Porträt

laut.de-Biographie

Black Cab

Gefälliger, eingängiger Gitarrenrock mit Drone- und Psychedelic-Einschlägen sowie Krautrock- und Industrialeinflüssen? Klingt doch eigentlich nach einer interessanten Sache.

In den frühen 90ern sind Sänger Andrew Coates und Gitarrist James Lee als Bandkollegen bei den Industrial-Rockern Foil zugange. Nachdem die beiden Melbourner 1999 das erste Mal gemeinsame Sache außerhalb der Band machen und die drei Tracks starke EP "Illinois Chapter" veröffentlichen, setzt Coates über den großen Teich und zieht nach San Francisco. Dort bastelt er vorerst allein an einigen Songs.

Als der Sänger 2002 nach Melbourne zurückkehrt, verbringen er und Lee viel Zeit im Studio. 2004 bringen die beiden unter dem Namen Black Cab ihr erstes Werk "Altamont Diary" heraus. Das Konzeptalbum, an dem auch andere australische Musiker mitwirken, ist an die tragischen Vorfälle auf dem Altamont Speedway Free Festival in Kalifornien angelehnt, das 1969 von den Rolling Stones organisiert wurde. Bei dem Massenevent, das in Chaos und Gewalt ausartete, kamen vier Menschen ums Leben.

Das Debüt erfährt viel Zustimmung, sodass Black Cab bald mit Bandunterstützung auf Tour gehen. 2006 veröffentlichen die Australier ihre zweite Scheibe "Jesus East" in ihrer Heimat. Wenig später nimmt sich das Hamburger Indielabel Stickman Records, die auch die Norweger von Motorpsycho unter Vertrag haben, der Band an und veröffentlicht 2007 "Jesus East" auch in Europa. Black Cab bleiben ihrer Linie mit einer Mischung aus Shoegaze, Drone, Psychedelic und Postrock treu. Thematisch widmet sich das Album erneut einem Leitmotiv: "Wir hatten diese Idee von George Harrison, der nach Indien geht, dann aber alles stehen und liegen lässt, um zurück nach Berlin zu gehen und richtig abzurocken", erklärt Coates.

Die weltweit positive Kritik erlaubt dem Duo die Überfahrt von ihrer Homebase nach Europa. Gesponsert vom Australia Council For The Arts, touren Black Cab 2007 durch Österreich, Deutschland und die Niederlande. 2009 folgt in Australien das dritte Album, im darauffolgenden Jahr gibt's die Scheibe auch hierzulande. Nicht nur George Harrison, auch Black Cab sind damit in Berlin angekommen - zumindest musikalisch.

Auf "Call Signs" beschäftigen sie sich mit Leben und Kultur in der DDR der 1970er. Die Stimmung der Platte entspricht der Thematik: Wuchtige Gitarren und Electronica-Elemente entfalten eine Düsternis und Beklemmung, die atmosphärisch die Unterdrückung und Stasi-Paranoia unter dem sozialistischen Regime nachzeichnet. Inspiriert wurden Black Cab nicht nur durch ihre Tour durch Ostdeutschland. Auch das Buch "Stasiland" von Anna Funder soll sie dieser Epoche deutscher Geschichte näher gebracht haben. Mit ihrem Drittling festigen sie ihren Ruf als technisch versierte Musiker und Songschreiber, die durchdachte, elaborierte Sounds auf Gitarre und Synthesizer erzeugen.

Alben

Black Cab - Call Signs: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2010 Call Signs

Kritik von Anne Nußbaum

Mit wuchtigen Gitarren und Electronica gegen die Ostalgie. (0 Kommentare)

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