laut.de-Kritik

Geglückte Flucht aus Bohlens Klauen.

Review von

An Selbstbewusstsein mangelt es ihr nicht: Der Titel "Alpha Girl" weist nicht gerade auf ein zurückhaltend agierendes Sanges-Mäuschen hin. Doch von womöglich zu vordergründiger Style-Fixierung und übertrieben zur Schau gestelltem Selbstbewusstsein keine Spur: denn Francisca Urio hat künstlerisch richtig was zu bieten.

Die Teilnahme an einer Bohlen-Castingshow gilt vielen Musikfreunden als negativer Vorab-Indikator einer Künstlerin. Im Falle der Berlinerin ein zu vorschnelles Urteil: Sie verweist für die Zeiten vor und nach der "Superstar"-Teilnahme auf handfesten Background im Musikbiz. Ihr Debüt-Album "Alpha Girl" fällt nicht ins überstrapazierte Schablonen-Schema der Monroses und Queensberrys. Mehr noch: Beim Großteil der Songs zeichnet sie als Co-Autorin für Musik und Lyrics mitverantwortlich.

Zum Start misst sie sich mit ihrer Interpretation des Kiki Dee-Classics "I've Got The Music In Me" erfolgreich an Covern etablierter Sängerinnen wie Thelma Houston oder Aretha Franklin. Die Beats sitzen, stimmlich kommt sie mit viel Druck und Volumen immer stärker in Fahrt. Die Geschmacks-Polizei darf draußen bleiben - Francisca stellt das mit "Don't Call The Police" nachdrücklich unter Beweis. Elegant federnde House-Beats bilden den Untergrund für einen höchst goutierlichen Song der überdurchschnittlichen Dancefloor-Klasse, ebenso "Lift Me Up".

Die Neueinspielung des einstigen Richard Harris-Hippie-Hits "MacArthur Park" fällt - besonders im Vergleich mit der Disco-Version von Donna Summer - eindeutig ab. Lobenswert der Versuch, die Nummer von allzu üppigem Schmonz und Bombast zu befreien. Doch wirklich überdurchschnittlichen, neuen Groove gewinnen Francisca und Produzenten dem Track nicht ab.

Viel besser macht es die kurzweilige Nummer "Ain't No Reason", bei der neben dem ohnehin lebendigen Arrangement eine dezente, akustisch angehauchte Gitarre willkommene Abwechslung mit einbringt. "Mother Nature" überlässt im letzten Song-Drittel afrikanisch inspirierten Trommeln effektvoll genutzten Raum. Zugunsten eines klaren Klangbilds verzichtet man weitgehend auf den Einsatz übertriebener Sound-Effekte. Tausendfach gehörtes Loop-Klingeln und -Klopfen findet nicht statt.

Noch nicht auf voller Länge geglückt: die Umsetzung von Balladen. Was an der etwas zu berechenbaren Dramaturgie-Vorgehensweise der Kompositionen liegt, die im Refrain gefährlich nah in allzu bekannten Klischee-Beliebigkeiten des R'n'B versanden. "We Are One" gelang bereits dennoch der Sprung in die Einbindung eines Sport1-TV-Trailers. Fraglos solide Fingerübungen, doch die ganz große emotionale Tiefe bleibt aus. Dennoch bietet Francisca besonders auf "How Can I Ease The Pain" stets eindrucksvolle Gesangsleistungen.

Insgesamt positioniert sich das "Alpha Girl" im höherklassigen Segment erwachsenen R'n'Bs, der internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht. Zumal Francisca dank durchweg variantenreicher, beseelter Vokalarbeit in ihrer sauberen Melange aus Dance-Beats, Soul und auch mal Pop die Punktzahl kräftig in die Höhe schraubt.

Trackliste

  1. 1. I've Got The Music In Me
  2. 2. Stomp Your Feet
  3. 3. I Won't Call The Police
  4. 4. Mother Nature
  5. 5. We Are One
  6. 6. It's A Woman's World
  7. 7. With Or Without You
  8. 8. On The Radio
  9. 9. Breaking Free
  10. 10. Ain't No Reason
  11. 11. How Can I Ease The Pain
  12. 12. Lift Me Up
  13. 13. It's A Woman's World (Rockstroh Remix)

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30 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    'Stomp your feet' und 'I won't call the police' sind gut, der Rest hebt sich aber nicht von einer Dieter Bohlen produktion ab. Weiss nicht wo man da 3 Sterne rausgeschüttelt hat.
    Klingt alles zu gleich und alles zu aufgesetzt.

  • Vor 6 Jahren

    Ich glaub das grad nicht, 3 Sterne für dieses Mist?? Moment, jetzt erstmal die Rezi durchlesen... :o

  • Vor 6 Jahren

    Haha so ein Müll xD Da ist wohl jemand von ihrer Stimme so eingenommen dass er nicht mehr wirklich auf die Qualität der Songs achten kann... Klar, ich find ihre Stimme auch super geil, aber das Album ist ne einzige Enttäuschung, die Songs sind langweilig und die Produktion total billig... "Stomp your Feet" und "I won't call the police" sind Songs die mir auch noch gefallen, die haben was, aber der Rest ist doch sowas von billig, wie kann man da sagen dass es überdurchschnittlich ist und sich vom restlichen R'n'B-Einheitsbrei abhebt? ...Und Lady Gaga und Beyoncé bekommen dann so miese Wertungen, das ist doch lächerlich xD

  • Vor 6 Jahren

    ... in jedem Thread Gaga ... das ist doch gaga.

  • Vor 6 Jahren

    Wollt noch eine Sache loswerden ^^ Was mich hier manchmal echt stört ist, dass Laut manchmal die Zeit verschwendet und zich Debuts von Castingstars, die musikalisch nichts zu bieten haben, rezensiert, und dabei dann aber die Scheiben von Castingstars, die es WIRKLICH drauf haben und bei denen es sich echt lohnt, darüber zu schreiben, außer Acht lassen. Vorallem kommt sowas echt seltenst vor und um so mehr finde ich es dann schade dass diese ignoriert werden. Ich bin nämlich vorhin zufällig wieder auf ein Album gestoßen, das letztes Jahr erschien. Diyana war vor 2 oder 3 Jahren nämlich bei Popstars recht weit gekommen, ist zum Glück aber nicht in die Band gekommen und hat dann ihr eigenes Werk veröffentlicht. Und das hat so viel mehr zu bieten als alle restlichen Castingstar-Alben zusammen. Vielleicht liest das hier keiner, aber wenn doch und vlt sogar jemand aus der Redaktion, wäre es echt cool wenn man ihr vielleicht noch ne Review widmen könnte, denn etwas Support hat sie definitiv verdient (Promo hatte sie damals leider kaum bekommen sodass die VÖ etwas unterging..)

    http://www.simfy.de/artists/899114-Diyana/…

    Ich hab bisher noch kein ausgereifteres Debut von einer jungen deutschen Sängerin gehört...

  • Vor 6 Jahren

    Klar, Franciscas Stimmtalent ist Wahnsinn, mit Sicherheit die beste Stimme aller DSDS-Staffeln... aber man muss doch ehrlich sein und erkennen dass der Großteil des Albums Plastik-RB/Pop, wie ihn Monrose und Sarah Connor auch machen, ist.