Porträt

laut.de-Biographie

Mach One

"Hip Hop ist tot? Echt? Wann wird der Torch denn beerdigt?" Nee, nee. So lange Mach One noch röchelt, so lange ist Hip Hop quicklebendig.

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Auch wenn der kommerzielle Erfolg hartnäckig auf sich warten lässt: Mach One zählt zu den Urgesteinen der Berliner Rap-Szene und gehört zu Kreuzberg wie die allgegenwärtigen Tags an den Häuserwänden. Dabei beginnt der Lebensweg Mach Ones im Osten der Stadt.

Hier kommt er am 5. April 1979 mit dem eigentlich auch schon schlagkräftigen Namen Christoph Bodenhammer zur Welt. Sein Vater, der später preisgekrönte Lyriker Uwe Kolbe, fühlt sich der Verantwortung zunächst nicht gewachsen, tritt erst nach Jahren wieder ins Leben seines Sohnes. Die Mutter zieht ihr Kind alleine groß.

Als er acht Jahre alt ist, siedelt die Familie in den Westteil der Stadt über, landet in Kreuzberg. "Erst hier stellte ich so richtig fest, dass ich offensichtlich Deutscher bin", so Mach One im Interview mit dem Juice-Magazin.

"Die Türken und die Araber im Kiez hielten alle zusammen. Plötzlich war ich in fremder Umgebung ganz auf mich alleine gestellt ... Ohnehin wurde man als blonder Junge in Kreuzberg auch mal einfach so angespuckt, damals, als Gangs wie die 36 Boys plötzlich Wellen schlugen."

Keine einfache Situation. Mach One sucht sein Heil im Zurückschlagen. "Ein beschissener Kreislauf", wie er später einsieht. Glücklicherweise tun sich aber noch andere Ventile auf, um Druck abzulassen: Schon in der vierten Klasse beginnt er, sich für Graffiti zu interessieren. Über die Jahre erarbeitet sich Mach One einen festen Status in der Writer-Szene der Hauptstadt und setzt sich hier auch für die Nachwuchsförderung ein.

Mach One - M.A.C.H.
Mach One M.A.C.H.
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Über Graffiti findet er zu anderen Disziplinen des Hip Hop: Er freestylet, beginnt später, zusammen mit Kollegen Akte One zu rappen und interessiert sich zudem fürs Basteln von Beats. Als Duo Die Lätzten gehen Akte One und Mach One gemeinsam an den Start, nehmen erste Mixtapes auf.

Ein gemeinsamer Bekannter stellt Mach One und seinen Achtspur-Rekorder Frauenarzt vor, der gerade einen Produzenten für ein Hip Hop-Tape sucht. Gemeinsam heben sie zusammen mit Manny Marc und King Orgasmus One das Label Bassboxxx aus der Taufe. Mach Ones Wohnung, "Das Lätzte Loch", mutiert zur Operationsbasis.

Ein mehrwöchiger Gefängnisaufenthalt - der Vorwurf lautete auf organisierten Bandendiebstahl und Sachbeschädigung, klar, im Zusammenhang mit Graffiti - markiert 2002 einen Karriereknick. Die Behörden beschlagnahmen Mach Ones Rechner. Er dauert einige Zeit, bis er Ersatz-Equipment auftreibt. Die Bassboxxx-Tage scheinen gezählt. Zusammen mit Darn, Isar und B-Lash gründet Mach One das neue Label Adrenalin Musik.

2005 veröffentlicht er den ersten Teil einer als Trilogie angekündigten Reihe: "Das Meisterstück Vol. 1 - Guter Rap Gedeiht Im Dreck" geht trotz positiven Feedbacks im herrschenden Gangsterrap-Bohei rund um Aggro Berlin weitgehend unter.

Das kratzt Mach One allerdings weit weniger als ein Zwischenfall, der ihn im Jahr darauf um ein Haar das Leben kostet. Er gerät in eine Auseinandersetzung zwischen offensichtlich handfest rivalisierenden Crews, die die Gegenseite mit aus einem Abstellraum am U-Bahnhof Schlesisches Tor entwendeten Schaufeln und Besen und wohl auch mit einem mitgebrachten Messer zu klären versucht.

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Mach One kassiert mehrere Messerstiche, darunter einen, der die Lunge durchbohrt, und landet lebensgefährlich verletzt auf der Intensivstation. Körperlich erholt er sich wieder, doch der Knacks bleibt. "Die erste Zeit stand ich völlig unter Schock", erklärt er der Juice. "Ich hatte Schiss, in Kreuzberg rumzulaufen."

Auch künstlerisch fühlt er sich blockiert: "Noch lange nach dieser Nacht schien das das Einzige zu sein, über das ich schreiben konnte." Entsprechend lässt die Fortsetzung der "Meisterstück"-Reihe auf sich warten. Immer wieder angekündigt, veröffentlicht Mach One entweder nichts oder aber diverse Kollabo-Projekte, darunter "Rap Aus Berlin" zusammen mit King Orgasmus One.

"Fast hätte ich die musikalische Aktivität endgültig an den sprichwörtlichen Nagel gehängt", diktiert er Herrn Merkt in dessen Blog. "Ein erstaunlich gut besuchtes Konzert, veranstaltet von meinem geschätzten Kollegen Gris, konnte mich dann aber doch noch von der Notwendigkeit eines weiteren Mach One-Albums überzeugen."

Das Vorhaben, alle Fäden in der Hand behalten zu wollen, hat Mach One inzwischen aufgegeben. Er holt sich Hilfe bei Produktion und Arrangements. Sein langjähriger Back-Up-MC, Manager und Booker Moe, als D-Moe einst Sänger der Band HBL, steigt in das Projekt Mach One ein, "als vollwertiges Mitglied", wie Mach One betont.

"Meisterstück 2: Rock'n'Roll" kommt, als kaum noch jemand damit gerechnet hat, 2012 doch noch und trägt seinen Titel - mit Ausnahme des Rock'n'Rolls vielleicht, mit Fug und Recht. Einen einzigen Gast begrüßt Mach One da am Mikrofon: "Ich habe Taktloss auf der Featureliste. Wen brauche ich denn da noch?"

Selbst ernste Themen - wie seine Verletzung - handelt Mach One einfalls- und variantenreich und mit Augenzwinkern ab. Für den Nachfolger braucht er nicht mehr ganz so lange: Das schlicht "M.A.C.H." betitelte Werk steht schon im Frühjahr 2014 bereit.

Das Motto, das Mach One Jahre zuvor rap4fame im Interview steckte, gilt nach wie vor: "Ich finde, Humor macht jedes Thema erträglich."

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Mach One - M.A.C.H.: Album-Cover
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  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2014 M.A.C.H.

Kritik von Dani Fromm

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