Porträt

laut.de-Biographie

Mr. MFN eXquire

Bed-Stuy, zu Lebenszeiten Heimat des legendären Notorious B.I.G., liegt rappenden Nachfolgern und Nachbarn oftmals wie ein Steinblock im Hudson. Mr. MFN eXquire sieht das jedoch gelassen, selbst als Danny Brown ihn im XXL-Magazin 2012 mit Biggie vergleicht.

"Ich klinge wohl doch ein bisschen wie er. Ich kann das nicht abstreiten und sehe auch die Gemeinsamkeiten. Ich verstehe aber auch, warum die Leute immer vergleichen müssen. Sie wollen nicht, dass du der erste von irgendetwas bist. Sie brauchen einen Anhaltspunkt für sich selbst, damit sie einen einfacher einordnen können", erzählt ein bodenständiger Mr. MFN eXquire dem VICE-Magazin.

Der New Yorker Emcee steht trotzdem eher in der Tradition von Def Jux und Bed-Stuyler El-P. Dessen Beats auf eXquires Debüt "Lost In Translation" aus dem Jahre 2011 wenden ihre Bassdrum nur selten zur eingängigen Club-Seite, die Hooks humpeln bewusst kaputt den Snares hinterher, und Mr MFN eXquires rappt Kreise um eingängige Reimschemata.

Dabei wussten El-P und seine Songs gar nichts von ihrem Glück. "Ich arbeitete bereits in 2009 an 'Lost In Translation', wir hatten kein Geld und keine Kontakte zu irgendjemanden. Ich schrieb daher El-Ps Manager, dass ich seine Beats auf einen Free-Tape verwenden werde. Er solle sagen, wenn er etwas dagegen habe. Und der Manager erlaubte es", so der Mister im Interview mit Pitchfork.

Damals ist der Rapper noch als Mr. Muthafuckin' eXquire unterwegs und lässt neben Def Jux-Momenten den Wu-Tang-Einfluss nicht missen, wie die Clanschen Querverweise auf dem Underground-Hit "Huzzah", Marvel-Comics-Vergleiche sowie Alkohol-Flows und Geschichten (siehe Ol' Dirty) beweisen. Im Gegensatz zu den harten Jungs aus Staten Island sitzt Herr eXquire in seiner Kindheit aber eher als Nerd in den eigenen vier Wänden, liest und guckt Blaxploitation-Filme.

"Huzzah" samt Video bedeutet 2011 den Schritt aus der Wohlfühlzone von Wolverine hinein ins Rapgame. Cooler Sound ohne Weichspüler, kein Gangsta-Gehabe, normale Leute machen normale Sachen und einfach gute Musik. Über besagten Clip erfährt El-P von dem Gebrauch seiner Beats und von Mr. Muthafuckin' eXquire – und gibt ihm Props, Reime für den Remix und nimmt ihn mit auf Tournee. Der Durchbruch.

2012 ändert er seinen Namen. Muthafuckin' wird zum MFN. Da er parallel einen Majordeal bei der Universal Music Group unterschreibt, ertönen aus den Kellern der Muttisöhnchen Rufe vom Sellout. Im VICE-Interview scheißt er, wie immer, auf solche Vorwürfe. "Du entwickelst dich halt immer weiter und kannst nicht immer denselben Mist machen wie früher. Das ist doch peinlich. Keiner von meinen Kumpels hat mich je Muthafuckin' genannt."

Im Sommer 2013 erscheint das zweite Album "Kismet", ebenfalls als Free-Download, und zeigt die Entwicklung des Rappers. Die Lyrics gehen wesentlich tiefer als seine Alkohol-Reime, sein Style bleibt einzigartig. Die Vergleiche mit Biggie verstummen, langsam aber sicher.

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