Porträt

laut.de-Biographie

Billie Holiday

"The Lady Sings The Blues" ist eine oft gebrauchte Formulierung für Künstlerinnen der Bereiche Jazz und Blues, um deren Authentizität und Überzeugungskraft in den Vordergrund zu stellen. Doch wohl auf keine trifft diese Feststellung so zu wie auf die am 7. April 1915 als Elinore Harris im US-amerikanischen Philadelphia geborene Sängerin Billie Holiday.

Als Kind sieht sie sich gleich mehrfach auf die Verliererseite des Lebens gestellt. Nicht nur, dass sie der damals oft verachteten schwarzen Minderheit des Landes angehört. Sie kommt als Kind ihrer alleinerziehenden Mutter Sadie Harris zur Welt. Ihr Vater, der Musiker Clarence Holiday, ist während der Liason mit Elinores Mutter bereits mit einer anderen Frau verheiratet. In diesen Tagen gelten uneheliche Kinder noch als Schande, was für Billie neben ihrer Hautfarbe eine weitere Brandmarkung darstellt.

Dieser ungünstigen Voraussetzungen wegen gestaltet sich für das junge Mädchen die Kindheit weitgehend freudlos und von fürchterlichen Erfahrungen geprägt: Bei Verwandten aufwachsend, erleidet sie im Alter von elf Jahren von einem Nachbarn die Demütigung einer Vergewaltigung. Oft entflieht sie dem Schulunterricht und wird mit der Einweisung in ein katholisches Heim bestraft. Bereits im Alter von zwölf arbeitet sie als Putzhilfe - in einem Bordell.

Ausgerechnet an diesem Ort kommt Billie zum ersten Mal mit Musik in Kontakt: Sie hört Schellack-Platten von Louis Armstrong - danach ist für sie nichts mehr wie vorher. In ihr erwacht der Wunsch, ebenfalls als Sängerin auf der Bühne zu stehen.

Sie beginnt, sich in schwarze Musik zu vertiefen und übt eigene Gesangstechniken. Ein besonderes Vorbild liefert ihr dabei die Künstlerin Bessie Smith. Ab 1930 absolviert die Autodidaktin erste Auftritte in kleinen Clubs und gibt sich - nach der Schauspielerin Billie Dove - selbst den Künstlernamen Billie Holiday.

Die Arbeit sichert ihr ein leidliches Auskommen, bis sie 1933 auf den Musikproduzenten John Hammond trifft. Er zeigt sich begeistert vom Talent der jungen Frau und ebnet ihr den Weg in Rampenlicht. Unter den Fans ihrer Musik kursiert der Kosename "Lady Day", als Markenzeichen trägt Billie eine weiße Gardenie im Haar.

Trotz aller künstlerischen Anerkennung bleibt das bürgerliche Establishment kritisch gegenüber der Künstlerin eingestellt - besonders wegen ihres 1931 veröffentlichten Titels "Strange Fruit", in dem sie offen die Lynchjustiz gegenüber schwarzen Bürgern kritisiert.

Dennoch arbeitet Billie mit etablierten weißen Musikern wie etwa Benny Goodman zusammen. Weitere Wegbegleiter sind Count Basie, Lester Young und Teddy Wilson. Dem einstigen kleinen Mädchen aus der Gosse gelingt 1944 ein einzigartiger Erfolg: Als erste Jazz-Sängerin tritt sie in der legendären Metropolitan Opera auf - und stößt auf begeisterte Resonanz beim verwöhnten Publikum.

Ihre Fassungen von Klassikern des American Songbooks wie "Stormy Weather" und "A Fine Romance" gelten als bahnbrechend. Auftritte in Europa machen sie in den Fünfzigern einem neuen Kulturkreis bekannt. Doch neben all den positiven Wendungen in ihrem Leben kämpft Billie Holiday verstärkt mit persönlichen Dämonen.

Sie verfällt seit den dreißiger Jahren immer mehr Marihuana, Heroin und Alkohol. Als für den finanziellen Verdienst katastrophal stellt sich dabei 1947 der Entzug der sogenannten Cabaret-Lizenz heraus, die zu Auftritten in Clubs und Bars mit Alkoholausschank berechtigt. Drogentherapien bringen nicht die gewünschte Besserung, Billies Psyche gleitet immer tiefer hinab in grüblerische Schatten-Bereiche. Insgesamt drei Ehen verlaufen vorwiegend unglücklich.

Das Ende von Billies Leben gestaltet sich tragisch und mutet an wie der Rücksturz in die freudlose Welt, der sie entstammt. Am 17. Juli 1959 verstirbt sie verarmt und nahezu mittellos in einem New Yorker Krankenhaus an den Folgen einer Leberzirrhose - im Beisein von Polizisten, die sie in Haft nehmen wollen.

Ihre Selbsterkenntnis: "Drogen haben nie jemandem geholfen, besser zu singen, besser Musik zu spielen oder irgendetwas besser zu tun. Alles, was Drogen können, ist dich zu töten - dich lange, langsam und grausam zu töten" kann sie zeitlebens nicht für sich selbst umsetzen.

Trotz - und sicher auch gerade wegen - ihrer leidvollen Erfahrungen besitzt die Musik der Billie Holiday eine unvergleichliche Aura. Die Bandbreite ihrer Stimme, die aufgrund der gesundheitlichen Probleme in den späteren Jahren einen dunkleren Unterton annimmt, fasziniert mit ihrer Wandlungsfähigkeit. Ob heiterer Jazz-Love-Song oder anklagender Blues - es findet sich in ihrer Intonation immer wieder eine Ahnung um jene düsteren Dinge, die abseits von Ruhm und Erfolg lauern.

Alben

Videos

the Best Of
You're a Lucky Guy (1939)
Here It Is Tomorrow Again (1938)
Why Was I Born (1937)
  • Billie Holiday

    Die offizielle Vermächtnisseite.

    http://www.billieholiday.com/

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