Porträt

laut.de-Biographie

Jeb Loy Nichols

Der Singer/Songwriter und gelernte Grafik-Designer Jeb Loy Nichols wird im US-Staat Wyoming geboren und wächst in Missouri auf. Als Kind lauscht er mit Begeisterung einem in Kansas City ansässigen Radiosender, der tagsüber Country und abends Soul spielt. Seine musikalischen Sozialisierung setzt mit Hank Williams, Bobby Womack, Als Green und Curtis Mayfield ein, was seinem musikalischen Schaffen, das Country, Soul, Pop und Reggae kombiniert, deutlich anzuhören ist.

Jeb Loy Nichols - Days Are Mighty Aktuelles Album
Jeb Loy Nichols Days Are Mighty
Entspannter Soulpop mit Country-Anleihen und viel Herz.

Als Teenager zieht er zuerst nach Austin, wo seine Leidenschaft für Punk und Reggae erwacht, in den späten 70er Jahren nach New York. In den frühen 80ern verlässt er den Big Apple, um sich in London niederzulassen, wo er gemeinsam mit der befreundeten Neneh Cherry, dem Produzent Adrian Sherwood und Ari Up von den Slits ein Haus bewohnt.

Inmitten dieses Künstlerkonglomerats gründet Jeb Loy mit Joe Brack die Fellow Travellers, die vorwiegend Countryklassiker, Protestlieder und Bluegrass spielen. Neben seiner Frau Loraine Morley komplettieren der Jazzposaunist John Harbourne und Martin Harrison diese Band. Schon der Name offenbart die politische Gesinnung dieser Combo, in den 30er Jahren werden die Sympathisanten der Kommunistischen Partei in den USA als "Fellow Travellers" bezeichnet. Neben ihren politisch motivierten Lyrics zeichnet sich die Band durch ihren progressiven countryesken Sound aus, angereichert mit Dubelementen. Gesanglich prägen Morley und Nichols diese Musik. Das kleine, in Columbia, Ohio ansässige Label Okra Records wird 1990 auf die Fellow Travellers aufmerksam und bietet ihnen schließlich einen Plattenvertrag an. Der Veröffentlichung "No Easy Way" (1990) folgen "Just A Visitor" (1992), "Things & Time" (1993), "Love Shines Brighter" (1994) und A Few Good Dubs" (1995). Das amerikanische Spin Magazine beschreibt sie als die "einsamen Kinder von Merle Haggard, Bob Marley und Karl Marx".

Jeb Loy Nichols' Solo-Karriere beginnt 1997 mit der Veröffentlichung des Albums "Lover's Knot" auf Capitol Records. Dieses ambitionierte Werk, das eigenwillig Soul, Folk und Reggae zusammenführt, ist in Nordamerika ein kommerzieller Misserfolg und wird nach kurzer Zeit vom Markt genommen, während in Deutschland die Fangemeinde stetig wächst.

Bei Rykodisk Records findet Jeb Loy schließlich eine neue Heimat und genießt alle musikalischen Freiheiten. Das zugänglichere, soullastige Werk "Just What Time It Is" erscheint im Jahr 2000. "Ich denke, dass dieses Album eine ausgereifte, gute Popscheibe geworden ist", kommentierte er die Platte.

Das Jahr 2000 bringt zudem private Veränderungen mit sich. Jeb Loy und seine Frau ziehen nach Wales, wo sie ein abgelegene Farm bewohnen und die Selbstversorgung den Lebensmittelpunkt darstellt. Einen Großteil der Nahrungsmittel bauen sie selbst an, erzeugen eigenen Strom und heizen das Haus mit Holz. "Ich bin sicher, dass ich irgendwann wieder wegziehen werde" bemerkt Nichols. "Aber nicht sofort, momentan fühlt es sich fast wie ein Zuhause an."

2002 erscheint sein drittes Solo-Album auf Rykodisk, dem 2005 "Now Then" aus dem Hause Tuition folgt, das er im Studio von Mark Nevers (Lambchop) in Nashville aufnimmt. Der Titel und das mit einem Holschnitt selbst gestaltete Covermotiv - das einen sich in zwei Richtungen wendenden Kopf zeigt - stehen symbolisch für seine musikalische Herangehensweise.

"Nun, der Titel ist der Versuch, das Album in zwei Worten zusammenzufassen. Ein Album, das zwar zurückblickt, aber dennoch keine Retro-Scheibe sein will, sondern vielmehr eine moderne." Mit seiner Synthese der Genres gelingt ihm das auf "Now Then" bestens.
Neben Loraine Morley wirken unter anderem einige Musiker des Kollektivs Lambchop sowie der Soul-Veteran Dan Penn auf der Scheibe mit.

2007 veröffentlicht Jeb Loy Nichols mit "Days Are Mighty" sein bisher intimstes und entspanntestes Werk, das fast gänzlich auf Reggae-Einflüsse verzichtet. Es ist die persönliche Schilderung eines schlichten Lebens am Rande der Gesellschaft, mit allen Höhen und Tiefen.

"Sicher, es ist alles da. Aber es ist auch schön. Es ist einfach. Es ist direkt. Es ist wie die Bluegrass-Platten, mit denen ich aufgewachsen bin. All diese wunderbaren Harmonien, die Songs über den Tod singen. Ich wollte ein tolles Album machen. Ein warmes Album. Aber ich wollte, dass es von Dingen handelt, mit denen ich tagtäglich zu tun habe. Ich habe mit Bedauern zu tun, mit dem Alter, mit Enttäuschung, mit dem Scheitern der Gesellschaft, anständig zu sein."

Jeb Loy Nichols ist immer auf Spurensuche und so verwundert es kaum, dass er sich mitverantwortlich zeigt für die Veröffentlichung der 2005 gestarteten Compilations-Reihe "Country Got Soul", auf der sich Künstler wie Tony Joe White, Townes van Zandt oder Eddy Hinton mit ihren Umsetzungen des Country-Soul zu Wort melden.

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