Porträt

laut.de-Biographie

Busdriver

Viel Gutes wurzelt in dem Boden, den Project Blowed dem etwas anderen Hip Hop bereitet. Als The Pharcyde, Jurassic 5, Aceyalone oder die Shapeshifters mit ihren Karrieren abheben, lässt auch Busdriver den Motor an.

Manche erwischt es später, einige sind jedoch schon recht früh dabei: Regan Farquhar zählt zur zweiten Kategorie. Sein Vater ist an der Produktion des Hip Hop-Streifens "Krush Groove" beteiligt. So dringen Beats und Reime zeitig an die Ohren des Sohnemanns. Mit neun Jahren beginnt er selbst zu rappen, singt darüber hinaus während seiner Highschool-Zeit in verschiedenen Bands. Von Blues bis Bluegrass ist alles drin.

Mit 15 schnuppert Regan 1993 erstmals die Luft der lokalen Hip Hop-Szene seiner Geburtsstadt Los Angeles. Schon mit wenigen Auftritten bei den legendären Open Mic-Nächten im Goodlife Café schindet er tiefen Eindruck. Die Afterlifers nehmen das junge Talent unter ihre Fittiche. Um 1994 haucht eine ganze Reihe neuer Künstler dem Treiben im Goodlife Café mächtig Leben ein.

Regan, der sich den Alias Busdriver zulegt, erinnert sich im Interview mit Pitchfork an die ersten Tage von Project Blowed: "Sie operierten an der vordersten Front von allem, das damals in Kalifornien abging: Das zog mich an. Ich sah, was diese Leute taten, und es riss mich vom Hocker. Eine derart progressive Herangehensweise an Hip Hop war mir bis dahin noch nicht untergekommen. Es öffnete mir die Augen für die Möglichkeiten."

Davon bieten sich Busdriver plötzlich eine ganze Menge. Er greift im Rahmen von Project Blowed-Veranstaltungen regelmäßig zum Mikrofon, feilt an seinen Skills und macht sich einen Namen als begnadeter Freestyler. Irgendwann scheint die Zeit reif für das erste Album. In Eigenregie bringt er 1999 "Memoirs Of The Elephant Man" heraus.

Da er auch den Vertrieb alleine bewerkstelligen muss, halten sich die Verkaufszahlen in enttäuschend überschaubaren Grenzen. Von einem kommerziellen Erfolg kann keine Rede sein, obwohl Busdrivers Debüt später unter eingeweihten Cali-Rap-Freunden zu einem absoluten Must-Have avanciert.

Immerhin: Bei den Kollegen genießt Busdriver höchste Achtung. Er arbeitet mit Aceyalone, Abstract Rude, Fat Jack und ungezählten anderen, darunter Daddy Kev, der den Großteil von Busdrivers zweiten Album produziert. Auf "Temporary Forever" breitet ein überaus unkonventioneller Rapper seine Begabung aus und erzählt vom Leben in der Stadt der Engel mit all seinen Höhen und Tiefen.

Aceyalone und Radioinactive von der Shapeshifters-Crew finden sich unter den Feature-Gästen. Die Scratches stammen von D-Styles, der in den Reihen der Beat Junkies und der Invizbl Skratch Piklz demonstriert, dass er guten Gewissens zu den innovativsten Turntablisten weltweit zu rechnen ist.

Als "Temporary Forever" schließlich - inklusive des in einem Schnellrestaurant hingerotzten "Stylin' Under Pressure" - fertig auf dem Tisch liegt, findet sich niemand, der das Album veröffentlichen will. Entnervt kratzt Busdriver seine bescheidenen finanziellen Mittel zusammen, gründet sein eigenes Label Temporary Forever und setzt wieder einmal auf Do It Yourself.

Beharrlichkeit zahlt sich aus: Verblüffenderweise verkauft sich der Nachfolger zu "Memoirs" recht ordentlich. Nicht nur das: Fans wie Fachpresse überschlagen sich vor Begeisterung. Angesehene Publikationen wie die Village Voice oder Wire loben Busdriver plötzlich über den grünen Klee. Seine Single "Imaginary Places" findet 2003 Verwendung im Soundtrack des Video-Spiels "Tony Hawks Underground" und verhilft Busdriver, von dem man außerhalb der alternativen Hip Hop- und College Radio-Gemeinde L.A.s kaum etwas gehört hat, zu ein wenig Mainstream-Popularität.

Die sorgt wiederum für Deals mit Mush Records (für die USA) und mit dem Ninja Tunes-Ableger Big Dada, der die Präsentation in Großbritannien und Europa in die Hand nimmt. Busdriver kollaboriert unterdessen mit Radioinactive und Daedalus. Gemeinsam fabrizieren sie das avantgardistische und stark Free Jazz-lastige Album "The Weather". Klar, dass sich die klassische Hip Hop-Klientel, die Busdriver im Übrigen für recht engstirnig hält, mit Grausen abwendet.

Seiner Produktivität tut dies keinen Abbruch. Nahtlos folgt 2004 "Cosmic Cleavage". Über Daddy Kevs jazzige Breaks und Busdrivers Geschichten über die Frauen, die in seinem Leben kamen und gingen, sowie über Remixe von Prefuse 73, DJ Nobody und D-Styles freut sich allerdings nur ein europäisches Publikum.

In den USA verzichtet Busdriver auf eine Veröffentlichung: Das Kurzalbum passe nicht in die Strategie, die er augetüftelt hat: "Es war nicht der Hip Hop-Kracher, den ich hier brauchte."

Der scheint 2005 mit "Fear Of A Black Tangent" gelungen zu sein. Prefuse 73, Danger Mouse und Daedalus steuern Beats bei. Verpackt in Highspeed-Raps beleuchtet Busdriver seinen eigenen Werdegang und gießt Hohn und Spott über diejenigen aus, "die Hip Hop gepachtet zu haben glauben, nur weil ihnen die Hosen zu groß sind". So nimmt die erste Auskopplung "Avantcore" die ewigen Sticheleien zwischen Alternative- und Mainstream-Hip Hop-Szene aufs Korn.

Daneben gestattet sich Busdriver scharfzüngige Kommentare zum Zeitgeschehen. Das tägliche Leben liefert Material genug: "Arnold Schwarzenegger ist der mächtigste Mann in Kalifornien. Wie konnte das passieren? Das ist ein erstklassiges Beispiel dafür, wie absurd die Lage in den Staaten geworden ist. Die Menschen befinden sich derart in der Gewalt der Medien, dass ein Filmstar mir nichts, dir nichts einen politischen Posten inne hat. Das ist mehr als bizarr. Das ist Fiktion, ein Märchen."

Für "Fear Of A Black Tangent" soll alles eine Nummer größer ausfallen. "Stadion-Rap" ist das Ziel. Die Single "Unemployed Black Astronaut" mit einem Beat von Paris Zax legt sogar eine gewisse MTV-Tauglichkeit an den Tag, weitgehend bleibt Busdriver jedoch seiner Linie treu.

Seine kritischen, oft aber auch vollkommen surrealen Raps strotzen vor Melodiösität. Wenn "Lefties Lament" mit der Hookline in einen Soul-Song abdriftet, liegt plötzlich auf der Hand, warum Busdriver den Jazz-Sänger Jon Hendricks als größte Inspirationsquelle aufführt.

Unermüdlich tourt er ("a modern day troubadour lifestyle") durch die Lande. Busdriver rappt alleine, mit Kollegen oder mit Th Corn Gangg, dem Nachfolge-Projekt der kanadischen Indie-Pop-Band The Unicorns. Umso erstaunlicher, dass Anfang 2007 bereits der nächste Longplayer vorliegt.

"Roadkill Overcoat" ensteht in Zusammenarbeit mit DJ Nobody und dem Multiinstrumentalisten Boom Bip, deren Horizonte weit über den Tellerrand des Alternative Hip Hop hinaus reichen. Den eingeschlagenen Kurs - nämlich Offenheit gegenüber allem, das irgendwie interessant sein könnte - behält auch der Nachfolger "Jhelli Beam" von 2009 bei.

Dance- und Folk-Elemente fließen ein, Indie-Rock, Klassik und Annäherungen an den Mainstream-Rap: Busdrivers Zielgruppe besteht schon lange nicht mehr nur aus Hip Hop-Heads.

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