Porträt

laut.de-Biographie

Gary Glitter

Gary Glitter: der Name klingt wie die verheißungsvolle Vorstellung von Popmusik in den Ohren. Genau das war wohl auch die Absicht seines Erfinders. Gary Glitter sollte all die glitzernden Träume, die man sich gewöhnlich vom glamourösen Leben der Popsternchen macht, verkörpern. Und Paul Francis Gadd, der am 8. Mai 1944 in britischen Banbury zur Welt kommt, tut dies mit einer brillanten Originalität, die ihm weder die schwindligen Höhen, noch die sich am Abgrund auftuenden Tiefen erspart.

So steigt Glitter 1972 mit seiner Glam Rock Hymne "Rock And Roll" bis ganz nach oben auf und stürzt durch seine Verurteilung wegen Kinderpornographie Mitte der 90er ins Bodenlose. Glitters Leben lässt sich noch immer am besten mit einer turbulenten Achterbahnfahrt vergleichen: Ende ungewiss.

Schon in jungen Jahren zieht es Gadd ins Zentrum der britischen Musikszene: London. Dort spielt er in kleinen Clubs Rock'n'Roll-Klassiker nach, was ihm die Aufmerksamkeit von Robert Hartford Davis einbringt. Dieser vermittelt Gadd einen Plattenvertrag mit Decca, wo er 1960 unter dem Pseudonym Paul Raven sein Debut gibt.

Doch der Erfolg will sich nicht einstellen. Das
ändert sich erst, als Raven auf den Produzenten Mike Leander trifft, der den jungen Sänger unter seine Fittiche nimmt. Kurz im Line-Up von Leanders Show Band, gründet Raven nach deren Auflösung Boston International, die in den folgenden Jahren vor allem in der deutschen Clubszene touren. Gleichzeitig produzieren Leander und Raven unter dem Pseudonym Paul Monday einige wenig erfolgreiche Singles.

Erst mit dem Aufkommen von Glam Rock im Jahr 1971 gewinnt das Duo Leander und Raven an Fahrt. Als Leander eine 15-minütige Jam Session auf handliche zwei mal drei Minuten zurecht schneidet und sie "Rock 'n' Roll Part 1 & 2" nennt, wähnt er sich auf der Höhe der Zeit. Und mit Raven ist auch schnell der passende Star dazu aus dem Hut gezaubert. Fehlt noch? Ein einprägsamer Name; Terry Tinsel vielleicht? Oder Horace Hydrogen? Beide fallen durch und so ist es Gary Glitter vorbehalten, die Single "Rock And Roll" in die Hitparaden zu tragen.

Viel später werden die Toten Hosen dem Stück als Opener auf ihrer Live Platte "Bis zum bitteren Ende" einen mächtigen Auftritt bescheren. Doch zurück ins Jahr 1972, das für Gary Glitter gerade erst beginnt. Die Hitschmiede Leander / Glitter läuft auf Hochtouren, nicht weniger als drei Singles, "I Didn't Know I Loved You (Till I Saw You Rock and Roll)", "Do You Wanna Touch Me (Oh Yeah)" und "Hello, Hello I'm Back Again" sowie die beiden Alben "Glitter" und "Touch Me" sorgen für Charterfolge.

Glitter surft ganz oben neben David Bowie und T. Rex auf der Glam Rock-Welle, der er mit "I'm The Leader Of The Gang (I Am)" und "I Love You Love Me Love" weiteren Drive verleiht. Doch nicht nur musikalisch gibt Glitter den Takt an, auch optisch setzt er mit gigantischen Plateauschuhen und funkelnden Anzügen unübersehbare Akzente. Doch die Welle des Glam Rock überschlägt sich schnell selbst, und so verkündet Gary Glitter mit knapp über 30 den vorzeitigen Ruhestand.

In den nächsten Jahren versucht er sich mit geringem Erfolg als Schauspieler und beginnt zu trinken, bevor er 1980 ein erstes Comeback unternimmt. Die junge New Wave-Szene erblickt in Glitter einen Gleichgesinnten und verhilft ihm zu bescheidenem Kultstatus. Auch Martin Gore von Depeche Mode hält Glitter bis heute in Ehren. In der Folge bleibt der Vater zweier Kinder im Gespräch: mal als Schauspieler, dann als Remixer seines eigenen Erfolgssongs "Rock And Roll" und schließlich gar als Buchautor des Bestsellers "The Leader", einer autobiographischen Reise ins Extravagante.

Mitte der 90er wird Glitter nach dem Download von rund 4000 Bildern, die Mädchen und Jungen in pornographischer Weise darstellen, angeklagt und 1999 wegen Kinderpornographie schuldig gesprochen. Die Plattenindustrie spricht den Bann über Glitter aus und nimmt seine Platten aus den Geschäften. Die Yellow-Press stilisiert den Liebling von einst gar zum neuen Staatsfeind Nr. 1. Ein Image, mit dem Glitter auch nach seiner Entlassung aus viermonatiger Haft in seiner Wahlheimat Kambodscha 2002 weiter zu kämpfen hat. Seine Anwesenheit sei schlecht für das Image des Landes, lautet die offizielle Begründung.

Er flieht nach Vietnam, doch auch dort kann er kein ruhiges Leben führen. Angeblich habe er in einer Bar ein Mädchen betatscht und solle - sobald man ihn aufspürt - des Landes verwiesen werden. Das lässt sich die englische Boulevard-Presse nicht zweimal sagen: In dem vietnamesischen Ort Vung Tao - am Meer gelegen - macht sie den Star ausfindig. Angeblich lebt er dort mit zwei minderjährigen Mädchen, die er als seine Ehefrauen ausgibt, und einer Minderjährigen als Geliebte.

Seine "Bräute" sollen 14 Jahre oder gar jünger sein. Mit einer der beiden flieht er vor der anrückenden englischen Presse. Am 19. November 2005 nimmt die vietnamesische Polizei Gary Glitter wegen Verdachts auf Vergewaltigung Minderjähriger fest. Am 26. Dezember heißt es plötzlich, an dieser Anklage könne wegen Mangels an Beweisen nicht festgehalten werden. In der Verhandlung werde Glitter nur noch unzüchtiges Verhalten, nicht jedoch Vergewaltigung vorgeworfen.

Anfang März 2006 verurteilt ein vietnamesisches Gericht Glitter zu drei Jahren Gefängnis. Glitter bezeichnete das Urteil als "unglaublich" und spricht von "Verschwörung", an der britische Zeitungen beteiligt seien. Seine Haft sitzt er in Ho Chi Minh Stadt, dem ehemaligen Saigon, ab. Im August 2008 kommt Glitter, bei dem inzwischen eine Herzerkranukung festgestellt worden ist, wieder auf freien Fuß, nachdem im drei Monate seiner Strafe wegen guter Führung erlassen wurden.

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