laut.de-Kritik

Solider Versuch einer "Back to the roots"-Platte.

Review von

Es ist das Ende eines Kapitels und zugleich ein Neuanfang. Nach neunzehn gemeinsamen Jahren verlässt Gustaf Norén, zweiter Sänger und Gitarrist, die Band im Sommer 2015. Was tun, wenn eines der treibenden Räder in der Maschinerie plötzlich fehlt? Man baut alles neu. Oder aber, man findet sich damit ab, nimmt ein Stocken und Stottern in Kauf, und lebt mit der Lücke. Mando Diao stecken mit ihrem achten Werk "Good Times" irgendwo dazwischen.

Sänger Björn Dixgård haderte ein wenig nach dem Ausstieg seines Bandkollegen, doch schnell manifestierte sich der Entschluss, das Beste aus dem Verlust zu machen: "Wir lieben diese Band, sie ist für uns wie eine große Familie. Weiterzumachen war für uns die einfachste Entscheidung der Welt." So vertritt nun Jens Siverstedt, ein guter Freund von Dixgård, die Position als Gitarrist. Eine zweite Stimme ist nicht vonnöten, ist es doch hauptsächlich Dixgårds markanter Gesang, der die Herzen der Fans schneller schlagen lässt. Sorry, Gustaf.

Im Sommerhaus des neuen Gitarristen auf der schwedischen Insel Gotland rauft sich die Band wieder zusammen. Es herrscht Klassenfahrt-Stimmung, die Jungs trinken Bier, jammen ohne Ziel, und schlafen aus. Zum ersten Mal beteiligen sich alle Mitglieder der Band am Songwriting. Zur neuen Kelly Family mutieren sie in der Abgeschiedenheit glücklicherweise nicht.

Als "Back to the roots"-Platte deklariert, erfüllt "Good Times" das Versprechen in Hinblick auf "Aelita", dem synthesizerbepackten Vorgänger vollkommen. Mit Blick auf Mando Diaos restliches Repertoire hingegen, wirken Songs wie "Dancing All The Way To Hell" und die Single "Shake" wie ein missglücktes Klonexperiment ihres Hits "Dance With Somebody" von der 2009er-Platte "Give Me Fire!".

In dieselbe Kategorie könnte man den Titeltrack packen. Dieser schafft es allerdings nach den ersten gezupften Basstönen, sich selbst von der Recyclingtonne auf die Festivalbühnen zu katapultieren. Ein langgezogenes, brachiales "Ohh!" leitet den Refrain ein und kreiert eine Hymne fürs Weitermachen: "Good times, you know I keep doing it / No means no / No means, you know I keep doing it."

Dabei fängt das Album mit dem Opener "Break Us" erschreckend pathetisch an. Björn begrüßt uns mit verhaltener Stimme am Klavier, und präsentiert eine Powerballade. Zeilen wie "When the lights go out, I will hold you tight" sind Kitsch pur und dann doch enttäuschend. Aufgeweckt wird man glücklicherweise vom darauffolgenden Track "All The Things", der mit den typisch treibenden Mando Diao-Drums und hervorpreschenden Gitarren überzeugt. "You got me fucked up, stripped down to my bones, but I'm breathing" - eine klare, energische Ansage für die Tanzfläche.

Auch das pulsierende "Money" macht gute Laune, hört sich nach Sommer an und kommt mit Funk-Elementen daher. In die gleiche Kategorie fällt "One Two Three". Dazwischen streuen sie die melancholischen Songs "Brother" und "Hit Me With A Bottle". Bei letzterem kommt wenigstens noch eine Art Lagerfeuerstimmung auf, trotzdem erfordern die beide Songs Durchhaltevermögen - gerade was die teils kitschigen Lyrics anbelangt.

Am prominentesten wirkt der Disco/Soul-Einfluss auf den letzten Songs der Platte. "Voices On The Radio" klingt wie etwas, dass man beim erstmaligen Hören noch ganz okay findet, danach schießt der Nerv-Pegel allerdings rapide in die Höhe. In "Without Love" flüstert der Sänger "It's gonna get better, that's for sure my love, I promise", die Instrumentierung erinnert überraschenderweise sehr an Boney M. Ein typischer Radiotrack Ende der 70er, stilecht mit Fade-Out.

So markiert "Good Times" eine solide Platte, mehr aber auch nicht. Wenigstens hatten die Jungs bei der Entstehung dieser Platte viel Spaß - den man manchen Songs auch anhört. Einige gute Lieder fürs Radio, die Tanzfläche und für den Festivalsommer sind definitiv dabei.

Trackliste

  1. 1. Break Us
  2. 2. All The Things
  3. 3. Good Times
  4. 4. Shake
  5. 5. Money
  6. 6. Watch Me Now
  7. 7. Hit Me With A Bottle
  8. 8. Brother
  9. 9. Dancing All The Way To Hell
  10. 10. One Two Three
  11. 11. Voices On The Radio
  12. 12. Without Love

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