laut.de-Kritik

Die Queen Of Rap sitzt wieder auf dem Thron.

Review von

"Who had Eminem on the first album? / Who had Kanye saying, 'She a problem'? / Who the fuck came in the game made her own column?" Richtig. Nicki ist der Shit. Ohne das Rap-Biz unbedingt in männlich und weiblich unterteilen zu müssen, lässt sich sagen, dass Onika Tanya Maraj zu den Besten und Einflussreichsten, jedenfalls aber zu den absolut Einzigartigen im Geschäft gehört. Ihren Status muss die Young Money-Queen nach zwei überdurchschnittlichen Alben aber immer noch betonen: "Why the fuck I gotta say it, though? You niggas don't know it yet?"

Gut für die Fans aber, dass Nicki Minaj nach wie vor den großen Drang verspürt, sich nicht nur in der Rap-, sondern auch in der Pop-Welt zu beweisen. Das unbändige Streben, etwas zu schaffen, das bleibt, führt im dritten Anlauf nun zum bisher besten Werk ihrer Karriere - mit deutlich weniger Kitsch und deutlich mehr Real Talk als zuvor.

Letzterer kommt schon in der dritten Single "Only" in Form knallharter, aber mit einem Augenzwinkern vorgetragener Fakten auf den Tisch: "Yo! I never fucked Wayne, I never fucked Drake / On my life man, fuck's sake." Statt sich mit rechtfertigenden Tweets und Interviews aufzuhalten, macht die Rap-Barbie einfach in einem fünfminütigen Brett unmissverständlich klar: Mit den YMCMB-Kollegen Drake und Lil Wayne ist nie etwas gelaufen.

Dass die beiden sämtliche Gerüchte ebenso von sich weisen, heißt dabei aber längst nicht, dass sie in der Rap-Königin keine Versuchung sehen: "I never fucked Nic and that's fucked up / If I did fuck, she'd be fucked up / Whoever is hittin' ain't hittin' it right / Cause she actin' like she need dick in her life", jammert Weezy, während Drizzy gar nicht weiß, wo er zuerst hinschauen soll: "She was sitting down on that big butt / But I was still staring at the titties though".

Das provokante Was-wäre-wenn-Szenario gestaltet sich erzählerisch ebenso einfach wie unterhaltsam und wird von Produzent Dr. Luke glänzend unterlegt. Den Beweis, dass Chris Brown tatsächlich nicht immer unhörbar sein muss, nimmt man zudem gerne entgegen.

Als ebenso verlässlich wie eine Zusammenarbeit des Young Money-Trios Nicki, Drake und Wayne entpuppt sich die Kollabo mit Beyoncé. Im "Flawless"-Remix gaben die beiden Ladys dieses Jahr schon ein sehr interessantes Duo ab. "Feeling Myself" unterstreicht die perfekte Chemie zwischen beiden nun eindrucksvoll.

Den verruchten Laidback-Stil ihres Überraschungsalbums setzt Queen Bey in Hook und Brückenparts konsequent fort und verpasst der druckvollen Hit-Boy-Nummer endgültig den arroganten Selbstbefriedigungs-Flow, den Nickis Texte ohnehin schon ausstrahlen: "Feelin' myself, back off, cause I'm feelin' myself, jack off / He be thinking about me when he whacks off, whacks on? Wax off!"

Dass es Minaj völlig zu Recht nicht an Selbstbewusstsein mangelt, unterstreichen "Want Some More", das Nellys und Kelly Rowlands "Dilemma" sampelt, sowie "Get On Your Knees" mit Ariana Grande. Der Teenie-Star macht hierbei zwar eine solide Figur, wenn die YMCMB-Königin den Raum betritt, müssen jedoch alle niederknien.

Eine Verneigung gebührt zum einen den nach wie vor über jeden Zweifel erhabenen Reimskills der 32-Jährigen. Neben dem leicht bekömmlichen Kaugummi-Rap der Hit-Single "Anaconda" packt Ms M. immer wieder ihren eiskalten New York-Flavor aus, der "Four Door Aventador" zusammen mit dem grandios minimalistischen Beat zum besten Stück des Albums macht.

Selbstverständlich liefert Nicki aber nicht einfach nur gerappte Zeilen ab. Auch ihr Gesang verdient mittlerweile durchaus positive Erwähnung und bietet genug Potenzial für melodische Ohrwurm-Hooks. Besonders, wenn mit Skylar Grey im bombastisch poppigen "Bed Of Lies" und Jessie Ware in "The Crying Game" sehr gute Unterstützung bereitsteht. Von ihrer besten Seite als Sängerin zeigt sich Nicki aber in der Ballade "I Lied", in der sie die erstaunlich zarten Texte zum Thema Selbstschutz mit verschiedenen stimmlichen Facetten noch verletzlicher klingen lässt.

Überhaupt gehören die Zeilen auf "The Pinkprint" zu den besten, die Minaj je geschrieben hat. Schon der Opener "All Things Go" geht brutal ehrlich mit einschneidenden Erlebnissen der New Yorkerin um, darunter gescheiterte Beziehungen, Abtreibung und Familientragödien, um letztlich doch noch eine positive Botschaft zu übermitteln: "Cherish these nights, cherish these People / Life is a movie, but there'll never be a sequel."

Zwar baut "The Pinkprint" in der zweiten Hälfte merklich ab, was sich besonders anhand der beiden flachen Party-Tracks "The Night Is Still Young" und "Trini Dem Girls" bemerkbar macht. Die Rap freie Klavierballade "Grand Piano" sorgt aber für einen ebenso überraschenden wie runden Abschluss einer Platte, die von überheblichem Gespitte bis zu melodischer Gefühlsausschüttung alles zu bieten hat.

Während Azealia Banks und Iggy Azalea munter über Vorurteile, Rassismus und politisches Engagement streiten und sich denkbar peinliche Twitter-Fights um die Genrekrone liefern, kann Nicki Minaj mit einem starken Album locker ihre Vormachtstellung behaupten. Die neue, alte Queen of Rap holt sich den Thron zurück.

Trackliste

  1. 1. All Things Go
  2. 2. I Lied
  3. 3. The Crying Game
  4. 4. Get On Your Knees feat. Ariana Grande
  5. 5. Feeling Myself feat. Beyoncé
  6. 6. Only feat. Drake, Lil Wayne & Chris Brown
  7. 7. Want Some More
  8. 8. Four Door Aventador
  9. 9. Favorite feat. Jeremih
  10. 10. Buy A Heart feat. Meek Mill
  11. 11. Trini Dem Girls feat. Lunchmoney Lewis
  12. 12. Anaconda
  13. 13. The Night Is Still Young
  14. 14. Pills N Potions
  15. 15. Bed Of Lies feat. Skylar Grey
  16. 16. Grand Piano

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