Porträt

laut.de-Biographie

Big Black

Anfang der 80er Jahre regiert weltweit - und besonders in den Staaten - Cock Rock und Hairmetal. Stadionrocker wie die Scorpions bestimmen die Gitarrenmusik. Das macht den noch sehr jungen Steven Frank Albini fast wahnsinnig vor Abscheu. Der schmächtige Nerd aus Pasadena hat genug vom oberflächlichen Sex, Drugs und Rock'n'Roll-Einerlei. Er hasst die glatte Radiotauglichkeit der großen Bands. Was also liegt näher, als einfach mal die gesamte Rockwelt zu revolutionieren?

1982 schnappt er sich seinen Kumpel, den Gitarristen Santiago Durango. Big Black ist geboren. Stammbassist Dave Riley macht das Trio ein Jahr darauf perfekt. Eine Drummachine übernimmt die Beats. Gemeinsam entwerfen die drei vollkommen neuartigen, grandiosen Krach. Das Herz des Berserkersounds ist die irrwitzig verzerrte Gitarre der Band. Irgendwo zwischen Rasierklinge, Schleifmaschine und Zahnarztbohrer liegt das Klanguniversum der Kalifornier.

Die Texte Albinis erzählen von den realen - gern Zeitungartikeln entnommenen - Perversionen, Greuel und Autismen der "absolut degenerierten US-Gesellschaft im Zentrum des westlichen Kapitalismus." Seine verstörenden Zeilen kotzt er dem irritierten Publikum mal ggressiv, dann gequält vor die Füße. Mit Gesang im traditionell rockistischen Sinne hat das konzeptionell nichts mehr zu tun. Schon die erste LP "Atomizer" schlägt ein wie eine Bombe. National wie international zeigen sich Undergroundmedien und Hörer gleichermaßen beeindruckt von der merkwürdig tönenden, schrecklich schönen Musik der Amerikaner.

Um die volle künstlerische Hoheit zu behalten, wandelt Albini sein Haus in ein Tonstudio um. Er ist schnell gleichermaßen berühmt und berüchtigt für sein unbedingtes Drängen auf totale musikalische Unabhängigkeit. Diese Kompromißlosigkeit in Verbindung mit dem fremdartigen Ur-Noisecore macht Big Black in den Augen vieler Journalisten, Fans und Kollegen zu den wichtigsten Symbolfiguren der heute gängigen Begriffe "Independent" und "Alternative". Krönung dieser künstlerischen Lebensanschauung ist 1987 die schonungslose Ehrlichkeit auch bzgl. des eigenen Outputs. Weil er nicht sicher ist, ob das Material den furiosen Erstling würde toppen können, läßt er kurzerhand einen Sticker auf der "Headache E.P." anbringen mit der Warnung: "Nicht so gut wie Atomizer; erhofft euch nicht zuviel!"

Nach der im selben Jahr erscheinenden Indie-Überplatte "Songs About Fucking" empfindet Albini die eigene Band zunehmend als "entsaftete Zitrone". Kurz entschollsen löst er Big Black auf. Santiago Durango studiert daraufhin Jura und ist heute Rechtsanwalt; u. a. für die Big Black Plattenfirma "Touch and Go Records" tätig. Dort verwaltet er den Back-Katalogder Band. Dave Riley zieht sich aus der Öffentlichkeit nach einem 1993 erlittenen Schlaganfall zurück. Lediglich Albini dreht erst so richtig auf. Er lässt sich nun auch professionell zum Toningeneur ausbilden. Zahlreiche Bandprojekte (u.a. Shellac und Rapeman) veröffentlichen unregelmäßig Material. Und als Produzent feiert er weltweit große Indie-Erfolge; so zB mit Nirvana ("In Utero") oder den Pixies ("Surfer Rosa"). Immer auf der Suche nach dem ultimativen Krach. " Ich liebe gefärhlichen, fettarschigen Krach. Wir sind alle so dermaßen morsch und zerschmettert in unserer pathetischen Existenz, dass wir es zum festzurren brauchen!".

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