Porträt

laut.de-Biographie

Monsieur R

"La France est une garce,
n'oublie pas de la baiser.
Jusqu'à l'épuiser,
comme une salope faut la traiter, mec."

Frankreich ist eine Schlampe,
vergiss nicht, sie zu bumsen,
bis sie erschöpft ist,
man muss sie wie eine Nutte behandeln, Mann.
(Monsieur R "FranSSe")

Harte Worte, die den französischen Rapper Richard Makela aka Monsieur R fast hinter Ginter gebracht hätten. Nach den blutigen Unruhen in etlichen französischen Städten im Oktober 2005 suchte die Politik nach Verantwortlichen für das Aggressionspotenzial, das Tausende französische Jugendliche auf die Straßen trieb. In Monsieur R hatten sie, in ihren Augen, einen gefunden.

Der UMP-Parlamentarier Daniel Mach verklagte den belgisch-stämmigen Rapper Richard Makela wegen Sexismus, Gewaltverherrlichung und Herabwürdigung des französischen Staates. Erst die wütenden Straßenschlachten, die in dem Pariser Vorort Clichy-Sous-Bois ihren Ursprung nahmen, veranlassten den Politiker, gegen Monsieur R vorzugehen. Dabei gibt er seiner Meinung über sein Vaterland Frankreich schon seit einigen Jahren explizit zum Besten.

Geboren 1975 in Belgien zieht Richard Makela mit drei Jahren in das Heimatland seiner Eltern: die Demokratische Republik Kongo. Wegen politischer Instabilitäten unter Herrscher Mobutu - die Demokratische Republik Kongo heißt damals noch Zaire - entschließt sich Familie Makela, das Land zu verlassen, und zieht 1989 in den Pariser Stadtteil Seine-Saint-Denis, dem département mit der höchsten Migrationsdichte von Paris. Ein Umfeld, geprägt vom täglichen Struggle, als Migrant in einer neuen Heimat Fuß zu fassen. Den Stress kanalisieren die Jugendlichen durch Musik. Die Hip Hop-Bewegung erfasst Frankreich, allen voran Paris, und auch Richard Makela findet in dem Genre seinen Platz.

Mit der Rap-Truppe Menage À Trois unternimmt er erste musikalische Versuche und engagiert sich sogleich politisch. Es folgen einige Compilations, die sich den rechten politischen Rand zum Ziel machen. Sein Debüt "Au Commencement" 1997 und der Nachfolger "Mission R" (1999) festigen Monsieur Rs Stellung in der Pariser Szene. Von den Erfolgen NTMs oder gar der Marseiller Crew IAM ist der Rapper jedoch weit entfernt. Mit der Veröffentlichung von "ANTICONstitutionnellement" im Jahr des Millenniums verschärft Monsieur R seine politischen Attacken und zieht gegen Frankreichs Regierung in den verbalen Krieg. 2004 treibt Album Nummer vier "Politikment Incorrekt" diese Fehde auf die Spitze. Das Album erregt neben Auftritten von Ol' Dirty Bastard, Mobb Deeps Prodigy, KRS-One und Akon, vor allem mit seinen klaren Worten Aufsehen. Auf dem Track "FranSSe" vergleicht er nicht nur Frankreich mit Nazi-Deutschland, sondern schießt oben genannte Raps in Richtung des Amtsitzes Jaques Chiracs.

Gäbe es nicht eine stetig wachsende Fangemeinde - die Raps Monsieur Rs wären nie an die Ohren der um Recht und Ordnung bemühten Abgeordneten gedrungen. "Politikment Incorrekt" verkauft sich jedoch erfolgreich, und irgendwann stößt der UMP-Parlamentarier Daniel Mach auf das Video zum Track. Dort sieht er TV-Auftritte seines Präsidenten Chirac neben Aufnahmen von Massakern der französischen Armee in der ehemaligen Kolonie Elfenbeinküste. Monsieur R spuckt dazwischen seine Anschuldigungen in die Kamera, neben ihm barbusige (weiße!) Stripperinnen, die sich die französische Flagge über die prallen Körper reiben.

Daniel Mach ist entsetzt und überzeugt 200 weitere Parlamentarier davon, dass Monsieur R nebst den Rappern Smala, Fabe, Salif und den Crews 113, Lunatic und Minister Amer, für die gewalttätige Stimmung unter Frankreichs Jugendlichen verantwortlich ist. Mit einem anderen konservativen Abgeordneten - François Grosdinier - reicht er beim obersten Gericht Klage ein und bezichtigt die Rapper des Sexismus, der Gewaltverherrlichung und der ungehörten Respektlosigkeit gegenüber des Landes, das ihnen Heimat sein sollte.

Monsieur R tut einen Teufel, sich zu verteidigen. Vielmehr greift er die Politiker direkt an. Es sei nicht das französische Volk, von dem er spreche, es ist die Führungsriege des französischen Staates. Während Sarkozy Lösungsmöglichkeiten mit Kärcher-Reinigern ausloten, um dem Problem der brennenden Vorstädte Herr zu werden, kümmert sich Daniel Mach vor Gericht um die rappenden Feinde. Für ihn liegt nahe, dass die Texte und die Eskalation der Gewalt etwas miteinander zu tun haben. Zumal Monsieur Rs Départment Seine-Saint-Denis mit über 3000 Verhaftungen und 9000 brennenden Autos zum Zentrum der Unruhen avanciert.

Mach scheitert jedoch. Die Justiz spricht Monsieur R frei. Die Begründung der Klage - akute Jugendgefährdung - ist nicht berechtigt, weil Daniel Mach keine minderjährigen Kinder habe und somit - aus Mangel an Eigeninteresse - nicht klageberechtigt sei. Die Inhalte der Texte und des Videos fallen außerdem unter die künstlerische Freiheit. Verteidigt hatte Monsieur R der Anwalt, der bereits ein Jahr zuvor die Rap-Crew Sniper vor einer Verurteilung nach einer Klage von Innenminister Nicolas Sarkozy bewahrte.

Die Wogen sind in Folge nur oberflächlich geglättet. Nach einer verheerenden Schadensbilanz brennen bis zum Sommer 2006 keine Autos mehr in den quartiers sensibles in Paris. Auch nach der Abweisung der Klage hat sich die französische Politik wichtigeren Dingen zugewandt - 2007 steht die neue Präsidentschaftswahl an. Monsieur R hat das Kriegsbeil jedoch noch lange nicht begraben. Im Sommer veröffentlicht er sein "Black Album 2006" und bleibt in Wortwahl und Themen deutlich wie eh und je.

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