Porträt

laut.de-Biographie

The Chameleons

Chamäleons passen sich ihrer Umwelt an. Diese britische Band tat 1981 mit ihrem Sound nichts anderes. Nur ein Ton von ihren Platten genügt, um die 80er Jahre zu fühlen. Mit dem Wort "anpassen" tut man ihnen dennoch unrecht. Schließlich war es für alle Musiker, gerade aus Manchester, die ihre Wurzeln im Punk hatten und trotzdem zum Pop wollten, nach Joy Division recht schwer, sich abseits dieses schwermütig-eingängigen Soundvorbilds auszutoben.

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Die Chameleons gründen sich aus dem Rest verschiedener lokaler Bands in Middleton, einem Vorort von Manchester. Mark Burgess (Gesang und Bass), Reg Smithies (Gitarre) und Dave Fielding (Gitarre) begannen zunächst ohne Schlagzeuger, um an ihrer Version von Post-Punk zu feilen. Ganz ohne Takt klappt das aber nicht und so kommt Brian Scholfield als Drummer in die Band, den wiederum schnell John Lever ersetzt.

Englands bester Riecher für gute Musik gehört seinerzeit bekanntlich Radio-DJ John Peel. Auch die Chameleons haben ihm einiges zu verdanken: Lange bevor sie einen Labeldeal an Land ziehen, spielen sie eine Peel Session. Mit den BBC-Aufnahmen macht die Band Epic auf sich aufmerksam und tritt mit der Single "In Shreds" 1982 das erste Mal auf die musikalische Bildfläche. Die mit einem dicken Echo versehenen Gitarren und Burgess' sphärische Stimme (Robert Smith kommt nicht nur einmal als Vergleich vor) spielen sich die Chameleons schnell einige Indie-Rock-Herzen und finden vor allem in der etwas dunkler angehauchten Wave-Ecke eine kleine Fanbasis.

Mi dem Debüt-Klassiker "Script Of The Bridge" von 1983 kommt der erhoffte Durchbruch dann aber doch nicht so recht in die Pötte. Dafür pendeln sich die Chameleons im undankbaren Platz der ewig unterschätzten Bands ein, die selbst heute noch Kult-Status genießen und zu einer wichtigen Inspiration für viele Indie-Bands der Neunziger und Nullerjahre wurden, darunter Slowdive, The National und natürlich Interpol.

Ihre Plattenfirma trifft die Entscheidung, die Band für den amerikanischen Markt in The Chameleons UK umzubenennen, um Rechtsstreitereien mit einer bereits existierenden Band gleichen Namens vorzubeugen. Zudem erdreistet sich das Label, die US-Veröffentlichung ohne Einverständnis der Band um vier Songs zu kürzen. Somit ist das Verhältnis der beiden Parteien mehr als angeknackst. Burgess und Co. sind aber vertraglich noch zur Veröffentlichung ihres zweiten, Synthie-dominierten Albums "What Does Anything Mean? Basically" gebunden, das 1985 erscheint. Danach geht man endlich getrennte Wege, bevor man mit dem dritten Album "Strange Times" zu Geffen wechselt.

The Chameleons - Live From London
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1987 stecken die Chameleons gerade mitten in den Aufnahmen für ihr viertes Album, als sie die Hiobsbotschaft vom Tod ihres langjährigen Managers Tony Fletcher erreicht, der eine Art fünftes Bandmitglied war. Verloren und hilflos weiß die Band weder vor noch zurück, und zu allem Übel verstricken sich Mark Burgess und David Fielding auch noch in einem heftigen Streit, der die Band endgültig implodieren lässt. Noch im Studio geben die Chameleons ihre Auflösung bekannt. Die vier bereits eingespielten Songs werden drei Jahre später auf der "Tony Fletcher Walked On Water"-EP veröffentlicht.

Lever und Burgess gründen daraufhin die neue Band The Sun And The Moon und veröffentlichen ein selbstbetiteltes Album, bevor auch dieses Projekt 1989 in die Brüche geht. Währenddessen musizieren Smithies und Fielding als The Reegs und nehmen zwei Alben auf. Nach dem Split von The Sun And The Moon konzentriert sich Chameleons-Kopf Mark auf eine Solokarriere. Es erscheinen einige Studioalben, teilweise unter Mithilfe einiger Mitglieder der Band The Suns Of God. Nachdem eine recht unübersichtliche Flut an B-Seiten und Live-Aufnahmen ihren Weg in die Chameleons-Diskographie findet, hört man 2000 das erste Mal auch wieder neue Töne aus ihren Instrumenten. Nach fünfzehn Jahren Abstinenz begraben die vier Originalmitglieder das Kriegsbeil und raffen sich zu einem kurzen Comeback für das Album "Why Call It Anything?" auf. Doch schon nach zwei Jahren und einer Welttournee ist es wieder aus mit der Harmonie.

Ein schönes Zeitdokument kommt 2006 in Form der DVD "Live From London" auf den Markt. Es beinhaltet einen 60-minütigen Live-Auftritt der Band aus dem Jahr 1984, der damals im englischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Songs wie "Don't Fall", "Second Skin" und "Pleasure And Pain" zählen heute längst zu Wave Rock-Klassikern. 2007 stirbt Drummer Lever nach kurzer Krankheit. Mark Burgess tourt alle paar Jahre als Chameleons Vox und präsentiert die Songs seiner Vergangenheit einer neuen Generation.

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