Porträt

laut.de-Biographie

Bill Ryder-Jones

Als Bill Ryder-Jones 2008 bei The Coral aussteigt, ist die Überraschung groß. Zwar hat die Band nie einen großen kommerziellen Erfolg gehabt, doch ist sie ein Kritikerliebling und hatte sich durch eine große Stilbreite viele Fans gemacht. Einen besonderen Vorfall habe es nicht gegeben - der 1983 in der nähe von Liverpool geborene Gitarrist und Trompeter gibt "persönliche Gründe" für seinen Abschied an.

Die Ursachenforschung führt zum letzen gemeinsamen Album der Band, "Roots And Echoes" (2007), für das er orchestrale Begleitungen schreibt. Offenbar ist ihm die Rolle des Gitarristen zu eng geworden, zumal er der öffentlichen Aufmerksamkeit eher skeptisch gegenüber steht. Dazu leidet er an Depressionen, die ihn immer wieder in ein tiefes Loch fallen lassen.

Zwar lädt er in den folgenden Jahren immer wieder neue Stücke auf MySpace (hihi) hoch, als konventioneller Musiker sieht er sich zunächst aber nicht. "Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich The Coral verlassen habe, um meine eigenen Lieder in den Vordergrund zu stellen," erklärt er in einem Interview.

2011 kommt es dennoch mit "If ..." zum ersten Album unter eigenem Namen. Er habe Italo Calvinos Spätwerk "Se Una Notte D'inverno Un Viaggiatore" ("Wenn Ein Reisender In Einer Winternacht") gelesen und zu den einzelnen Kapiteln Musik geschrieben.

"Ich liebe Leonard Cohen und verehre Nick Drake. Aber es wäre mir extrem peinlich zu versuchen, sie nachzuahmen. Ich habe mich immer eher für Klänge interessiert", sagt er bei der Veröffentlichung.

Nach dem Soundtrack zu "Piggy" (2012) ändert Ryder-Jones offenbar seine Meinung, denn seine zweite Solo-Mühe "A Bad Wind Blows In My Heart" (2013) ist genau das - ein Singer/Songwriter-Album im klassischen Sinne.

Der innere Dämon lässt jedoch nicht locker. Wie schon auf den Alben zuvor kämpft Ryder-Jones auf "West Kirby County Primary" (2015) mit sich selbst. Dass er es in seinem Kinderzimmer diesmal ordentlich krachen lässt, macht die Stimmung umso düsterer.

Sein Geld verdient er sich auch als Gastmusiker und Produzent: Mit den Arctic Monkeys geht er 2013 als zweiter Gitarrist auf Tour zum "AM"-Album, 2016 produziert er das Comeback der spät geliebten Nullerjahre-Eintagsfliege Milburn aus Sheffield.

Alben

Bill Ryder-Jones - If ...: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2011 If ...

Kritik von Giuliano Benassi

Der Gitarrist von The Coral versucht sich als Soundtrack-Komponist. (0 Kommentare)

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