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"Ein bisschen Chaos muss schon sein", meint Sänger Oska. Mit "ein bisschen" meint er eigentlich: "ganz schön viel": Chuckamuck leben den Jungstraum vom wilden Band-Leben voll aus. Gitarren, Mädels, Bier, Zigaretten und Autobahnen, das alles nicht in prollig, sondern auf lustig. Dazu machen sie genau die richtige Musik, ungestümen Rumpel-Rock'n'Roll mit sehnsüchtigen, knackigen deutschen Texten. Echter, ungezähmter Garage Rock.
Noch in der Schule, irgendwann 2006, 2007, rotten sich die vier Berliner Streuner zusammen. Obwohl zu drei Vierteln noch in der Schule, wollen sie mit Schülerbands absolut nichts zu tun haben: "Bei Schülerbands ist die Musik doch nur Nebensache, ein Hobby, bei uns ist die Schule Nebensache ..."
Schnell sind sich Oska (Gesang, Gitarre), Lorenz (Gesang, Gitarre), Jules (Gesang, Bass) und Jiles (Schlagzeug) über die Helden einig, denen es nachzueifern gilt: Chuck Berry, Demon's Claws, die Black Lips und die Libertines. Sie fangen tatsächlich nicht nur den Sound, sondern auch die Energie all dieser Bands ein. Das soll etwas heißen, nicht nur, wenn man an das schnelle Verglühen der Libertines und an die wilden Auftritte der Black Keys oder Demon's Claws denkt, sondern vor allem angesichts der Power eines Chuck Berry.
2009 wird das Berliner Label Staatsakt auf die vier Jungspunde aufmerksam und gibt ihnen die Möglichkeit, eine erste Single zu veröffentlichen. "Autofahrn", so Lo-Fi aufgenommen wie zuletzt die ersten Alben von Tocotronic, versprüht grenzenlose gute Laune. Oskas kratzige Stimme, die klingt, als habe er die letzten zwei Nächte nur gesoffen und geraucht, passt ins so anarchistische wie charmante Gesamtbild.
Mit chaotischen Auftritten in durchgeschwitzten Hemden, die sie dann rasch ausziehen, erspielen sie sich eine treue Fanbasis in der ganzen Republik. 2011 kommt das erste Album "Wild For Adventure" und beweist, dass die Band kein bloßer Hype ist.
"Ostsee" wird ein kleiner Hit, auch die restlichen Songs überzeugen mit großen Melodien und schludriger Vortragsweise. Chuckamuck haben nichts von ihrer Kratzbürstigkeit und nichts von ihrem Jungscharme verloren.
Und was heißt eigentlich Chuckamuck? "Das ist so ein Wortspiel. 'Chuck a luck' heißt so viel, wie 'Einen Heben' und 'Chuck' auch von Chuck Berry. Wir wollten uns die ganze Zeit mal eine richtig coole Geschichte dazu ausdenken, sind aber noch nicht dazu gekommen." Besser würde wohl auch keine Geschichte passen.
Chuckamuck über Geldnöte, ungewöhnliche Hobbys und unzerstörbares Equipement.
Schrammeliger Kindercountry zum Liebhaben: Mit ihrem zweiten Album "Jiles" untermauern die vier emsigen Hauptstädter von Chuckamuck ihren Status als derzeit unbekümmertste Jungbande zwischen Reinickendorf und Lichtenrade.
Berlin-Mitte, irgendwo zwischen fernöstlichen In-Restaurants und siffigen Spätkauf-Spelunken: hier, inmitten eines der gefühlten Dutzend Herzen der Spreemetropole befindet sich die musikalische Schaltzentrale von Chuckamuck. In einem brüchigen Mietshaus mit vollgeschmiertem Holzportal ohne Klingelanlage tüfteln Oskar, Lorenz, Jules und Julius nun schon seit über zwei Jahren an ihrem Traum von fernen Ländern, großen Bühnen und dekadentem Catering.
Zwar wird dem Quartett spätestens seit der Veröffentlichung des Debütalbums "Wild For Adventure" von allen Seiten eine rosige Zukunft vorausgesagt, doch im Hauptquartier der Band ist von sich anbahnendem Ruhm noch nicht viel zu sehen. Stattdessen führt mich Bassist Lorenz mit einem Dauergrinsen im Gesicht durch ein chaotisches Labyrinth aus Sperrholz, verrottetem Equipment und vollen Aschenbechern. Man müsse halt etwas aufpassen, wo man hintritt, flüstert mir der schlaksige Musiker ins Ohr, als wir uns der Hausbesetzer-Couch nähern, auf der unser Interview stattfinden soll. Nach knapp zehn Minuten trudelt mit Drummer Jiles das zweite Bandmitglied ein – in der Hand einen frischen Chicken-Döner von "umme Ecke".
Jiles: Ey, sorry. Aber ich hatte totalen Kohldampf. Alle da?
Lorenz: Nö. Oscar ist auf dem Weg und Jules hat heute keine Zeit. Jiles, du scheinst ziemlich außer Atem zu sein?
Jiles: Total. Mich hätten sie im Bus gerade fast wieder gekrallt.
Wer?
Jiles: Na, die Kontrolleure. Habs aber noch geschafft.
Wie? Müsste es mittlerweile nicht schon längst für eine Monatskarte reichen?
Jiles: (lacht) Ha, schön wär's. Nix da, keine Kohle. Weder wir, noch sonst irgendwer.
(In der Zwischenzeit gesellt sich auch Sänger Oska dazu, während Lorenz seinem Drummer voller Stolz einen Zettel unter die Nase hält, auf dem ein gebrauchter Tourbus abgebildet ist)
Jiles: Ne, ich glaube, der ist zu teuer.
Lorenz: Meinste?
Jiles: Jop.
Kein Geld für eine Monatskarte und ein gebrauchter Tourbus ist auch zu teuer, vom Ambiente hier mal ganz zu schweigen – es scheint mir nicht so, als hätten euch die positiven Feedbacks auf euer Debütalbum auch finanzielle Türen geöffnet, oder?
Lorenz: Naja, eigentlich leben wir noch von der Hand in den Mund.
Oska: Klar hätten wir gerne ein bisschen mehr Kohle zur Verfügung. Aber wir sind auch so zufrieden. Das kriegen wir alles schon irgendwie hin.
Jiles: Ich würde schon gerne etwas öfter live spielen.
Oska: Achso, habe ich dir noch gar nicht erzählt? So wie es derzeit aussieht, kriegen wir im Herbst eine Tour zusammen.
Jiles: Geil.
Lorenz: Man blickt da schon ziemlich schnell durch. Wir sind ja jetzt schon ein paar Jahre dabei und haben schon ziemlich früh gemerkt, dass wir wahrscheinlich eine ganze Weile kämpfen müssen. Das war auch sehr hilfreich für die Entwicklung und den Zusammenhalt in der Band. Wenn man den ganzen Tag nur mit Luftschlössern durch die Gegend rennt, dann hat man irgendwann keine Lust mehr. Oska: Letztlich wollen wir uns aber echt nicht beschweren. Ich meine, wir bringen jetzt unser zweites Album raus und waren auch schon viel unterwegs, auch im Ausland.
Lorenz: Wir sind keine Jammerband (lacht).
Wo wart ihr denn schon überall?
Lorenz: Frankreich, Belgien, Dänemark, Schweiz, Polen.
Jiles: Dänemark.
Lorenz: Ja, stimmt. Da haben wir auf dem Roskilde-Festival gespielt. Das war richtig geil.
Oska: Es ist natürlich immer ein bisschen schwer im Ausland, wenn man deutsche Texte im Gepäck hat. Aber es funktioniert irgendwie trotzdem. Und es wird immer besser.
Lorenz: Damit haben wir ja auch schon ziemlich früh angefangen. Ich kann mich noch an Frankreich erinnern, da waren wir gerade mal zwei Jahre zusammen.
Oska: Ja, da haben wir über MySpace einen Gig in Paris organisiert. Kurz davor ist unser ehemaliger Basser aber vom Baum gefallen und konnte nicht mit. Jules hatte dann irgendwie auch keinen Bock mehr, und so sind Lorenz und ich dann alleine nach Paris getuckelt und haben da auf der Straße gespielt. Solche Sachen prägen natürlich. So was Ähnliches haben wir auch einmal in Amsterdam abgezogen. Zwar wollte uns keiner was in den Hut schmeißen, aber geil war's trotzdem. Euer Basser ist vom Baum gefallen?
Lorenz: Ja, der war irgendwie ziemlich schräg drauf. Der hat sich dauernd irgendwie verletzt und war krank. Ich glaube, der hatte eine Menschenphobie. Aber egal. Im Ausland zu spielen ist für uns ein ganz wichtiger Punkt, den wir auch in Zukunft verstärkt im Auge behalten wollen.
Oska: Wir überlegen gerade auch, ob wir ihr für jedes europäische Land eine Single in der jeweiligen Sprache aufnehmen. Das wäre total cool. Wir haben das mal in Polen probiert und die fanden das total gut.
Oska: Das war auf jeden Fall die Marschrichtung (lacht).
Lorenz: Ich finde schon, dass jeder Song auf dem neuen Album das Potenzial dazu hat. Die Songs wurden auch alle einzeln produziert und abgemischt, sodass jeder Track für sich steht.
Und an den Reglern stand Moses Schneider (Beatsteaks, Turbostaat). Wackelige Knie gehabt?
Lorenz: Nö, den kannten wir ja vorher gar nicht (lacht).
Oska: Unser Mischer bei der Fete De La Musique kannte den Moses und hat ihm von uns erzählt. Daraufhin hat der uns im Proberaum besucht. Naja, und das was er dann gehört hat, fand er ziemlich gut. So hat sich das dann entwickelt.
Lorenz: Wir haben uns danach ja ein bisschen schlau gemacht und erst einmal geguckt, mit wem wir es denn da überhaupt zu tun haben. Da waren wir auch ein bisschen skeptisch als wir von den ganzen Bands gelesen haben, mit denen er schon gearbeitet hat. Aber am Ende war alles super. Wir haben uns total gut verstanden und er hatte richtig Bock auf uns.
Ihr steht total auf die Black Lips und die Libertines. Das sind, oder waren ja Bands, die wie kaum eine andere unter dem Sex'n'Drugs'n'Rock'n'Roll-Banner unterwegs waren. Wie sieht's denn da bei euch aus?
Oska: Für uns sind die "Dinge" alle gleichermaßen wichtig (grinst).
Lorenz: Naja, ich finde es eigentlich viel spannender immer wieder in neuen Hotels aufzuwachen und andere Gegenden kennenzulernen. Wenn wir Off-Days haben, gehen wir beispielsweise immer gerne wandern und angeln.
Ihr geht wandern und angeln?
Jiles: Ja, das ist total geil. Als wir in Dänemark waren sind wir abends total benebelt irgendwo am Meer gelandet. Da war eine riesige Steilküste mit Leuchtturm. Da haben wir dann rumgegammelt und in die Sterne geguckt. Das hatte schon was.
Oska: Aber nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: wir können auch gut feiern. Ich kann mich noch an einen Silvester-Gig erinnern, der ziemlich derbe abging.
Jiles: Oh, hör auf. Das war total peinlich.
Warum?
Jiles: Da waren all unsere Freunde da und auch viele von unseren Familien. Ich habe mich schon vorher total abgeschossen und konnte kaum mehr geradeaus laufen. Naja, dementsprechend lief dann auch die Show. Das war ziemlich peinlich.
Oska: Wir mussten Jiles fast vor jedem Song wecken oder anschreien, weil er entweder hinter den Drums eingepennt war oder aber mit irgendeinem Typen quatschte. Das war schon heftig. Am Ende wollten wir noch das komplette Schlagzeug zerlegen, aber das war gar nicht so einfach. Vor allem dann, wenn die halbe Mannschaft kaum noch auf den Beinen stehen kann. Alles übrigens nachzusehen in unserem "Alcohol"-Video. Demnach: wir angeln und wandern zwar gerne; wir können aber auch sehr gut auf die Kacke hauen.
Wild For Adventure (2011)
| Fr | 24.05.2013 | Chuckamuck Leipzig (Neues Schauspiel) | |
| So | 26.05.2013 | Chuckamuck Cottbus (Gladhouse) | |
| Do | 30.05.2013 | Chuckamuck Berlin (Ritter Butzke) | |
| Sa | 22.06.2013 | Chuckamuck Köln (Studio 672) | |
| Sa | 22.06.2013 | Chuckamuck c/o pop Festival (Köln) |
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