Porträt

laut.de-Biographie

Klingonz

Seit jeher brodelt und köchelt es auf den britischen Inseln. Ob das nun am mangelnden Kontakt zum Festland liegt oder daran, dass der Alkoholkonsum noch vor 11pm auf seinen vorzeitigen Höhepunkt gebracht werden muss; eines steht fest: Die "Not" dort macht erfinderisch.

Anfang der 80er setzen sich die Briten gerade erst schnaubend mit Scharen von Punks auseinander, da siedet im Innern schon wieder ein neues Süppchen. Inmitten dieser "gehypten" Szenerie macht sich bei einigen der Überdruss an massenhaften politischen Punk-Statements breit. In solch einer Atmosphäre entstehen Bands, die unverblümt wieder Punk'n'Roll, Spaß und Alkohol in den Mittelpunkt rücken. Mit Bands wie The Meteors und Demented Are Go bekommt diese Szene ein neues Gesicht. Der Knoten ist geplatzt, und viele weitere Psychobilly-Combos gründen sich.

Wie im Psychobilly-Bilderbuch finden so auch die Klingonz zueinander. Während ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Trinken, stoßen sie ausgerechnet auf dem Festland aufeinander. Da sich das Leugnen nicht länger lohnt, stellt sich anhand ihrer Frisuren schnell heraus, dass ihre wahre gemeinsame Herkunft ein anderer Planet sein muss. Titch, Doyley und Mocker (seinerzeit in Dublin gelandet) lernen so 1988 auf einem belgischen Festival den "Schotten" Strangy kennen. Der Draht, beziehungsweise in diesem Fall die "Antenne" zueinander stimmt sofort, und der Countdown zur Invasion der Erde kann unter dem Line-Up Titch (Gesang), Doyley (Gitarre), Mocker (Schlagzeug) und Strangy (Kontrabass) beginnen.

Zum Auftakt ihres Anschlags veröffentlichen sie 1988 die Platte "UUUUrrrnnchk! Psychos From Beyond". Allein schon Carl Perkins' "Blue Suede Shoes" legen auf dieser Platte solch ein Höllentempo vor, dass ihr eiliger Durchmarsch unaufhaltsam erscheint. Der Auftakt ihrer Invasions-Tour durch Europa und Japan findet 1988 im legendären Klubfoot in London mit den Guana Batz statt (Diese versichern glaubhaft, von der tatsächlichen Gefahr dieser außerirdischen Freaks nichts gewusst zu haben!). Die Songs der Klingonz sind dabei größtenteils inspiriert durch heftiges Trinken und zu viel Fernsehen. Aber die Aliens gewöhnen sich schnell an das menschliche Leben, vor allem die Trinksitten von Klingonen und Menschen weisen offensichtlich mehr Parallelen auf, als es zunächst den Anschein hatte.

Ohne Zeit zur Gegenwehr attackieren die Klingonz 1989 die Erde mit ihrem zweiten Album "Blurb", das mit dem Dead Kennedys-Cover "Too Drunk To Fuck" auch Leute überzeugt, die mit Jello Biafras Stimme ansonsten nicht viel anfangen können. Eine legère Zusammenstellung von Stücken, wie "Werewolf Boogie" und "How Long Do You Want To Live" ist für jeden was, der es eilig hat. Allerdings bieten Tracks wie "Sesame Street" auch Gelegenheit, um zwischendurch mal kurz Luft zu holen. Aus beiden Platten wird später die "Best Of" hervorgehen.

Durch geschickte Vorgehensweise planen die Klingonz in der Folge auch andere Bands zu unterwandern. So verlässt Strangy 1990 die Band und schließt sich den Numbskulls an. Für ihn kommt der nichtsahnende Eddie von Demented Are Go an den Slapbass und wird gleich für acht Jahre von den Klingonen assimiliert. Neben unzähligen Compilation- Beiträgen spielen sie mit diesem halsbrecherischen Line-Up weitere 4 Alben ein. Die EP "Klingstomp"(1991) sowie die Longplayer "Flange"(1991), "Jobot"(1992) wie auch "Böllöx"(1994) werden, wie schon die Vorgänger, auf Fury Records veröffentlicht.

1997 beschließt Doyley, die geplante Invasion großräumiger anzulegen. Nachdem er sich bereits ab und an unter Bands wie The Highliners oder The Deltas gemischt hatte, tut er sich nun auch wieder mit Strangy zusammen. Im Intrepid Fox in Soho beschwatzen Strangy und Doyley den ahnungslosen Barkeeper Skum aus Brisbane und gründen die bis heute bestehenden Celtic Bones.

Währenddessen versuchen die restlichen Klingonz, den Phantom Rockers-Gitarristen Mick auf ihre Seite zu ziehen. Doch dieser stellt sich als inkompatibel heraus, und die Klingonz spielen ihr vorläufig letztes Konzert 1998 auf dem 11. Big Rumble bei Norwich. Mit ihrer vorläufigen Auflösung beabsichtigen die Klingonz, die Menschheit lediglich in Sicherheit zu wiegen, denn ihre Invasionspläne haben sie längst nicht aufgegeben. Neue Eroberungszüge schmieden sie im Hinterzimmerchen, lediglich über den Angriffszeitpunkt schweigen sich die Klingonz beharrlich aus.

Die restliche Besetzung versucht sich derweil unter dem Namen Looper, während sich Strangy und Doyley in getarnten Aktionen zeitweise unter Demented Are Go (welche allerdings keine Unterwanderung nötig hätten!), Mad Sin und die Dead Kings mischen. Im Demented Are Go-Sänger Sparky scheinen sie einen weiteren Verbündeten gefunden zu haben, und so gründen sie mit ihm und Stan (Ex-Demented Are Go) zusammen das Projekt Demented Scum Cats.

Eine neue Großoffensive der Klingonz ist schon seit geraumer Zeit geplant, und Mitte 2002 werden Gerüchte laut, eine weitere Platte der unerschrockenen Weltraumkrieger drohe die Erde zu attackieren! Nach langem Zittern und Bibbern erscheint 2003 die neue 16-Track CD "Up Uranus" auf deutschen Label Crazy Love Records. Sie enthält versteckte Botschaften, die die treue Gefolgschaft zur anstehenden Tour der Klingonz pilgern lassen werden. Und als sei dies nicht genug, unterstützen Doyley und Strangy nun auch offiziell mit Gitarre und Slapbass Demented Are Go.

Alben

Klingonz - Up Uranus: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2003 Up Uranus

Kritik von Susanne Schmid

Die Psychobilly-Klingonen nehmen die Lauscher unter Beschuss. (0 Kommentare)

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