Porträt

laut.de-Biographie

Agent I

Aus der bosnischen Hauptstadt in die Metropole der Fahrradfahrer, Backgammonspieler und Tanztheater, von der Miljacka an die Dreisam, aus Sarajevo nach Freiburg: Rapkillas Agent I hat einen weiten Weg hinter sich. Gegen die Zustände, die während des Krieges in seiner Heimat herrschen, dürften sich selbst die krassesten Viertel der Stadt im Breisgau wie ein lieblicher Rosengarten ausnehmen. Agent I sieht dennoch hier wie dort "Blut Auf Beton".

Ivan Mandic erblickt das Licht der Welt 1982 in Sarajevo. Die Stadt - zu diesem Zeitpunkt noch blühendes Industrie- und Handelszentrum - ist zwei Jahre später Austragungsort der olympischen Winterspiele. Schon als Kind lebt Ivan zeitweise in Deutschland; sein Vater ist hier als Übersetzer tätig. Vermutlich erleichtern auf diesem Weg geknüpfte Kontakte Anfang der 90er Jahre den Entschluss der Familie, das Pulverfass Jugoslawien noch vor Ausbruch des Krieges zu verlassen. Eine weise Entscheidung: Dobrinja, wo die Mandics lebten, gehört aufgrund seiner ethnisch stark gemischten Einwohnerschaft zu den bei der Belagerung Sarajevos am übelsten in Mitleidenschaft gezogenen Stadtteilen.

Ivan landet in einer Hochhaus-Siedlung in Freiburg-Weingarten. Vom beschaulichen Breisgau ist wenig zu spüren, muss man doch auf engstem Raum zurecht kommen. Zwei Zimmer sind nicht gerade üppig für eine siebenköpfige Familie, was Vater Mandic nicht daran hindert, während des Krieges noch weitere Verwandte und Freunde aus Sarajevo heraus zu holen; zeitweise teilen sich bis zu 14 Personen die beiden Räume.

Nachvollziehbar, dass sich der Sohn so oft es geht verdrückt und auf den Straßen herumtreibt. Hier zelebrieren ältere Brüder und Cousins das Gang- und Ghetto-Leben, das sie sich beim Gangsta-Hip Hop von der amerikanischen Westcoast abkucken. Ein Rap-Star zu werden, das ist für Ivan fortan das erklärte Ziel. Erste Schritte in diese Richtung unternimmt er 1997; gemeinsam mit seinem Freund Ren Da Gemini ist er in den Reihen der Crew Southside Burners unterwegs. In den Jahren bis 2000 entstehen mehrere Demos in Albumlänge. Ivan legt sich den Kampfnamen Agent I zu.

Richtig harte Jungs treffen sich nicht in der Bibliothek, die begegnen sich bei einer amtlichen Schlägerei: Unter angemessen derben Umständen lernt Agent I den Produzenten DJ Ill kennen. Die beiden arbeiten mehr und mehr zusammen; die Kollaboration führt fast zwangsläufig zur Gründung des eigenen Labels. Rapkilla Records, nach eigenem Ermessen "die" Adresse für Gangsta-Rap in Süddeutschland, wird 2003 aus der Taufe gehoben. Aushängeschild des Indie-Labels bilden die aufwändigen Videos, für die hauptsächlich Agent I verantwortlich zeichnet. Neben ihm und Ren Da Gemini sind Menace, der Ex-GI Blessed Child und die Sarajevo Kids am Start. Produzieren und vertreiben die Jungs bisher ihre Tonträger in Eigenregie, erscheint 2004 mit Ren Da Geminis Album "Anschlag" die erste offizielle Rapkilla-Veröffentlichung. Ein Jahr später hat man bereits einen Deal mit einem Major-Vertrieb in der Tasche; Agent Is im Oktober folgender Longplayer "Blut Auf Beton" profitiert hiervon.

Moment mal. Natürlich kommt ein Album-Debüt nicht aus dem Nichts. Agent I profiliert sich vorher in diversen Feature-Parts. 2003 stellt er unter dem Titel "Diesmal" eine Demo-CD fertig. Er ist in drei Tracks auf "Anschlag" zu hören; zu der 2005 bei 7 Kilo Records erscheinenden Compilation "Freiburg - Der Sampler" trägt er "For The Streets" bei. Neben "Rapkilla Soldiers" kursiert im Internet seit Juli 2005 auch zu "Blut Auf Beton" ein Video, das beachtliche Download-Zahlen verzeichnet - klar, eine Mitwirkung der Hells Angels macht schon einiges her.

Wird im Dezember 2004 noch eine Beteiligung des neuen Rapkilla-Acts Ebola angekündigt, ist hiervon beim Erscheinen des Albums nichts mehr zu hören. "Blut Auf Beton" thematisiert neben Drogen und Gewalt, den üblichen Themen der Straße, auch Agent Is Bezug zu seiner Heimatstadt Sarajevo. Wie so oft, gehen die Meinungen stark auseinander: "die Zukunft, vom Feinsten, der Shit" urteilen die einen, während die Gegenseite Rapkilla als "Möchtegern-Gangster aus einer Möchtegern-Großstadt" abtut. Bleibt zu hoffen, dass die Differenzen übers Mikrofon und nicht mit dem Klappmesser ausgetragen werden.

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