Porträt

laut.de-Biographie

Bérurier Noir

Es sind vor allen Dingen zwei Bands, die der französischen Punk-, Oi- und Psychobilly-Szene während der 80er Jahre ihren Stempel aufdrücken und die Entwicklung des alternativen Underground bis in die Gegenwart beeinflussen. Métal Urbain, die Punk in Frankreich auf die Tagesordnung setzen und Bérurier Noir, die 1983 als anarchistisches Musikerkollektiv ins Leben gerufen werden und rund zwanzig Jahre später auch den ehemaligen Kulturminister der Grande Nation, Jacques Lang, ihrer Fanschar hinzurechnen dürfen (ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren).

Die treibende Kraft hinter Bérurier Noir ist das Duo Francois und Loran, die mit ihrer Performance am 19. Februar 1983 in der L'Usine Pali-Kao den Startschuss für ein politisches Guerilla-Spektakel ohne gleichen geben. Was als einmaliges Event geplant war, entwickelt schnell ein Eigenleben. Die schlichten Rhythmen, die sägende Gitarre, die aufpeitschenden Gesänge, garniert mit kabarettistischen Einlagen und der unverhohlen politischen Komponente lassen Bérurier Noir innerhalb der Linken zu Vorreitern eines neuen "Movement de la Jeunesse" werden. Was die Sex Pistols und The Clash für das Vereinigte Königreich sind Bérurier Noir für Frankreich.

Vor Bérurier Noir spielen Francois und Loran in der Pariser Punkband Les Béruriers, die nach einem Charakter von Francois' Lieblingsschriftsteller Fredérique Dard benannt ist. Nach der Auflösung übernimmt das Duo den Namen, ergänzt um die Farbe der Trauer (Noir) und mit einem prägnanten Kreuz als Symbol. Bei den Aufnahmen der ersten LP "Macadam Massacre" 1984 noch ein Duo, scharen sich bald allerlei kreative Köpfe um Bérurier, so dass das Line Up 1989 bis auf 13 Personen anwächst.

Mit den neuen Mitgliedern verändert sich auch die Erscheinung der Franzosen hin zu dem von Francois und Loran angedachten "Petit Théâtre De Force". Zu Gesang, Gitarre und dem typischen Drumcomputer gesellen sich Saxophone, Trommler, Gaukler, Feuerspucker, Akrobaten, Clowns, Tänzer, Zeichner und Illustratoren, die die politisch hochbrisanten Texte in Vaudeville-Manier auf der Bühne zum Leben erwecken. Trotzdem bewahren Bérurier Noir ihren rauhen Charme und scheuen nicht davor zurück, eindeutig Stellung zu beziehen: Ob "Mineurs On Danger" oder "Viet Nam Laos Cambodge", ein Blatt nehmen sie zu keiner Zeit vor den Mund.

"La lutte oui mais la fête aussi", schreiben sich Bérurier Noir auf die Fahnen. Kampf und Party: Klar, dass Gängeleien durch die Polizei nicht lange auf sich warten lassen, und so führen die Anarchos mit Pierrot Kamouflage zeitweise einen Roadie, dessen Aufgabe es ist, für möglichst viel Verwirrung bei der Staatsmacht zu sorgen. Erfolgreich wie es scheint, denn Bérurier Noir veröffentlichen bis zu ihrer vorläufigen Auflösung, nach drei ausverkauften Konzerten am 9., 10. und 11. November 1989 im Pariser Olympia, zahlreiche Longplayer und EPs, die zu den Meilensteinen der französichen Alternative-Szene zählen.

Die EPs "Nuit Apache" und "Ils Veulent Nous Tuer" sind längst Klassiker. Doch das Erbe von Bérurier Noir erschöpft sich nicht allein in ihrem musikalischen Vermächtnis. Zahlreiche Musiker und Künstler, die durch die anarchistische Schule von Bérurier Noir gehen, spielen danach in Bands wie Washington Dead Cats oder Ludwig von 88, gründen das Label Bondage Records oder machen als Comiczeichner Karriere.

Helno, bei Bérurier Noir in der Clown-Rolle, wechselt 1987 zu Les Negresses Vertes ans Mikrofon, bevor er 1993 an einer Überdosis stirbt. Zehn Jahre nach seinem Ableben formieren sich Bérurier Noir 2003 für einige Konzerte wieder, die unter dem Titel "Même Pas Mort" als CD und DVD erscheinen und das karnevaleske Spektakel ihrer Liveauftritte eingehend dokumentieren. Die Reunion bleibt jedoch nur ein kurzes Zwischenspiel. Oder etwa doch nicht?

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