Porträt

laut.de-Biographie

Tierra Whack

Philadelphia ist nicht gerade die Stadt, die man mit alternativem Hip Hop in Verbindung bringen würde. Entweder denkt man an die ganz alten Tage der Roots, den Fresh Prince oder Schoolly D, an Untergrundlegenden wie die Jedi Mind Tricks oder Bahamadia, oder man denkt an Trap-Ikonen wie Meek Mill oder Lil Uzi Vert. Dass aber mit Tierra Whack jemand aus der City of Philly schlüpft, der im Herbst 2018 für einen kurzen Moment zum Emblem jeglichen Hipster-Cools wird, kam unerwartet.

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Dabei sind die Wurzeln von Whack stark an ihre Heimatstadt geknüpft. Als Kind einer musikbegeisterten Mutter stößt sie schnell auf Missy Elliott, Kelis oder Busta Rhymes und entwickelt eine Faszination für das Reimen. In einer Stadt, in der zu der Zeit an jeder Ecke Freestyle-Shows steigen, eine gute Grundlage, so dass Tierra schon in ihren frühen Teenager-Jahren immer wieder rappend vor Kameras steht.

Dizzle Dizz nennt sie sich damals noch und wir so etwas wie eine geheime Ikone ihrer Stadt, unterstützt von Meek Mill und gefördert von allen möglichen Produzenten, die sie anhalten, endlich auch mal auf Wachs so richtig zu überzeugen. Doch der Druck verdirbt die Energie und Dizzle Dizz bleibt ohne amtliches Release, als Tierra zum Abschluss ihrer High School-Laufbahn nach Atlanta zieht.

Sie schlägt sich eine Weile an der Kunstschule durch und organisiert ihren Plan, bevor sie sich mit einem Produzenten ihrer Heimat zurückversetzt. Dieses Mal plant sie mit ihrem bürgerlichen Namen – Tierra Whack – und mit einer viel stärkeren visuellen Ambition. Songs wie "Toe Jam" oder "Shit Happens" erregen erste Aufmerksamkeit, "Mumbo Jumbo" wird dann ein echter Erfolg. Das abstruse Video mit dem schrägen Konzept des gesperrten Rap-Mundes, halb Mumble-Rap und halb "Through The Wire" beweist Potential, zeigt aber auch, dass da schon ein Budget besteht. Whack steht nämlich um diese Zeit bereits bei Interscope unter Vertrag.

Eine Partnerschaft, die ihrer Kreativität aber keine Schranken aufzuerlegen scheint: Im Juni 2018 erscheint das, was für viele darauf ihr Magnus Opus werden soll. "Whack World" ist ein Mini-Album, das fünfzehn Songs von je genau einer Minute Spielzeit beinhaltet. Begleitet wird jenes von einer Viertelstunde buntem und einfallsreichem Musikvideo, das die Reichweite und Vielseitigkeit von Whack perfekt einfängt.

Plötzlich interessieren sich Rapper von Vince Staples bis André 3000 für die Rapperin, Lauryn Hill nimmt sie sogar für eine Show auf Tour mit. Billie Eilish wird in Portrait-Artikeln beschrieben, wie sie gerade "Whack World" in ihrem Zimmer in Dauerschleife hört. Das Wachstum hält bis in den Herbst an und Schritt für Schritt wächst die Fangemeinde, die diese Anomalie der Raplandschaft bewundert.

Ein Aufstieg, der sogar in einer Grammy-Nominierung kulminiert. Zwar nur die Musikvideo-Kategorie, aber der Fokus auf die visuelle Kunst war ja schon lange vorab geplant. 2019 steht Whack deshalb an einem eigenwilligen Scheideweg, an dem sie sich zwar einerseits vom Gimmick-Faktor von "Whack World" emanzipieren sollte, gleichzeitig aber auch den Spaßfaktor des Konventionenbrechers nicht so recht ablegen will. Im Frühjahr veröffentlicht sie eine ganze Menge Songs, darunter "Unemployed", die alle auf ein neues Release hinzuarbeiten scheinen.

Tierra Whack hat sich aus Philly herausgearbeitet und steht nun im Fadenkreuz der Internet-Rap-Hipster-Gemeinde. Seite an Seite mit Künstlern wie Tyler The Creator, Brockhampton oder Princess Nokia liegt Aufmerksamkeit und Hoffnung eines frischen Winds im Genre auf Schultern, die noch gar nicht so lange im Game agieren. Aber sollte Tierra ihr auf "Whack World" gezeigtes Talent für Songwriting, Melodien und einzigartige Sound-Entscheidungen nun auch in ganze Alben übersetzen können, dürfte ihr nichts im Weg stehen, um einem solchen Versprechen gerecht zu werden.

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