Porträt

laut.de-Biographie

Calla

Spätestens zur Jahrtausendwende wird offenbar, dass sich das Urgenre Rock wieder einmal in entgegengesetzte Lager aufspaltet: Die eine Seite feiert unter Schirmherrschaft von Formationen wie The Strokes den Rückgriff auf althergebrachte Rock'n'Roll-Traditionen. Die andere verabschiedet dagegen endgültig den bisherigen Sound. Anstelle klassischer Songstrukturen und Rockposen rücken Bands wie Mogwai, Explosions In The Sky und Sigur Rós Progressivität und Experimente in den Vordergrund.

Calla aus Brooklyn, New York gehören letztgenannter Bewegung an. Auf der bewährten Basis aus Gitarre, Schlagzeug und Bass kreiert das Trio fragil-minimalistische Postrock-Texturen voller Elegie. Psychedelischer Äther-Pop, geführt von Aurelio Valles introvertierter, halb geflüsterter Stimme. 1997 taucht der Bandname erstmals auf, die musikalischen Wurzeln liegen aber tiefer.

Im Texas des Jahres 1993 treffen Valle, Peter Gannon und Wayne B. Magruder zunächst als Mitglieder von The Factory Press aufeinander. Zwei Jahre später spielt man in New York das Debütalbum "The Smoky Ends Of A Burnt Out Day" ein. Ob der Umstand, sich dort ein Ein-Zimmer-Appartement teilen zu müssen, zur Trennung führt, ist nicht überliefert. Mit Sicherheit verfolgen Valle und Magruder im Anschluss an The Factory Press zunächst eigene Projekte.

Bald beschließen sie aber, zusammen mit dem Bassisten, Keyboarder und alten Schulfreund Sean Donovan Calla ins Leben zu rufen. 1998 stoßen die Belgier von Sub Rosa auf die Band und bringen das selbstbetitelte Erstlingswerk in die Läden. Auf dem Album zerlegen die drei unter Einsatz elektronischer Helferlein bekannte Songstrukturen in Einzelteile, um sie zu filmhaften Endzeit-Szenarien umzufunktionieren. So manches Mal erinnert das an das Spätwerk der Einstürzenden Neubauten.

Die nachfolgenden Tourneen mit Nick Cave, Godspeed You Black Emperor! und Sigur Rós bringen eine deutliche Veränderung im Klangbild mit sich. Die Tatsache, dass sich der Studioansatz auf der Bühne nur schwierig umsetzen lässt, führt Calla zurück zum konventionelleren Songformat. Produzent Michael Gira ist vom Wandel begeistert und verpflichtet die Band für das US-Label Young God Records. Das Zweitwerk "Scavengers" vertraut nicht mehr vorrangig auf die Möglichkeiten eines Sequenzers, bewahrt jedoch die latent bedrohliche Atmosphäre.

Nachdem Platte Nummer drei, veröffentlicht auf Arena Rock Recording, diese Symbiose aus Indierock und fordernder Kunstkonzeptionalität weiter gefestigt hat, beginnen im Spätsommer 2004 die Aufnahmen zu "Collisions". Diesmal unterschreiben Calla bei Beggars Banquet. Peter Gannon steigt vom Tourgitarristen zum Vollmitglied auf und ersetzt Sean Donovan. In den USA erscheint das Album bereits im September 2005, Übersee muss sich bis ins nächste Jahr gedulden.

Nur wenige Monate darauf kommt bereits "Strength In Numbers" nach. Aufgenommen während der US- bzw. Europatournee, feingeschliffen in Studios in Austin und New York City, geht der fünfte Output den mit "Collisions" eingeschlagenen Weg in Richtung subtiler Sexpop konsequent weiter.

Alben

Calla - Collisions: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2006 Collisions

Kritik von Matthias Manthe

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