Porträt

laut.de-Biographie

The Allman Betts Band

Sie heißen Missouri, Alabama und Georgia, und ihre Namen haben einen höheren Bekanntheitsgrad als ihre Städte: St. Louis, wo Devon Allman aufwuchs, in den 90ern ein Geschäft für Gitarren betrieb. Muscle Shoals, größte Metropole Alabamas, nach der ein Weltklasse-Tonstudio-Komplex benannt ist, der aber in der Stadt Sheffield liegt. Macon, das es namentlich acht Mal gibt, einmal davon in Georgia.

The Allman Betts Band - Down To The River Aktuelles Album
The Allman Betts Band Down To The River
Die Antworten auf alles Übel sind Rock'n'Roll und starker Whiskey.

Von dort, dem so genannten 'Herz von Georgia', Verkehrsknotenpunkt, stammen extrem viele Musiker. Anno 1960 halb so groß wie mit seinen über 150.000 Einwohnern heute, ist die Stadt klein dafür, dass die Musikwelt ihr Young Jeezy verdankt, Randy Crawford, Torres, R.E.M.-Bassist und Keyboarder Mike Mills, R.E.M.-Drummer und Co-Songautor Bill Berry, "Easy Rider"-Schauspieler Francis Luke Askew, Legenden wie Little Richard, Otis Redding und The Allman Brothers Band.

Shelley, die Mutter von Devon Allman, wird von Gregg Allman, Sänger, geschwängert, als die Band das Album "Eat A Peach" einspielt, nicht in den Muscle Shoals-Studios, sondern noch exquisiter, in den Tonhallen der Criteria in Miami. Soweit schafft es die Allman Betts Band später nicht, die Muscle Shoals, Entstehungspunkt anderer Allman Brothers-Alben, nutzen auch die Nachfahren.

Die Stimmung in jenem Spätherbst 1971 dürfte gemäß dem Albumcover drogengeschwängert und rosarot gewesen sein, und Gregg verlässt Shelley bald, nachdem der gemeinsame Knabe Devon am 10. August 1972 zur Welt kommt. Es zieht den Papa zu anderen Frauen. Cher heißt die Favoritin, aber auch nicht lange – nur bis Devon in die Schule kommt.

Die Mama schaut sich das nicht lange an und zieht den kleinen Rock-Sprössling alleine auf, zieht mehrmals um, weit weg, an den heilig klingenden Ort Corpus Christi in Texas. Dann nach Tennessee, wo Devon seinen Schlag Southern Blues, Rock'n'Roll und natürlich Country fürs Leben schon in der Frühpubertät abbekommt – unabhängig davon, dass sein Vater zu jener Zeit bereits als Ikone des Southern Rock glänzt. Danach also: Missouri. Wie der Name andeutet, situiert sich die Stadt direkt am Mississippi. Sie atmet viel Geschichtsgeist und wirkt inspirierend für künstlerisches Schaffen.

Dass Devon dem Papa in dessen Fußstapfen folgt, liegt dennoch nicht so klar auf der Hand. Er spielt ein bisschen nebenbei, in einer lokalen Band, okay. The Dark Horses. Schnell davon geritten. Mit 27, als andere Rock-Stars schon für ewig im Rock'n'Roll-Himmel schweben, fängt Devon an. Sein Vater hat gerade einen Solo-Comeback-Versuch gewagt, und Devon gründet seine Band Honeytribe. Devon Allman wird selbst Papa, und die Band liegt schnell wieder auf Eis.

Mit 33 entschließt er sich ein Debüt aufzunehmen, der übermächtige Vater Gregg hat gerade lange nichts von sich hören lassen, seit 1997, und die Musikpresse stürzt sich auf das Honeytribe-Debüt "Torch", als ginge es um das persönliche Erbe der Allman Brothers Band. Was es ja nebenbei auch ist. Es spielt sich dies in der Ära ab, als The Derek Trucks Band gerade auf ihrem Zenith mit "Songlines" ankommt, es scheint die richtige Zeit zu sein, und der Name bleibt im kollektiven Gedächtnis der Rock-Fans.

Doch so toll wirkt das Album nicht nach. Obwohl es mit einer unerwarteten Coverversion von "No Woman, No Cry", mit Slide Guitar, überrascht. Doch weder die Produktionstechnik klingt ausgereift, noch die Texte: "Mercy Mercy", "Heaven Has No Mercy", "511 Texas Avenue", schon die Songtitel rufen nach kurzer Zeit Gähnen hervor. Zu dieser Zeit kreuzen sich seine Wege noch nicht mit einem anderen berühmten Sohnemann der Allman Brothers-Welt, Duane Betts.

Duane, jetzt wird es spooky, ist deswegen der Vorname von Kollege Betts, weil zur Allman Brothers Band anfangs Duane Allman gehörte. 1971 starb er bei einem Motorradunfall starb, er war der Bruder von Bandleader Gregg Allman. Ein anderer aus der Band, Dickey Betts, Gitarrist, nannte seinen Sohn daraufhin im Andenken an den verstorbenen Mitstreiter Duane. Duane Betts hat wiederum keine Brüder, dafür einige Schwestern, von denen eine natürlich "Jessica" heißt. Es geht immer um Familie bei dieser Bandhistorie.

Das wohl meistgespielte Gitarrenrock-Instrumental in TV und Radio in den 70ern war "Jessica" von der Allman Brothers Band, betitelt nach besagter Jessica Betts. Der Song veredelte das BBC-Magazin "Top Gear" und diente Thomas Gottschalk als 'Backtimer', also Auffüllmusik vor den News, für seine "Club 16"-Sendung, Urmutter aller deutschsprachigen Rock-Radiosendungen. Dickey Betts hatte das Brett komponiert und das Gitarrenriff kreiiert, und Gregg Allman spielte die Hammond-Orgel. Betts - Allman - Wenn Duane und Devon aufeinander treffen, reinkarnieren sie auch das Gruppengefüge von damals.

Betts tourt in den 2000er Jahren mit dem damals aufkommenden Hawaii-Rocker Jack Johnson, hat aber keine eigene Band. Zu seinen Weggefährten zählen bald Kid Rock und G. Love & Special Sauce, aber der hawaiianisch-soulige Surf-Sound lässt ihn nicht los, und so formt er 2017 mit Donavon Frankenreiter und G. Love die Supergruppe Jamtown.

2017 ist das Jahr, in dem Gregg Allman stirbt. Vielleicht bringt genau dieser Vorfall die Kinder der legendären Rockband zusammen: Devon Allman hat sich selbst schon einen großen Namen mit der Royal Southern Brotherhood erworben und nennt sich nun Devon Allman Project. An seiner Seite Duane Betts, zwei Perkussionisten. Daneben Bass, Gitarre, Keyboards, sieben Leute insgesamt. Sie durchmessen das Blues Rock-Planquadrat, also Rock, Blues, Soul und Country.

Es gibt kein Album, aber eine Tour: Sie covern die Spinners, "I'll Be Around", Bill Withers, "Lean On Me", alles Songs aus der großen Zeit der Allman Brothers Band, und sie spielen Musik aus dem Repertoire von Honeytribe und Royal Southern Brotherhood. Devon ist der Chef, aber es geht nicht um seine Songs, sondern auch um das Erbe der Väter, um "Midnight Rider" etwa, und auch um Duane Betts, dessen Komposition "Taking Time" etwa.

Für The Allman Betts Band setzen Devon und Duane noch einen drauf und gewinnen Berry Oakley Jr. Dessen Vater Berry Oakley zupfte den Bass bei der Allman Brothers Band bis zu "Eat A Peach", starb aber an einem Motorradunfall. Zum Sextett gehören auch Johnny Stachela an der Slide-Gitarre, R. Scott Bryan aus der Band von Sheryl Crow und John Lum, ein studierter Jazzer, der schon bei The Black Keys aushalf. John Ginty derweil gewann mit The Blind Boys Of Alabama einen wohl verdienten Grammy für seine Keyboard-Arbeit auf "Higher Ground". Seine eigene Band, die John Ginty Band, klingt auch reizvoll und veröffentlicht vier bluesige Alben, darunter 2016 "Rockers".

Im Jahr 2018 bringt auch Duane Betts mit "Sketches Of American Music" eine erste Solo-EP heraus. The Allman Betts Band sprießt also nach allen Seiten, schon bevor es sie gibt. Ihr Debüt "Down To The River" bräuchte sie gar nicht, um auf Tour zu gehen – Material existiert genug. In Deutschland performen sie sieben Gigs, darunter auf dem 70er Jahre-Spirit verbreitenden Burg Herzberg-Festival.

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