laut.de-Kritik

Amused To Death.

Review von

Krieg ist doof. Nein, echt jetzt, voll blöde. Drohnen sind gruselig und die Maschinen warten nur darauf, uns wie in "Matrix" auszusaugen. Alles Böse dieser Welt hat seinen Ursprung in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zeit, dass Matthew Bellamy seine Stimme gegen das Unrecht erhebt.

Der singende Schmollmops reckt den mahnenden Zeigefinger. Ein Sänger, dessen Texte seit Jahren auf dem Niveau eines trotzköpfigen Siebtklässlers verweilen, wagt sich an ein Konzeptalbum. Ohne dass es ihm bewusst wäre, gelingt ihm dabei eine gelungene Parodie auf Kubricks "Full Metal Jacket" und Orwells "1984". Bellamy fügt nicht einmal eine einzige greifbare Figur ein.

Selbst der Hauptprotagonist bleibt eindimensional und schlichtweg schnurzpiepegal, die Dystopie oberflächlich und verweigert sich jeder Komplexität. Wäre die lahme und vorhersehbare "Drones"-Story ein Drehbuch für einen Hollywood-Streifen, Uwe Boll würde sie dem Sänger links und rechts um die Ohren schlagen.

Abseits der Texte hat "Drones" dann durchaus seine Momente. Muse legen ihre Federboa ab und besinnen sich zeitweise auf ihre Wurzeln. Die dicke Frau verstummt, die Oper ist zu Ende.

Gerade in der ersten Hälfte holt Produzent Mutt Lange (AC/DC, The Cars, Def Leppard) die drei Briten zurück auf die Erde. Seine besten Momente liefert der Longplayer, sobald Bellamys Gitarre unter Vollstrom steht und Wolstenholmes ranziger Bass in den Vordergrund tritt.

Matt und seine Stibitzbuben bedienen sich zwar immer noch fleißig im Regal der Musikgeschichte, dies aber weitaus unauffälliger als noch auf "The 2nd Law". Leider versteckt sich hinter dem gelungenen Klangbild allzu oft Fließbandarbeit.

"Dead Inside" prophezeien Muse mit ihren eröffnenden Worten und beschreiben damit treffend den Hauptteil der neuen Stücke. Es sagt schon viel über die Qualität des Songwritings aus, wenn der Opener, der nichts weiter als einen zweiten Aufguss der Totgeburt "Madness" darstellt, zu den besten Liedern des Albums zählt.

Seine Inhaltslosigkeit versteckt das professionell heruntergenudelte "Dead Inside" hinter reichlich elektronischer Effekthascherei, einer verzerrten Bassline und stotternden Beats. Erst der Einsatz der Gitarre bringt etwas Leben in den Fremdkörper, der sich dank des Interludes "[Drill Sergeant]" vom restlichen Album abgrenzt.

Aus den vielen Nichtigkeiten ragt "Reapers" stolz empor. Ein epischer, energiegeladener Bluthund mit deutlichem Van Halen-Einschlag und einem ungezügelten Outro, das sich jedoch etwas zu deutlich bei Rage Against The Machines "Freedom" bedient. Abwechslungsreich und trotz seiner klischeebeladenen Riffs nie zu platt, beweist das Stück, dass tief in Muse doch noch etwas vom alten Feuer brennt.

Das verschachtelte "The Handler", von Wolstenholmes Bass voran getrieben, hält das Level, wirkt aber bisweilen zu heterogen. Mehr von der Härte und Klasse dieser beiden Songs hätte "Drones" gut zu Gesicht gestanden.

Zwar trägt "Psycho" die gleiche Entschiedenheit in sich, verschwendet diese aber an ein ausgelatschtes Blues-Riff, das Muse live bereits seit Jahren als "Stockholm Syndrome"-Outro mit sich schleppen. Schlagzeug, Bass und Gitarre versprühen Kraft, Bellamy gibt den Manson, doch all diese Gewalt verpufft in einem skizzenhaften Track. Ein albernes Zerrbild, dessen Lyrics ("Your ass belongs to me now") selbst in dieser Umgebung für Fremdscham sorgen. Die miserable Gunnery Sergeant Hartman-Karikatur gibt dem "Psycho" den Rest.

Das biedere "Mercy" tritt sein "Follow Me"-Erbe mit klebrigem Andrea Berg-Piano und stampfenden Helene Fischer-Beats an. Ein seelenloser Pampf, eine hanswurstige "Starlight"-Kopie.

Das zehn Minuten lange "The Globalist" klebt noch einmal alle gängigen Floskeln aneinander. Zum Einstieg etwas Morricone-Pfeifen aus dem Lehrbuch, gefolgt von einem mediokeren Balladenteil, deftigem Monster Magnet-Riffgebolze und einem klassischem Klavier-Part, begleiten den namenlosen Protagonisten in seinen endgültigen Wahn. Lasst uns diesem Planeten das Licht auspusten. Drama, Baby, Drama. Diese für sich schon nicht überzeugenden Einzelteile schrauben Muse zu einer ferngesteuerten Drohne zusammen, die ihr Ziel meilenweit verfehlt. Das abstruse Titelstück, ein Bellamy-Kirchenchor, schließt den Buchdeckel des Albums. "Now you can kill / From the safety of your home with drones / Amen." Amen. This species has amused itself to death.

Trackliste

  1. 1. Dead Inside
  2. 2. [Drill Sergeant]
  3. 3. Psycho
  4. 4. Mercy
  5. 5. Reapers
  6. 6. The Handler
  7. 7. [JFK]
  8. 8. Defector
  9. 9. Revolt
  10. 10. Aftermath
  11. 11. The Globalist
  12. 12. Drones

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62 Kommentare mit 138 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Jo, gehe mit der Wertung konform. Besonders "The Globalist" ist enttäuschend. 2 Minuten Gitarrenpart umrahmt von einem lahmen Intro und einem vierminütigen Pianopart a la "United States of Eurasia". Highlights sind für mich Reapers und Defector, das mich positiv an Queen erinnert. Psycho und Mercy sind Totalausfälle, Drones als Experiment ohne Relevanz. "Aftermath" ist diese Art von Muse-Balladen-Kitsch, den sie seit Black Holes (gutes Album) immer drauf haben. Bäh! "Dead Inside" ist okay, aber nichts Besonderes. "Revolt" habe ich gerade gar nicht mehr auf dem Schirm. Bleiben zwei Songs, die ich mit gutem Gewissen auf eine "Best of" brennen würde. Der Rest versinkt in Mittelmaß und einzelnen Ärgernissen. Irgendwie haben Muse auch langsam alles gesagt, das es zu sagen gab.

  • Vor 2 Jahren

    Warum rezensiert der Autor ein Album einer Band, die er offensichtlich nicht leiden kann. Skandal.

  • Vor 2 Jahren

    Beruhigend zu lesen, dass bei den lautschen Muse Rezensionen alles beim Alten bleibt, inklusive der gleichbleibenden Kommentare der gleichen User :)
    Hier mein Beitrag:
    Die Rezension besteht darin, dass Herr Kabelitz im Namedroppingmodus sich zwanghaft daran versucht, jedes Lied des Albums mit irgendetwas zu vergleichen, was er schonmal irgendwo aufgeschnappt hat. Ein Text der Machart „Lied 1 klingt nach einem Museaufguss, Lied 4 klingt dann nach Helene Fischer aber Lied 10 klingt dafür voll nach Monster Magnet“ stellt für mich aber immer noch keine besonders interessant zu lesende Auseinandersetzung mit einem Album dar, das kann er deutlich besser.
    Starke Platte, die so sehr back to the roots ist, wie es für Muse heutzutage noch möglich ist. Es hat ja wohl keiner erwartet, dass die auf Albumlänge so klingen wie Anfang der 2000er. Sind auf jeden Fall einige Übersongs dabei.

    • Vor 2 Jahren

      http://www.plattentests.de/forum.php?topic…

      Kannst ja mal mitdisktutieren. Richtig begeistert ist niemand und das sind beileibe keine Hater.

    • Vor 2 Jahren

      Ich stimme Dir zu - ein bisschen back to the roots, und das erfreulicherweise. Der eine oder andere Song braucht sicher etwas. Meine persönlichen Höhepunkte dieses Albums sind Reapers, The Handler (dieser Song war sofort bei mir im Ohr) & The Globalist. Das Album insgesamt durchhören macht auch endlich wieder Spaß, nachdem ich mit den letzten beiden nie wirklich warm wurde.