Porträt

laut.de-Biographie

Daedelus

Wer ihn so sieht mit seinem ungewöhnlichen Wangenbart und seinem viktorianischen Kleidungsstil, wird wohl kaum erahnen, was in diesem Mann so alles steckt. Dabei wirft er seit seinem Debüt von 2002 quasi im Jahrestakt auf den unterschiedlichsten Labels Platten auf den Markt. Ob Mush, Ninja Tune, Epitaph, Warp, Def Jux oder Plug Research, irgendwie hatte oder hat er überall seine Finger im Spiel.

Alfred Weisberg-Roberts wird 1977 in Santa Monica in LA County als Sohn einer Schauspielerin und eines Psychologen geboren. Später wird er den Namen seiner Frau, Laura Darlington, annehmen. Schon früh kommt er mit Musik in Kontakt, lernt und studiert sogar Jazz und spielt bereits in seiner Jugend Klarinette, Kontrabass, Gitarre und Melodika.

Die musikalische Offenbarung findet er allerdings erst, als er mit 15 Lenzen seine Eltern dazu überredet, ihn zum Austausch nach London zu schicken. Trotz der Begeisterung für den Melting Pot L.A. vor seiner Haustür mit seiner Verschmelzung von Hip Hop, Electronica und sonstigen Stilen zeichnet sich schon früh ab, dass Alfreds Interessen weniger in der Gegenwart, geschweige denn in der Zukunft liegen: Griechische Mythologie sowie Landschaft und Geschichte Großbritanniens und speziell Wales' haben es ihm angetan.

Doch England wird sein musikalisches Schaffen nachhaltig anregen. Es ist Anfang der 90er, der Technosound ist gerade im Umbruch begriffen, und Alfred lernt durch einen der vielen Piratensender in der britischen Hauptstadt UK Rave und Hardcore kennen. Es sei das erste Mal, dass er dieses "Heureka!"-Gefühl selbst gespürt habe, sagt er später in Anlehnung an den berühmten Ausspruch des griechischen Philosophen Archimedes.

Wieder zurück in den Staaten schließt er sich zwar verschiedenen Rock-, Jazz- und Ska-Bands an, findet bei allen jedoch nicht die endgültige kreative Erfüllung. Die findet er zu Hause, wo er sich durch alle Schichten elektronischer Musik hört und schließlich selbst versucht, aus dem PC wohlklingende Töne herauszupressen. Es dauert nicht lange, bis sich seine weitgehende musikalische Sozialisation und Bildung auch auf sein Schaffen niederschlägt. Seine Musik läuft zwar unter dem Label Drum'n'Bass, klingt aber irgendwie doch anders als der Rest der Szene.

Spätestens als er 1999 für die Website dublab.com regelmäßig an den Reglern steht, muss ein Künstlername her. Der Mann, der in früher Kindheit immer Erfinder werden wollte, entscheidet sich ganz seinen aktuellen Interessen folgend für Daedelus, den Namen eines Erfinders in der griechischen Mythologie. Zudem ist er Fan von James Joyce, der in einem seiner Stücke von der Figur Stephan Dedalus erzählt. Als sei dies noch nicht Begründung genug, ist Daedelus auch noch der Name eines Schiffes im japanischen Cartoon Robotech.

Nach Daedelus' Sendung auf dublab.com gab es für gewöhnlich von einem gewissen Carlos Nino auf die Ohren. Anfangs weniger begeistert von Daedelus' Auswüchsen stolpert er irgendwann während einem ruhigeren Titel ins Studio, der ihm auf Anhieb den Atem raubt. Nino, seines Zeichens die Hälfte von Ammoncontact, nimmt sich seiner an und verschafft Daedelus einen Plattendeal mit Plug Research. "Invention" erscheint 2002, als Featuregast ist damals schon Busdriver im Boot, mit dem er ein Jahr später gemeinsam mit Radioinactive "The Weather" aufnimmt, dem er wiederum gleich das Remixalbum "Rethinking The Weather" hinterher wirft.

Im gleichen Jahr trifft er Brian Crabtree und Peter Siegerstrong, die ihn bitten, den Prototypen des Monome, einer kleinen Hardware mit acht mal acht Tasten, die per USB an den PC angeschlossen wird, zu testen. Daedelus ist direkt begeistert, weil ihm die kleine Box, die ihn fortan begleiten wird, "gewaltige Improvisationen" ermögliche.

Mit dem Wunderkistchen im Gepäck veröffentlicht er 2004 "Of Snowdonia", seine vierte Platte – aber die erste, bei der er restlose Zufriedenheit verspürt: "I felt true artistic confidence, finding a true voice. I was finally in the right zone." Es folgen vier weitere Alben, unter anderem die Live-Platte "Live At The Low End Theory" in 2007.

Bereits 2005 unterschreibt Daedelus bei Ninja Tune für Europa und das Vereinigte Königreich, 2008 schließlich erscheint mit "Love To Make Music To" die erste Platte, die komplett und alleine mit den Ninjas produziert und vertrieben wird. Sie ist eingängiger als die Vorgänger, eventuell der Versuch, einen Schritt raus aus dem Schatten in Richtung Scheinwerferlicht zu machen. Doch nach wie vor gilt, was De:Bug bereits 2004 im positiven Sinne schrieb: "Jeder einzelne Track von Daedelus schillert wie eine Öllache anstelle einer Perle in einer Auster."

Bereits mit der Veröffentlichung von "Love To Make Music To" kündigt er eine weitere Platte für 2008 an. Zusammen mit seiner Frau Laura soll ein Album des Projekts "The Long Lost" erscheinen, das sich der romantischen Elektro-Akustik verschreiben wird.

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