laut.de-Kritik

Der schmale Grat zwischen Steel Panther und Queen.

Review von

Liebe Kinder, ihr müsst jetzt stark sein: Der Weihnachtsmann ist eine Erfindung eines Karies fördernden Brause-Herstellers und glaubt man den britischen Blödel-Barden von The Darkness, so fällt auch Ostern flach. Ähnlich wie das Artwork der jüngsten Michael Schenker-Platte würde Papst Franziskus das Cover von "Easter Is Cancelled" am liebsten in den Tiefen der vatikanischen Katakomben versenken.

Im Gegensatz zur prolligen Pussy-Posse von Steel Panther verstehen The Darkness nicht nur ihr Handwerk, sondern verbinden Augenzwinkern mit Tiefgang. Justin Hawkins verkörpert die geschundene Künstlerseele auf diesem Konzeptalbum zwischen Kunst und Kommerz mit Inbrunst und doppelten Böden.

So kann der Verlust eines Liegestuhls ("Deck Chair") einen sensiblen Musikus schon mal in existentielle Nöte stürzen. Der Grat zwischen Geistesknicks und Geistesblitz bleibt schmal ... Musikalisch agiert das Quartett über jeden Zweifel erhaben. Klassischer Hard- und Glamrock bilden die Eckpfeiler. Dazwischen lehnen sich The Darkness stark an ihrer Majestät an. Justins Gesang vollzieht ähnliche Schlenker wie einst Freddie Mercury und die Gitarrenhälse qualmen in kontrapunktischer Verzahnung, eben wie bei Brian May.

Wer wie Hawkins seine Spandex immer eine Nummer kleiner wählt, kriegt auch solch spitze Schreie auf die Reihe. Anwärter auf den Titel des Jahres ist "Live 'Til I Die": Eine Nummer wie gemacht für die großen Bretter dieser Welt. Auf diesen gastierten The Darkness jüngst zumindest im Vorprogramm von Everybodys Darling Ed Sheeran. "Heart Explodes" oder "How Can I Loose Your Love" besitzen Hooks und Humor. "We Are The Guitar Men" startet als Akustik -Gitarren-Orchester und steigert sich über dezente Disco-Elektronik zu einem epischen Finale, dem die Eddie Van Halen-Gedächtniseruption die Krone aufsetzt.

"Choke On It" versprüht dagegen schnoddrigen Punk-Charme der Marke The Sex Pistols oder The Clash. Der Titelsong verbindet die Elemente Schwermetall und Schmachtfetzen. "Heavy Metal Lover" startet als schnurrendes Kätzchen: "Come on little baby sit next to me / Listen to a little orbituary / You love your metal and it loves you back / Even your pyjama is ... black." Das Wort "black" intoniert eine Horde wildgewordener Black Metal-Pandas. Danach ertönt ein noisiges Riff-Gewitter wie es jüngst King Gizzard & The Lizard Wizard über die Menschheit ausschütteten.

Für Großmaul Hawkins kann daher nur der Himmel die Grenze seiner Ambitionen sein: "Mit der Verwirklichung eines so gewaltigen Ziels ist eine Grenze erreicht worden, so dass dies das letzte traditionelle Musikalbum von The Darkness sein wird. Nachdem wir uns dem Ewigen und Ultimativen gestellt haben, müssen wir nun zu höheren Kunstformen übergehen. Die Zukunft ist eine offene Tür. Was verbirgt sich dahinter?" Notfalls eben die nächste Ladung 70s-Glamrock auf einer Stufe mit The Night Flight Orchestra.

Trackliste

  1. 1. Rock and Roll Deserves to Die
  2. 2. How Can I Lose Your Love
  3. 3. Live 'Til I Die
  4. 4. Heart Explodes
  5. 5. Deck Chair
  6. 6. Easter is Cancelled
  7. 7. Heavy Metal Lover
  8. 8. In Another Life
  9. 9. Choke on It [Explicit]
  10. 10. We Are the Guitar Men

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