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Würden Sie zwei Typen, die aussehen wie die übelsten Hooligans, Ihre Kinder anvertrauen? Absolut: Hammer & Zirkel, beide gelernte Erzieher, befinden: "Deutschrap ist ein Kindergarten, darum sind wir richtig hier."
"Musik ist unser Leben, und Rap ist die Sprache der Jugend. Wenn ihnen aber die Musik nix mehr zu sagen hat, müssen wir dat machen." Der Kreuzzug gegen Dummheit und Verblödung, auf dem sich die zwei schweren Jungs aus Hohenschönhausen befinden, beginnt auf einer Schule für Erzieher.
"Er saß in der ersten Bankreihe", erinnert sich Zirkel aka Sneezy, der im richtigen Leben eigentlich Patrick heißt, im Interview mit rap2soul.de. "Zuerst ging es gar nicht um die Musik, sondern nur um den Humor. Das erste Mal, als wir zusammen saßen, sind wir auch gleich von der Lehrerin rausgeworfen worden. Wir haben so gelacht, wir sind direkt rausgeflogen."
Georg 'G-Fu' Brehmer, später Hammer, ergänzt: "Das war die beste Ansage. Als ich einen lustigen Spruch gemacht habe. Die Lehrerin zur Klasse: 'Wollen wir darüber nun wirklich lachen – ich denke nicht.'"
Sneezy und G-Fu lassen sich das Lachen nicht verbieten. Neben dem gemeinsamen Sinn für Komik entdecken sie bald weitere Gemeinsamkeiten: ein Faible für gutes und reichliches Essen zum Beispiel - und natürlich Hip Hop.
In ihren Anfangstagen, etwa um die Jahrtausendwende, versuchen sich beide gleichermaßen an Mikrofon und Mischpult und treiben sich auf Freestyle-Sessions herum. Mit der Zeit kristallisieren sich die jeweiligen Stärken heraus: G-Fu bleibt beim Rappen, während das Mischpult Sneezys Revier wird.
Die Tätigkeit als Erzieher fällt dabei keineswegs unter den Tisch: G-Fu arbeitet mit Krabbelgruppen im Kindergarten, während Sneezy sich in einer Betreuungseinrichtung um Sechs- bis Sechzehnjährige kümmert. Die Musik möchte man aus der Erziehertätigkeit jedoch raushalten.
Umgekehrt sieht das schon etwas anders aus: Mit der Musik will man durchaus erzieherisch tätig werden: "Was wir erreichen wollen, dat schaffen wir auch", diese Überzeugung prügeln die beiden Schwergewichte gnadenlos in die Ohren ihrer Zuhörerschaft. Zudem werden die eigenen Wampen gefeiert, die ostdeutsche Herkunft zelebriert und überhaupt die oft untergegangenen Werte Menschlichkeit und Spaß (vor allem der!) zurück in den deutschen Rap gedroschen.
Das eigene Ossitum manifestiert sich in den neuen Bühnennamen: G-Fu und Sneezy bedienen sich bei den Symbolen der Flagge der DDR und nennen sich fortan Hammer & Zirkel. "Wir tragen die ostdeutsche Mentalität und die Erziehung, die uns unsere Eltern mitgegeben haben, in uns. Natürlich steht der Name auch für das Label Plattenbau Ost. Das ergibt ein gutes Sinnbild für die ganze Schoose", so die Erklärung auf rap.de.
Mit Joe Rillas Label Plattenbau Ost kommt das Duo etwa 2006 in Kontakt: Nach langem Ringen hat man ein Mixtape fertig gestellt, Rilla soll es mischen und mastern. Der zeigt sich jedoch als empfänglich für die geballte Charmkeule und bietet Hammer & Zirkel gleich einen Plattendeal an.
Er will unbedingt beide Herren haben; denen kommt das nur entgegen: "Wenn wir einen Vertrag unterschreiben, dann nur zusammen." Der neue Boss ist dann auch schuld daran, dass es lange kein greifbares Lebenszeichen gibt: "Joe Rilla meinte irgendwann, das Mixtape ist super, ihr macht jetzt aber lieber ein Album."
Zwei Jahre feilen Hammer & Zirkel daran. Hammer absolviert unterdessen Feature-Parts bei Rilla und Manuellsen. Gemeinsam sind Hammer & Zirkel auf der DVD "Feuer Über Deutschland 3" zu sehen, beschallen ausgiebig die Jugendmesse YOU und leisten ihren Beitrag zum Benefiz-Sampler "Deutschlands Vergessene Kinder".
Ende Oktober 2008 ist dann auch der eigene Longplayer fertig und glänzt mit Gastauftritten von B-Tight, Abroo, Rilla selbst, der auch ein paar Beats beisteuert, und dem durchgeknallten Einmann-Gespann Marteria/Marsimoto. Der sinnige Titel des Erstlings: "Musik Ist Unser Leben Darum Werden Wir Erzieher".
Zwischen etlichen Mixtapes zum kostenlosen Download gabeln Hammer & Zirkel Anfang 2009 DJ Tracksau auf, fortan als das "&" im Crew-Namen mit unterwegs. Der nächste Longplayer "Wir Sind Freunde Und Darum Machen Wir Musik" macht 2010 auch die Mütter der Herren stolz, wie das Cover-Artwork zeigt.
Für das Cover von "Sex Sells" müssen Hammer, Zirkel und DJ Tracksau 2012 dann aber bei aller Mutterliebe doch selbst die Hosen runter lassen.
Deutlich über 500 Pfund geballte Ausdruckskraft haben eine Mission: "Die Leute sollen mal ihren Stock aus dem Arsch ziehen und ein bisschen freundlicher sein. Es sind nicht alle Gangster, nur weil sie so tun."
Die Berliner Rapper über Schönheitsideale und den Kindergarten Hip Hop.
Wenn im Deutschrap-Sandkasten die Fetzen fliegen, kratzt das Hammer & Zirkel nicht die Bohne. Als Frontarbeiter haben die beiden Ostberliner schon Schlimmeres gesehen. Den Spaß lassen sie sich davon aber nicht verderben, im Gegenteil. Ein Anruf beweist: Im Plattenbau brennt noch Licht.
Trau' keiner Fassade. Der erste Eindruck täuscht. Konfrontiert mit Hammer & Zirkel denkt wohl niemand spontan an seine Kindergartentante zurück - eher an die Hools aus der nächst gelegenen Fankurve. Weit, weiter, am weitesten gefehlt: Tatsächlich verrichten die beiden Ossi-Schwergewichte tagsüber pädagogisch wertvolle Arbeit. Nach Feierabend geht der Job im Kindergarten Deutschrap weiter.
Am Telefon präsentierte sich das wuchtige Erzieher-Duo vergnüglichster Stimmung, der auch gebündelte technische Unbill nichts anhaben konnte. Die unheilige Allianz aus neuer Telefonanlage, bockenden Lautsprechern und brummenden Freisprecheinrichtungen störte die Herren jedenfalls nicht im Geringsten:
H & Z: So! Wir stehen dir zur Verfügung. Hallo. Hier sind Hammer & Zirkel.
Sehr schön. Ich bin gespannt.
H & Z: (Gelächter) Ja, super.
Wer ist wer? Oder sprecht ihr mit einer Stimme?
H: Nein, wir haben sogar zwei Stimmen. Zu den zwei Köpfen gibts auch zwei Stimmen. Wenn du aufs Cover kuckst, dann siehst du einen Fülligeren im Hintergrund. Das ist der Hammer. Das bin ich.
Z: Und ich bin der, der vorne auf dem ... ähem ... Dreirad sitzt. Ich bin der Zirkel, sozusagen.
Ihr seid beide wirklich Erzieher?
H & Z: Ja, genau.
Was genau macht ihr?
H: Also, ich, der Hammer, bin als Erzieher in der Kita tätig und hab' da 'ne Krabbelgruppe.
Z: Und ich, der Zirkel, bin in einer Erziehungswohngruppe. Man muss sich das so vorstellen: Das sind normale Wohnungen bzw. Häuser, da leben Kinder, die aus ihren Familien rausgenommen worden sind, mit einer Erzieherin zusammen.
Da kriegt man Einiges mit, was?
Z: Äh, ja. Ein paar Sachen vom Leben kann man sich da schon erzählen lassen, auf jeden Fall.
Benutzt ihr das als Inspirationsquellen für eure Texte?
H: Wir habe es jetzt einmal bewusst einfließen lassen. Das war auf diesem "Deutschlands Vergessene Kinder"-Soundtrack, wo wir den Song hatten "Aber Was Können Die Kinder Dafür". Das, was da gerappt wird: Natürlich ist der Name geändert, aber die Geschichte ist wirklich so passiert.
In einem anderen Interview habt ihr gesagt, ihr versucht, den Beruf und die Musik zu trennen. Geht das überhaupt?
H: Natürlich gibts über den Beruf einen gewissen Einfluss, gerade weil man ja auch Kontakt zu Jugendlichen hat. Von daher lässt sich das nicht so genau trennen. Wir versuchen eher, die Musik aus unserem Beruf rauszuhalten. Das heißt, auf Arbeit erzähl' ich nicht, dass ich der Hammer von Hammer & Zirkel bin oder erzähl' von Rapmusik und so, sondern da bin ich der Georg und da bin ich der Erzieher. Fertig.
Umgekehrt benutzt ihr eure Erziehertätigkeit ja schon. In Sprüchen wie "Deutschrap ist ein Kindergarten.." oder Tracks wie "Hollywood" - da kann man durchaus eine pädagogische Absicht heraushören. Oder auch mahnende Zeigefinger hören, wenn man will.
H: Okay ... Wobei wir immer versuchen, den Zeigefinger rauszuhalten. Aber ja. Schon ein bisschen. Es ist schon so, Songs wie "Hollywood" oder auch "Wie Willst Du Ghetto Sein", die haben natürlich schon einen sehr sozialkritischen Touch.
"Deutschrap ist ein Kindergarten." Nicht, dass ich das bestreiten möchte. Inwiefern seht ihr das so?
H: Da machen wir ja auch gerne mit! Wir schließen und da gar nicht aus und sehen uns als etwas Besseres, sondern ganz im Gegenteil! Deswegen sagen wir: "Darum sind wir richtig hier." Spätestens, wenn die ganzen Kinder sich alle streiten und wenns dann eigentlich nur um Kleinigkeiten geht. Weil der eine 'nen Rucksack auf hat, und der andere 'ne gelbe Mütze, darum streitet man sich. Und dann droht man sich gegenseitig. Spätesten da ist der Kindergarten da.
Wie schätzt ihr, quasi als Frontarbeiter, die Lage der Jugend ein? Kann man noch Kinder in die Welt setzen?
H: Wir müssen Kinder in die Welt setzen! Schon allein deswegen, damit es noch genug Kinder gibt, damit wir vielleicht doch noch 'ne Rente bekommen. An sich sollte man wirklich bedenken, dass Kinder eigentlich was Schönes sind. Ich finde, wenn man schon die Frage stellt, "Kann man in dieser Welt Kinder in die Welt setzen?", darüber vergisst man ganz schnell, dass Kinder was Schönes sind, dass sie das Leben wirklich bereichern sollten - und das eigentlich auch tun. Klar, man kann es pessimistisch angehen. Die Welt ist schlecht. Aber am Ende kommt es ja auch darauf an, wie man die Kinder dann wiederum erzieht. Und damit kann man die Kinder nach wie vor, find' ick, noch in diese Welt rinnsetzen.
Ihr seht also bestehende Probleme eher bei den Eltern?
Z: Ja. Schon. Ich persönlich auf jeden Fall. Der Hammer nickt gerade auch. Natürlich, manchmal müssen die Eltern viel arbeiten, aber oft sind sie auch geringfügig motiviert, um mit den Kindern Sachen zu reflektieren oder zu machen oder sich mit ihnen zu beschäftigen. Wir sehen die Problematik da wirklich eher bei den Eltern.
Ist es dann ein Problem der Eltern oder eher eins der Umstände? Zu wenig Geld da, zu wenig Zeit da. Woran hakts?
H: Es wird immer schnell gesagt: "Ja, es ist zu wenig Geld da" und so, ne? Natürlich ist das immer der erste Spruch - und es stimmt ja auch: In die Bildung wird seit Jahren zu wenig investiert. Aber so schiebt man den schwarzen Peter auch immer ein Stück weiter, wenn man es jetzt nur aufs Geld schiebt. Viele Eltern sollten ihr Handeln und Tun, ihren Umgang mit ihrem Kind ein bisschen kritischer reflektieren. Dann kann man da auch ohne viel Geld 'ne Menge tun.
Es lag nahe, dass Joe Rilla und Abroo als Featuregäste auf dem Album auftauchen. Wie entstand aber der Kontakt zu Marteria und B-Tight?
(Getuschel) Z: Na, dann erzähl' mal zu Marteria!
H: Marteria! Es gibt ja das Internet und MySpace, nicht wahr? Da haben wir freudestrahlend einen Comment von dem guten Marteria entgegen genommen, in dem er halt irgendwie schrieb: "Ey ich feier' eure Mucke, überlustig, weiter so!" und Props gab. Wir waren übergeehrt. Haben ihn dann natürlich gleich angeschrieben, wir haben uns gefreut - und so ist der Kontakt entstanden.
Z: Bei B-Tight, da hat uns Joe Rilla damals angerufen, zu dem Videodreh zu "Ich Bins". Da haben wir uns dann sozusagen kennen gelernt und hatten dann immer hie und da mal ein bisschen Kontakt. Dadurch, dass Joe Rilla sehr viel mit den Aggro-Jungs zu tun hat, war ja da der Kontakt sehr naheliegend, sag ich mal so. Wir haben B-Tight die Song-Idee vorgestellt. Er fand das sehr gut und hat dann auch einen sehr guten Part abgeliefert.
In beiden Tracks jongliert ihr mit Vorurteilen. Was man so denkt - und dass dann in Wirklichkeit etwas ganz anderes dahinter steckt. Wenn ich eure Optik betrachte, nehme ich mal an: Damit habt ihr selbst schwer zu kämpfen?
H: Ja, vor allem an Anfang, als wir ganz frisch beim Plattenbau waren, das erste halbe bis das komplette erste Jahr, da hatten wir damit viel zu kämpfen. Aber seit die ersten Songs von Hammer & Zirkel draußen sind, sprich von uns, haben die Leute eigentlich begriffen, dass wir keinen rechtspolitischen Hintergrund haben oder son Quatsch. Wir sind halt die beiden Glatzköpfe mit dem leichten Übergewicht und dem speziellen Humor. Ich glaub', das haben die Leute mittlerweile auch flächendeckend verstanden.
Wir werden es ihnen einhämmern.
H: EinHAMMERn!
Wah, ich habs noch nicht mal gemerkt. Was sagen die Eltern eurer Zöglinge zu eurem Auftreten? Kein Problem damit, solchen Hools ihre Kinder anzuvertrauen?
Z: Wir arbeiten ja im Osten. Die kennen das ja gar nicht anders. Die Eltern sehen ja selber so aus.
Die haben doch auch schon Haare entdeckt, inzwischen. Oder?
Z: Nur die Frauen.
Dieses ganze Ost-Ding ist ständig Thema. Wenn man sich Hammer & Zirkel von der DDR-Flagge holt, besteht schon die Gefahr, dass man mit Unterstellungen konfrontiert wird, z.B. man wolle die Mauer wieder hochziehen. Wie geht ihr mit solchen Vorwürfen um?
H: Indem wir das gar nicht thematisieren. Ganz präzise, kurze Antwort: Mit der Musik vermeiden wir das. Wir haben selber, wenn man das Album hört, vielleicht zwei Sachen, wo wir uns wirklich auf den Osten beziehen. Bzw. eigentlich nur einen richtigen Song, "Ick Bin So Froh, Dass Ick N Ostler Bin". Ansonsten hat man natürlich mal Querverweise auf Plattenbauten. Aber die Plattenbauten könnten auch im Märkischen Viertel oder in Frankfurt oder im Ruhrpott stehen. Damit vermeidet man das.
Ostalgie ist überhaupt nicht eure Sache?
H: Geht ja gar nicht. Wir sind beide 24. Wir haben sechs Jahre in der DDR verbracht. Wie sollten wir da jetzt die Fahne für die DDR hochhalten? Wir haben uns den Namen gegeben, weil es schon irgendwie provokativ ist, weils plakativ ist, was man in der heutigen Zeit auch braucht. Aber ich glaube, bei uns macht es grundsätzlich eher die Mischung: Wenn man uns beeden Dicken sieht, die wir erstmal relativ, sag ich jetzt mal so, furchteinflößend aussehen, und gleichzeitig den Namen, dann denkt man vielleicht: "Okay, das sind jetzt die Ostrapper, die auf Gangster machen." Aber eigentlich trennen wir uns von dieser Schublade. Da passen wir ja auch nich rinn.
Z: Haha!
Futter und die Korpulenz scheinen auch schwerwiegende Themen zu sein, bei Euch.
H: Ja, richtig. Ein schwer wiegendes Thema!
Schade eigentlich, dass wir das hier am Telefon machen müssen. Sonst hätten wir was essen gehen und uns dabei über den grassierenden Schlankheitswahn unterhalten können.
H & Z: Sehr gerne. Das wäre auf jeden Fall genau unsere Welt gewesen. Wir können es ja vielleicht mal nachholen! Von wo aus rufst du an?
Vom Bodensee. Konstanz.
H: Na, das ist ja nicht gerade um die Ecke. Vielleicht treffen wir uns mal in der Mitte.
Seid ihr unterwegs? Ist eine Tour geplant?
H: Ja, aber das wird erst später was werden. Ansonsten sind wir halt eher in Berlin unterwegs, gerade.
Dürfen denn nur die Jungs 'ne Wampe mit sich rumtragen - und die Mädels müssen die superschlanken Hühner sein?
(Gelächter) H: Die superschlanken Hühner finden wir auch super. Ähem ... nee. Wir stehen beide nicht auf Hungerhaken. Ich bin ja in glücklichen Händen und meine Freundin sieht jetzt ...
Obacht jetzt!
H: (Lacht) ... die ist schon sehr schlank (anhaltendes Gegackere) und durchtrainiert und hat einen traumhaften Körper. Aber ein Hungerhaken ist sie nicht. Ich mag es dann doch lieber etwas weiblicher.
Z: Ja, so siehts bei mir auch aus. Ich mag sozusagen die Freundin von Hammer dann ooch. (Gelächter)
H: Können wir das Thema wechseln? Das ist mir zu schlüpfrig. Ich habe eine Freundin und das ist nur meine Freundin. Und der Zirkel darf ihr die Hand schütteln und Guten Tag sagen.
Mehr nicht?
H: Na, sie dürfen sich auch unterhalten, die beiden. Aber die Themen leg' ich fest. Ich bin lange genug mit meiner Freundin zusammen, jetzt schon drei Jahre. Und den Zirkel kenn ich auch jetzt schon gefühlte vierzig und realistische acht Jahre. Da passiert auf jeden Fall kein Unsinn.
H: Nein.
Z: Manchmal. Nee. Wir hängen ja auch nicht dauernd zusammen. Der Hammer arbeitet ein Stück außerhalb von Berlin, im Speckgürtel, und ich arbeite im - in Anführungsstrichen - "Problembezirk" Hellersdorf. Wir arbeiten nicht zusammen, in der gleichen Einrichtung oder bei einem Träger. Da gehen wir getrennte Wege. Aber sonst ... was die Musik angeht, das Freundschaftliche, auch sonstige Hobbys: Wir gehen regelmäßig Beachvolleyball spielen, was man uns nicht ansieht. Wir machen sonst alles zusammen. Außerhalb der Arbeit. H: Es ist schon so, dass eigentlich die Freundschaft ganz weit oben steht. Oder ganz oben. Die Musik ist da sozusagen irgendwie mit drinne.
Habt ihr Pläne, die Musik zu professionalisieren? Oder seid ihr ganz zufrieden damit, es wie bisher nebenher zu betreiben?
H: Wir sind natürlich zufrieden, wie es läuft, weil: Es läuft gut. Was die Resonanz der Leute angeht, was unsere Wirkung auf die Leute angeht. Damit sind wir zur Zeit sehr happy. Aber natürlich sind wir mittlerweile an einem Punkt, wo die Musik kein Hobby mehr ist, sondern eigentlich mehr ein Zweitjob. Von daher haben wir schon das Ziel, eventuell irgendwann mal die Musik hauptberuflich zu machen. Das wäre unser größter Traum.
Habt ihr viel Resonanz bekommen, auf den "Vergessene Kinder"-Sampler?
H: Es ging schon vorher los, mit unseren Click-Songs. Du kennst doch sicherlich MySpace, da haben schon vorher über ein paar Monate einen Hype aufgebaut gehabt. Alle zehntausend Clicks, die unsere Seite neu bekommt, stellen wir einen Song hoch. Einen sogenannten Click-Song. Die sind immer sehr lustig, sind manchmal Remixe von Bekannten, das ist manchmal irgend 'ne eigene ausgedachte Hirngrütze, irgendwelche lustigen Themensongs. Dadurch haben wir uns schon eine gewisse ... ich nenn' es jetzt mal "Fanbase" erarbeiten können.
Von dem ganzen Promorummel um den Sampler habt ihr aber doch sicher auch profitiert?
Z: Na, klar haben wir da auch profitiert. Das fing damit an, dass wir zum Beispiel dank des "Deutschlands Vergessene Kinder"-Samplers die gesamten drei Tage bei der YOU auftreten und natürlich auch sämtliche Pressearbeit teilweise für uns mit nutzen konnten. Wir hatten beispielsweise ein Interview mit Mixery Raw Deluxe, und es lässt sich natürlich dann sehr gut verknüpfen, dass man zum einen das ARCHE-Ding, "Deutschlands Vergessene Kinder", thematisiert und dann natürlich auch unser Album mit ins Gespräch bringt. Insofern profitieren wir da auch schon mit.
Kommt! Zum Schluss noch die Patentidee, wie man dem Deutschrap den Spaß wieder einbläuen könnte, den er über weite Strecken verloren zu haben scheint!
H: Das klingt jetzt ein bisschen, als wären wir die Heilsbringer ...
Wir brauchen welche.
H: ... aber wir hatten gestern ein bisschen rumgesponnen, dass man so ein CARE-Paket fertig machen könnte, mit drei bis fünf Alben, die zur Zeit draußen sind. Ich glaube, damit könnte man deutschem Rap schon den Spaß zurück bringen.
Wer kriegt das dann? Jeder?
H: Ja, vielleicht. Aber es ist ja ne ganz schwierige Geschichte. Weil gleichzeitig finde ich, die Leute sollten auch wieder etwas dafür tun, gute Musik in den Händen zu halten und das nicht immer nur downloaden. Aber am Ende lässt man es trotzdem jedem zukommen. Vor allen Dingen den Ab-40-Jährigen. Die kennen sich mit Computern nicht aus. Die können das nicht downloaden und koofen dann det zweete Album. Für die Finanzierung ... Wir suchen uns einen Sponsor. Barack Obama oder so.
Eigentlich ein Thema, über das man hätte reden sollen. "Die Glatzen Und Der Neger".
H & Z: Da ist aber jemand provokativ. Und das hast du gesagt. Nicht wir - und wir sind die Glatzen vom Plattenbau! Nein. Das hast du gar nicht gesagt. Das kam irgendwo aus dem Hintergrund. Das war der Wind.
Ich meinte den Song. Aber wenn wir schon dabei sind: Habt ihr Obamas Wahlsieg so erwartet? Seid ihr zufrieden mit der Entscheidung der US-Bürger?
H: Joa, wir sind wirklich auch bescheidene Jungs. Wir sind eigentlich mit allem zufrieden, das uns einen Schritt weiter bringt. (Gelächter) Irgendwie habe ich gerade 'ne ganz andere Frage verstanden. Aber ja, wir sind auch mit dem Wahlergebnis zufrieden. Dass Obama jetzt da an der Macht ist.
Oder ist es euch eher ... egal?
H: Man wird sehen, wie sich das auf Deutschland auswirkt. Klar, noch ist es mir egal. Aber man wird mal kucken, wie sich die ganze politische Situation jetzt entwickelt.
Sehr diplomatisch.
H: Ja. Kennt man gar nicht, von Ostlern. Oder?
Immer für eine Überraschung gut. Danke für eure Zeit!
H & Z: Wir danken!
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