Porträt

laut.de-Biographie

Morphine

Morphine, das englische Äquivalent zu Morphium macht süchtig, lässt deine Schmerzen verschwinden und hält dich gleichzeitig in glückseliger Abhängigkeit. Morphine und dein Ohr, ja, ja, eine segensreiche Verbindung. Ausnahmsweise geht es hier nicht um Drogen, die Band ist gemeint, die von Bassist Mark Sandmann und Saxophonist Dana Colley 1990 gegründet wurde. Damit sind schon die essentiellen Zutaten des Morphine-Sounds beisammen.

Natürlich spielt sich ein geiler Rhythmus mit Schlagzeug erheblich besser und so holen die zwei noch Jerome Dupree an der Schießbude ins Boot. Wenn jetzt jemand den guten, alten Sechs-Saiter vermisst, dem kann leider nicht geholfen werden, denn Morphine bauen ihre Mucke auf Saxophon und Bass auf, die zusammen so viel Power entwickeln, dass ein Gitarrengegniedel fast schon eine Überladung des Klangbildes darstellen würde: so fehlt im Line Up von Morphine die Klampfe.

Mark, der mit seiner Baritonstimme irgendwo im dunklen Schatten zwischen der Lyrik eines Tom Waits und den Klagelauten von Nick Cave spazieren geht, schrammelt sich mit seinem Two-String-Slide-Bass (Bass mit zwei Saiten, die gleich gestimmt sind) durch energetisch rockende Lieder, nur um kurz darauf mit balladesken Stücken zu verwirren. Wer bei all diesen Zutaten vermutet, dass die drei Nonkonformisten sind, liegt damit voll richtig. Schon "Good" konnte gute Kritiken ernten und dies setzte sich von Album zu Album fort. Nach den Aufnahmen zum Debut verlässt Dupree die Band und wird durch Marks Bekannten Billy Conway ersetzt.

Nachdem mit dem 93er Album "Cure For Pain" auch ein wenig der Zaster zu fließen beginnt (immerhin konnten 300.000 Einheiten abgesetzt werden), setzen sie nicht unbedingt alles daran, noch berühmter zu werden. Obwohl sie mittlerweile in der Lage sind, große Indie-Festivals zu headlinen, zieht es sie nicht in die großen Hallen dieser Welt, sondern sie bleiben ihren Wurzeln in der Clublandschaft treu.

Nachdem sie eine Zeit lang qualitativ hochwertig durch die Gegend gemuckt haben, wird auch der eine oder andere Major auf die Band aufmerksam. Dreamworks erhält den Zuschlag, der erste Release ("Like Swimming") auf dem neuen Label wird zwar überall abgefeiert, aber weiterhin sind die drei Musiker ein Insidertipp. Nachdem mit "B-Sides And Otherwise" einige unveröffentlichte Stücke und Raritäten zusammengestellt sind, gehen Morphine mit Verve daran, eine neue Platte einzuspielen. Das 2000 erschienene "The Night" ist schon im Kasten, als die Band in der Nähe von Rom einen Gig absolviert, bei dem es zur Katastrophe kommt. Mit einem Herzinfarkt bricht Mark Sandmann am 3. Juli 1999 während des Konzerts zusammen und stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus im Alter von 46 Jahren.

Trauer bei der Fangemeinde, denn mit seinem Ableben stirbt auch eine der innovativsten Bands der Neunziger, in Zukunft muss man auf ihren ganz eigenen "Low-Rock" verzichten.

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