur Fort" einen kreativen Höhepunkt.

Alben

Lisa Bassenge - Nur Fort: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2011 Nur Fort

Kritik von Ulf Kubanke

Popjazz, ferkelweich und mächtig zugleich. (0 Kommentare)

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