laut.de-Kritik

Politisches Album vom Manic Street Preachers-Sänger.

Review von

Nachdem vor kurzem Thom Yorke sein Solodebüt präsentierte, kommt nun auch Manic Street Preachers-Gentleman James Dean Bradfield einsam zu Wort. "The Great Western" heißt seine Soloplatte, und hier spielen vor allem die vorwiegend politischen Texte eine massive Rolle.

Eigentlich wollte James niemals etwas ohne seine Band veröffentlichen. Die Manics sind allerdings bekannt dafür, öfter mal den Schwur zu brechen, schließlich haben sie sich auch nicht, wie vor 15 Jahren angekündigt, aufgelöst, nachdem sich "This Is My Truth Tell Me Yours", millionenfach verkaufte. Tja, so sind sie, die Inselbewohner, die ändern schon mal oft und gerne ihre Versprechen. Wie dem auch sei, Bradfield schafft es nicht, ohne Musik zu leben, und so nutzt er die zweijährige Schaffenspause seiner Hauptband kreativ für seine ganz individuellen Eigenblüten.

Die Singleauskopplung "That's No Way To Tell A Lie" erläutert gleich zu Beginn Bradfields kritischen Standpunkt gegenüber Religionsorganisationen, die u.a. nichts gegen den AIDS-Virus unternommen haben. Ein zynischer Shalalala-Chorgesang macht den inhaltlich ernsten Opener zum Tanzvergnügen, das die Hände zwangsneurotisch zum Klatschen animiert. Die Dramatik wirkt hier eher verschleiert. Überhaupt löst sich Herr Bradfield von den sonst so melancholischen Manics-Akkorden. Powerpop mit tanzbaren Rockrhythmen ( Bad Boys And Painkillers) sind hier zu vernehmen, die sich natürlich nicht weit vom schmachtenden Britgeheule entfernen.

"An English Gentleman" ist ein bewegender Tribut an den Freund, Verleger und Mentor Philip Hall, der 1993 verstorben ist und dem mit diesem Song wohl für die Ewigkeit ein Bewunderungsdenkmal gesetzt wurde. Mehr und mehr wachsen die Stücke zu jubelnden Hymnen heran ("On Saturday Morning We Will Rule The World") und erinnern immer wieder an die 70er Jahre und ihre Rockköniginnen. Der Griff zur Glamourkutte scheint ein Muss zu sein, so bald man sich von seinen Musikerkollegen erholt. Jack White bewies seinen Nostalgiehang zur Rocksau schließlich auch mit seinem eher schlimmen Nebenprojekt The Raconteurs.

Die Monster-Drum-Passagen von Run Romeo Run" wurden von Super Furry Animals Schlagzeuger Daf Ieuen schlagfertig eingespielt. Ah, und dann drückt doch noch mal die Tränendrüse zur Mitte hin. "Still A Long Way To Go" säuselt zwischen dem Rockstar James Dean aus dem Westen Londons und dem Working-Class-Jungen aus dem walisischen Blackwood. Bevor "Émigré" wieder den Uh-La-La-Trumpf herausholt und spätestens jetzt Bradfields charakteristische Stimme in himmlische Manics-Sphären katapultiert. Eine gelungene Coverversion, die im Original von Jacques Brel gesungen wurde, ist "To See A Friend In Tears", die James in eine akustische Engtanzmelodie umsetzt und zu seinem ganz persönlichen Liebling erklärt.

Einen gewissen Hang zur Esoterik merkt man dem Album auf jeden Fall an. Die finale Inspiration erhielt James dabei u.a. aus John Cales Soloprojekt "Paris 1919". Dort verliert man sich so schön in den verwirrten Stücken, und der düstere Ton gibt die Musik an, so der schwärmende Bradfield. Und darüber hinaus zeigt "The Great Western" eine starke Verbindung zu seiner Vergangenheit in Wales. Hoch- und Tiefpunkte in walisischer Euphorie und Traurigkeit. Letztendlich macht es ihn aber einfach glücklich, wenn er die Zeile " Words and Music by James Dean Bradfield" auf dem Cover liest. Das tut dem Selbstbewusstsein unglaublich gut.

Trackliste

  1. 1. That's No Way To Tell A Lie
  2. 2. An English Gentleman
  3. 3. Bad Boys And Painkillers
  4. 4. On Saturday Morning We Will Rule The World
  5. 5. Run Romeo Run
  6. 6. Still A Long Way To Go
  7. 7. Emigre
  8. 8. To See A Friend In Tears
  9. 9. Say Hello To The Pope
  10. 10. The Wrong Beginning
  11. 11. Which Way To Kyffin

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